Dädalus, der große Erfinder der griechischen Mythologie

9. September 2019
Erfinder, Architekt und Bildhauer. Dädalus ist besonders bekannt als Erbauer des Labyrinths des Minotaurus. Erfahre hier mehr über ihn!

Dädalus war ein Erfinder, Architekt und Bildhauer der griechischen Mythologie. Diese erzählt davon, wie er unter anderem das berüchtigte Labyrinth für den kretischen König Minos baute, in welches der Minotaurus verbannt wurde. Der Name Dädalus bedeutet „der kunstvoll Arbeitende“.

Obwohl Dädalus eine mythologische Figur ist, wurde sein Name für zahlreiche weitere Charaktere verwendet. In der Figur des Dädalus personifizierten viele griechische Autoren Entwicklungen in der Kunst, Bildhauerei und Architektur.

Er soll im frühen heroischen Zeitalter gelebt haben, während der Ära von Minos und Theseus. Allerdings hat Homer Dädalus nur ein einziges Mal erwähnt. Unter Experten gilt diese Passage aber als umstritten.

Woher kam Dädalus?

Frühe Schriftsteller halten Dädalus für einen Athener, der ein Nachkomme der königlichen Linie von Erechtheidae war. Andere wiederum glauben, er sein ein Kreter gewesen, da er so viele Jahre auf Kreta gelebt hat.

Nach den Angaben von Diodorus, der am ausführlichsten über Dädalus berichtet, war er der Sohn von Metion. Metion wiederum war der Sohn des Eupalamus, der Erichthonius Sohn war. Wieder andere Autoren behaupten, dass Dädalus in Wahrheit der Sohn des Eupalamus oder Palamaon war. Der Name seiner Mutter war Alcippe, Iphinoe oder Phrasmede.

Dädalus arbeitete als Bildhauer und erschuf viele Kunstwerke. Außerdem hatte er zwei Söhne, Ikarus und Iapyx. Auch sein Neffe, Talos (oder Perdix) spielt eine wichtige Rolle in seiner Geschichte.

Dädalus - Akropolis

Der neidische Schöpfer

Dädalus war so stolz auf seine Leistungen und Errungenschaften, dass er die Vorstellung nicht ertragen konnte, einen Rivalen zu haben. Die Schwester des Architekten schickte ihren Sohn zu seinem Onkel, der ihm in den mechanischen Künsten unterrichten sollte.

Der Name dieses jungen Mannes war Perdix, obwohl manche Quellen ihn auch Talos oder Calos nennnen. Perdix erwies sich als künstlerisch sehr begabt und talentiert und war zudem sehr einfallsreich und kreativ.

In der griechischen Mythologie wird erzählt, dass Perdix die Wirbelsäule eines Fisches aufhob, als er am Strand spazieren ging. Von ihrer Form inspiriert, nahm er ein Stück Eisen und formte daraus eine Kopie dieser Wirbelsäule. So entstand die erste Säge. Eine andere Geschichte erzählt davon, dass er zwei Eisenstücke aneinandergelege. Daraufhin verband er das eine Ende mit einer Niete, das andere Ende schärfte er. So entstand der erste Kompass.

Dädalus war so neidisch auf die Leistungen seines Neffen, dass er Perdix von der Akropolis in die Tiefe stieß. Daraufhin verwandelte die Göttin Athene Perdix in ein Rebhuhn und Perdix kam sicher und unversehrt am Boden an. Gleichzeitig versah sie Dädalus rechte Schulter mit einer Narbe, die die Form eines Rebhuhns hatte. Aufgrund dieses Verbrechens wurde Dädalus verurteilt und verließ Athen, nachdem er sich zuvor einige Zeit versteckt hatte.

Kreta, ein Labyrinth und eine hölzerne Kuh

Nach seiner Ankunft auf Kreta wurde Dädalus von König Minos und dessen Frau Pasiphae aufgenommen. Doch schon kurze Zeit später befand sich Dädalus in einer weiteren gefährlichen Situation.

Das Problem war, dass Minos sich dazu entschlossen hatte, einen prächtigen weißen Bullen zu behalten, den Poseidon ihm geschenkt hatte. Obwohl der Bulle eigentlich als Opfergabe für den Gott des Meeres gedacht war, wollte König Minos ihn nicht opfern. Aufgrund dieser Entscheidung wurde Poseidon sehr wütend. In seinem Zorn weckte er in Pasiphae ein sexuelles Verlangen nach dem Bullen.

Daraufhin beauftragte Pasiphae Dädalus mit dem Bau einer hölzernen Kuh, in der sie sich versteckten konnte, um sich mit dem Bullen zu vergnügen. Nach dem Geschlechtsverkehr mit dem Bullen wurde sie schwanger und brachte den Minotaurus zur Welt. Er war eine Gestalt mit dem Körper eines Menschen und dem Kopf eines Bullen.

Nun erteilte Minos Dädalus den Auftrag, ein Gefängnis in Form eines Labyrinths zu bauen. Minotaurus sollte keinesfalls daraus entkommen können. Dies war das berühmte Labyrinth der griechischen Mythologie.

Dädalus nahm den Auftrag von König Minos sehr ernst. Er erbaute ein Gefängnis für den Minotaurus und erschuf damit eines der herausragendsten architektonischen Meisterwerke aller Zeiten. Das Labyrinth bestand aus scheinbar endlosen Gängen und hatte zahllose komplizierte Kehren und Wendungen. Alles diente dem Zweck, jeden, der dieses Labyrinth betrat, so zu verwirren, dass es praktisch unmöglich war, wieder herauszufinden.

