Autoritäre Mütter geben den Weg vor

Obwohl Autoritarismus fast immer mit der Vaterfigur in Verbindung gebracht wird, gibt es in Wahrheit auch viele autoritäre Mütter. In diesem Fall können die emotionalen Auswirkungen noch schädlicher sein und einen sehr tiefen Eindruck beim Kind hinterlassen.
Autoritäre Mütter geben den Weg vor

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 30. Juli 2022

Autoritäre Mütter sind streng und geben den Weg vor: Entschiedene Regeln und Drohungen oder Bestrafungen bei Nichteinhaltung markieren diesen Erziehungsstil, der lange Zeit fast der einzige war. Wir können bei Kindern, die auf diese Weise großgezogen werden, kurz- und langfristige Folgen beobachten, die noch ausgeprägter sind, wenn es die Mutter ist, die eine autoritäre Hierarchie verlangt.

Der Erziehungsstil ist grundlegend für die Entwicklung von Kindern. Mütter, die sich für den Autoritarismus entscheiden, wählen damit die Art und Weise, wie sie mit ihrem Kind umgehen, kommunizieren und was sie sich von ihm erwarten: Überlegenheit, Befehle und Gehorsam prägen diese Dynamik, die nichts dem Zufall überlässt.

Autoritäre Mütter offenbaren einen starren, unflexiblen Geist und sind in vielen Fällen an mangelndem Einfühlungsvermögen, existenzieller Frustration und ihrem Kontrollbedürfnis zu erkennen. Dahinter verstecken sich fast immer Unsicherheit und ein schwaches Selbstwertgefühl.

autoritäre Mütter markieren den Weg

Autoritäre Mütter und ihre Eigenschaften

Gibt es einen Unterschied zwischen autoritären Vätern und Müttern? Zu diesem Thema gibt es Untersuchungen, wie beispielsweise eine Studie der Universität von Kalifornien, die uns relevante Daten liefern. Die Kinder autoritärer Mütter scheinen größere emotionale Defizite zu haben. Die emotionale Kälte einer Mutter ist meistens entscheidender als die eines autoritären Vaters.

Die Mutter ist in den meisten Fällen die erste Bezugsperson im Leben des Kindes, deshalb können Überforderung, Kälte und Bestrafung durch die Mutter besonders traumatisch sein. Wir schauen uns nachfolgend etwas genauer an, wie autoritäre Mütter ihre Kinder prägen und welche Folgen das hat.

Überforderung und Frustration

Autoritäre Mütter stellen hohe Anforderungen an ihre Kinder. Viele mögen einwenden, dass feste Regeln und Muster für ein Kind gut sind und das ist wahr, doch alles hat seine Grenzen. Wir sprechen von Müttern, die oft frustrierte Sehnsüchte verbergen, die ihre eigenen Ziele nicht erreicht haben und ein Leben führen, das nicht ihren Erwartungen entspricht. Auch ihre Beziehungen lassen oft zu wünschen übrig. Dadurch entsteht das Gefühl des Scheiterns, das sich hinter Perfektionismus und hohen Anforderungen an ihre Kinder versteckt:

  • Die dominante Mutter legt im Detail fest, wie das Leben ihres Kindes aussehen soll.
  • Das Kind erreicht diesen hohen Standard nur selten, was dazu führt, dass es von klein auf große Ängste und eine negative Selbstwahrnehmung erlebt. Egal, wie sehr sie sich anstrengen, sie schaffen es nie, das von ihren Müttern vorgegebene Ideal zu erfüllen.

Autoritäre Mütter sprechen für ihre Kinder und treffen ihre Entscheidungen

Die zitierte Studie der Universität von Kalifornien erklärt, dass Kinder autoritärer Mütter ständig mit Schamgefühlen konfrontiert sind und dies ist einfach zu verstehen:

  • Autoritäre Mütter entscheiden sogar, wer mit ihren Kindern befreundet sein darf und wer nicht.
  • Sie sprechen für ihre Kinder und lassen sie nicht zu Wort kommen, sie treffen alle Entscheidungen und schreiben vor, was sie zu mögen haben. Diese Mütter übernehmen die Kontrolle und erlauben es ihren Kindern nicht, Selbstständigkeit zu entwickeln.

Schließlich leiden die Kinder an Schamgefühlen, da sie selbst keine Stimme oder Meinung haben dürfen.

Autoritäre Mütter sind manipulativ und verlangen eiserne Disziplin

Wir sprechen von Müttern, die weder sich selbst noch ihren Kindern erlauben, Fehler zu machen. Wenn sie trotzdem scheitern, schieben sie die Schuld anderen zu. Nach einem schlechten Arbeitstag zögern sie nicht, ihre Kinder zu beschuldigen, da sie sich schlecht benehmen und ihnen Kopfschmerzen bereiten.

Neben der täglichen und einschneidenden Manipulation jeder Handlung und jedes Wortes gibt es auch eine strenge Disziplin. Jede Aktivität ist reglementiert und die Vorschriften sind so starr, dass sie keinen Raum für Spiel, Spaß und Freiheit lassen. Diese strenge Dynamik erzeugt ist im Jugendalter nicht selten für Essstörungen oder Selbstverletzung verantwortlich.

autoritäre Mütter und die Folgen für ihre Kinder

Emotionen sind ein Zeichen von Schwäche

Autoritäre Mütter, die ihre Kinder durch Strafen, Bedrohung und Manipulation erziehen, verstehen wenig von emotionaler Intelligenz. Außerdem haben Emotionen in der Regel keinen Platz und werden sanktioniert. In diesen autoritären Kontexten wird der Ausdruck von Emotionen als Schwäche abgestempelt.

Ein Kind, das weint, wird lächerlich gemacht, ein Kind, das protestiert, wird getadelt und ein Kind, das beim Spaß übermäßig schreit, wird ermahnt, weil es sich lächerlich macht. Das sind zweifelsohne Erfahrungen, die vielen bekannt vorkommen dürften. Und in der Tat, die Wunde, die diesen Kindern zugefühgt wird, schmerzt trotz der Jahre immer noch. Denn die autoritäre Erziehung bringt unsichere und unglückliche Menschen hervor.

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