Claude Lévi-Strauss: Biographie eines außergewöhnlichen Anthropologen

17 August, 2020
Claude Lévi-Strauss lebte ein relativ ruhiges und friedliches Leben. Dennoch verursachte er in der Welt der Anthropologie eine Revolution. Er definierte seine Arbeit als Versuch, folgende Frage zu beantworten: "Was ist die Menschheit?"

Claude Lévi-Strauss ist der Vater der modernen Anthropologie und einer der bedeutendsten Denker des 20. Jahrhunderts. Er war der Begründer der strukturalen Anthropologie, die die Geschichte dieser Disziplin veränderte. Und das machte ihn in der akademischen Welt berühmt.

Obwohl es seltsam erscheinen mag, war Claude Lévi-Strauss’ Traum tatsächlich interplanetarisch. Er erwähnte mehrmals, dass seine größte Fantasie darin bestand, dass Menschen den Weltraum kolonisieren und auf dem Mond oder vielleicht auch dem Mars siedeln würden.

Dieser Mann stellte sich vor, dass Menschen dort neue Zivilisationen errichteten und die Erdenbewohner vergessen würden. Außerdem glaubte er, dass sich die auf der Erde verbleibenden Menschen wieder in einen wilden Zustand zurückentwickeln würden und er sie dann studieren könnte.

“Die Welt begann ohne den Menschen und sie wird auch ohne ihn enden.”

– Claude Lévi-Strauss –

Françoise Héritier, sein Nachfolger am Collège de France in Paris, fasste seine Arbeit mit der Aussage zusammen, er habe etwas Grundlegendes über die Menschheit gelehrt. Kulturen können sich manchmal sehr voneinander unterscheiden.

Dennoch hat Claude Lévi-Strauss bewiesen, dass der kognitive Apparat der Menschen der gleiche ist. Infolgedessen sind sowohl die Unterschiede als auch die Universalität bei Menschen von grundlegender Bedeutung.

Claude Lévi-Strauss - Gehirn aus bunten Würfeln

Claude Lévi-Strauss: Seine jungen Jahre

Claude Lévi-Strauss wurde am 28. November 1908 eher zufällig in Belgien geboren. Seine Eltern waren französische Juden, die zu jener Zeit auf Reisen waren.

Sein Vater war ein Porträtmaler und seine Mutter eine Hausfrau. Daher war er umgeben von der Liebe zur Kunst, insbesondere der Malerei, Musik und Poesie.

Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, zog er mit einem seiner Großväter, einem bekannten Rabbi, nach Versailles. Claude Lévi-Strauss’ erste Erfahrungen mit der Synagoge waren geprägt von Kälte und Strenge. Daher stand er der Religion bereits in jungen Jahren eher gleichgültig gegenüber.

Stattdessen entwickelte er eine Leidenschaft für die Natur und zeigte großes Interesse daran, seltene und kuriose kulturelle Artefakte zu sammeln. Darüber hinaus hatte er einen scharfen Verstand, obwohl er in der Schule nicht wirklich herausragte.

Als Teenager kehrte er dann nach Paris zurück, wo seine Familie lebte, und schloss sich einer sozialistischen Organisation an.

Vom Philosophen zum Ethnologen

Claude Lévi-Strauss begann zunächst ein Studium der Rechtswissenschaften. Allerdings änderte er im Jahr 1927 seine Meinung und setzte stattdessen sein Studium mit dem Hauptfach Philosophie an der Sorbonne in Paris fort.

Dort begegnete er Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. Später gab er zu, dass die Philosophie ihn gleichermaßen anzog und verärgerte, da er das Gefühl hatte, in diesem Feld gäbe es zu viele Eitelkeiten und Spekulationen.

Nachdem er sein Studium beendet hatte, arbeitete er zunächst als Mittelschullehrer. Allerdings fühlte er sich in diesem Beruf nicht sehr wohl: Er konnte sich nicht vorstellen, für den Rest seines Berufslebens zu unterrichten.

Ein Anruf von Célestin Bouglé, Direktor der École normale supérieure (einer renommierten Graduiertenschule) in Paris, veränderte alles.

Dieser Moment markiert einen radikalen Wendepunkt in seinem Leben. Bouglé bot ihm an, im Rahmen einer Mission der Universität nach São Paulo zu reisen, um dort Professor für Soziologie zu werden.

Claude Lévi-Strauss kam im Jahr 1935 in Brasilien an. Im Jahr 1939 begann er damit, ethnographische Expeditionen nach Mato Grosso und zum Amazonas zu unternehmen. Diese Erfahrungen markierten den Beginn seines bedeutendsten Werkes: der strukturalen Anthropologie.

Claude Lévi-Strauss - Flusslandschaft

Ein Mann, der ein ganzes Jahrhundert lebte

Nach seinen Erfahrungen in Brasilien begann Claude Lévi-Strauss, neue Ideen, neue Methoden und großartige Überlegungen zu entwickeln. Später verbrachte er einige Zeit in den Vereinigten Staaten, um während des Zweiten Weltkrieges der Verfolgung durch die Nazis zu entkommen. Während dieser Zeit knüpfte er wertvolle intellektuelle Kontakte und setzte die Ausarbeitung und Konkretisierung seiner Theorien fort.

Einer der Höhepunkte seiner Karriere war die Veröffentlichung von Traurige Tropen, welches als eines der bedeutendsten Bücher des 20. Jahrhunderts angesehen wird. Dieses Buch markierte auch den Beginn seiner Berühmtheit als Akademiker. Darüber hinaus verfasste er unter anderem Werke wie Rasse und GeschichteMythos und Bedeutung und Mythologica I-IV.

Menschen beschrieben ihn als einen distanzierten Mann, der keine Schmeicheleien schätzte. Außerdem heißt es, er wäre nicht in der Lage gewesen, ohne lyrische Musik zu schreiben.

Im Jahr 2009 verstarb er im Alter von 100 Jahren. Zu seinen Lebzeiten hatte er zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen erhalten. Seine Arbeit trennte das Studium der Geschichte vom Studium der Anthropologie. Ihm ist es auch zu verdanken, dass sich neue Forschungen auf dem Gebiert der Anthropologie zu dem entwickelten, was sie heute sind.

Lévi-Strauss, C., & Florián, V. (1971). Conversación con Claude Lévi-Strauss. Ideas y Valores, 20(38-39), 57-68.