Theseus und das Garnknäuel

Alle sieben Jahre mussten die Athener sieben junge Männer und sieben Jungfrauen nach Kreta schicken, die dem Minotaurus geopfert wurden. Diese Opfergabe diente der Aufrechterhaltung des Friedens zwischen den beiden Parteien. König Minos hatte sie den Athenern auferlegt, nachdem zuvor der König von Athen seinen Sohn Androgeus ermordet hatte.

Theseus kam in der zweiten Gruppe der Opfergaben als Freiwilliger aus Athen nach Kreta. Sofort nach seiner Ankunft verliebte er sich in Ariadne, die Tochter des Königs Minos. Da die Prinzessin den Tod ihrer neuen Liebe verhindern wollte, bat sie Dädalus um dessen Hilfe.

Daraufhin gab Dädalus dem Theseus ein Garnknäuel. Er befestigte ein Ende des Fadens am Eingang des Labyrinths. So konnte Theseus wieder aus dem Labyrinth herausfinden, nachdem er den Minotaurus getötet hatte.

Dädalus - Labyrinth

Der Flug von Dädalus und Ikarus

Nachdem König Minos davon erfuhr, dass Dädalus die hölzerne Kuh für seine Frau angefertigt hatte, war er außer sich vor Wut. Er bestrafte Dädalus für diesen Verrat, indem er ihn und seinen Sohn Ikarus in das Labyrinth verbannte.

Doch Dädalus wusste, wie er aus dem Labyrinth entkommen konnte. Allerdings gab es ein weiteres Problem, das er lösen musste. Er konnte die Insel nicht über den Seeweg verlassen, da alle Seerouten permanent überwacht wurden. Daher musste er seinen Erfindungsreichtum als Ingenieur einsetzen, um einen anderen Fluchtweg zu finden. Er baute aus hölzernen Stäben zwei Paar Flügel. Diese dienten als Gerüst für echte Federn, die mit Wachs daran befestigt wurden.

Nach Fertigstellung der Flügel gab er seinem Sohn genaue Flug-Instruktionen. Er durfte nicht zu tief fliegen, da sich die Federn sonst mit Wasser vollsaugen und herabstürzen könnten. Gleichzeitig sollte er auch darauf achten, nicht zu viel Höhe zu bekommen, da die Sonne andernfalls das Wachs schmelzen würde.

Schließlich gelang den beiden die Flucht und sie flogen Richtung Sizilien. Allerdings vergaß Ikarus schon bald nach dem Start die Anweisungen seines Vaters und stieg immer höher hinauf. Die Sonne schmolz das Wachs, wodurch seine Flügel zerstört wurden. Daraufhin stürzte er ins Meer und ertrank.

Ikarus stürzte in der Nähe der Insel Samos ins Meer und sein Leichnam wurde an die Küste einer nahe gelegenen Insel gespült. Daraufhin nannten die Bewohner diese Insel zu seinen Ehren Ikaria. Auch das diese Insel umgebende Meer wurde fortan das Ikarische Meer genannt.

Der Erfinder Dädalus

Es gibt viele Anekdoten, die detailliert über seine zahlreichen Erfindungen berichten. Plinius schrieb ihm in seiner Naturgeschichte die Erfindung der Zimmerei zu.

Die griechische Mythologie berichtet davon, dass Dädalus Masten und Segel für Boote baute, die von König Minos Marine eingesetzt wurden. Pausanias schreibt ihm die Schaffung einiger sehr eindrucksvoller antiker hölzerner Kultfiguren in ganz Griechenland zu.

Andere Quellen berichten, dass er sehr detailreiche Statuen geschaffen haben soll. Sie sollen so detailgetreu gewesen sein, dass sie beinahe lebendig erschienen. Die Legende besagt, dass die Statuen geflohen wären, wenn sie nicht mit Ketten an den Wänden befestigt worden wären.

Dädalus verkörperte einen anonymen griechischen Handwerker und Künstler. Außerdem wurde ihm die Erfindung vieler außergewöhnlicher technischer Geräte zugeschrieben.

Dädalus - Ikarus

Die Bedeutung der Legende

Auf vielen griechischen Vasen, wertvollen Steinen und pompejischen Wandgemälden finden sich Bildnisse von Dädalus und Ikarus. Ein sehr berühmtes römisches Relief zeigt Dädalus mit den Fügeln, die er und sein Sohn für die Flucht von Kreta benutzten.

Auch in viel späterer Zeit würdigten Künstler ihn und seine Erfindungen. Pieter Brügel malte beispielsweise den Sturz des Ikarus. Anthonis van Dyck und Charles le Brun erschufen ebenfalls einige Werke über die Legenden von Dädalus. Darüber hinaus war er auch Gegenstand von Brills Werken sowie Skulpturen von Antonio Canova.

Die Legenden von Dädalus inspirierten auch Schriftsteller wie James Joyce und W.H. Auden. Durch sie und viele andere bleiben sowohl der Name Dädalus als auch die Legenden über ihn bis ins 21. Jahrhundert lebendig und präsent.

Die Geschichte von Dädalus erinnert uns daran, wie wichtig es ist, auch die langfristigen Auswirkungen von Erfindungen stets gut zu überdenken. Er dient uns als Symbol für das, was passieren kann, wenn Erfindungen mehr Schaden als Nutzen bringen. So hat Dädalus beispielsweise die Flügel gebaut, die seinem Sohn letztendlich den Tod brachten.

Gleiches gilt für seine Entwicklung des riesigen und beinahe ausweglosen Labyrinths für Minotaurus. Seine Komplexität machte es beinahe unmöglich, das Monster zu töten.

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