Die 70%-Regel, um übertriebenen Perfektionismus zu verhindern

Sei vorsichtig, wenn du dir zu hohe Ziele setzt und optimale Ergebnisse erwartest: Das kann kontraproduktiv sein.
Die 70%-Regel, um übertriebenen Perfektionismus zu verhindern

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 21. Mai 2022

Perfektionismus kann dich davon abhalten, im künstlerischen Schaffen Erfolg zu haben oder deine Träume zu verwirklichen. Du glaubst das nicht? Wie oft hast du etwas aufgegeben, weil du Angst hattest, es nicht richtigzumachen oder die erwarteten Ergebnisse nicht zu erzielen? Vielleicht hast du auch gar nicht begonnen, da du dich nicht fähig fühltest? Wenn du übertriebenen Perfektionismus verhindern möchtest, laden wir dich ein, diesen Artikel zu lesen.

Der Wunsch, Spitzenleistungen zu erzielen, kann sich deinem Erfolg entgegenstellen. Die Angst vor Fehlern kann dich dazu bringen, aufzuhören oder es gar nicht erst zu versuchen. Eines der Geheimnisse erfolgreicher Menschen ist, das Scheitern nicht zu fürchten. Sie wissen auch, dass Prokrastination nicht zielführend ist und dass es darum geht, die Chancen, die sich bieten, aktiv zu nutzen.

Das zweischneidige Schwert des Perfektionismus

Perfektionismus ist eine Eigenschaft, die durch die systematische – aber oft unersättliche – Suche nach optimalen Ergebnissen gekennzeichnet ist. Es ergibt wenig Sinn, sie ihn als “gut” oder “schlecht” zu definieren. Je nachdem, wie du den Perfektionismus nutzt, kann er für dich oder gegen dich wirken.

Mann will übertriebenen Perfektionismus verhindern
Perfektionismus kann ein hohes Maß an Stress erzeugen.

Maladaptiver Perfektionismus

Wenn Perfektionismus übermäßige Selbstansprüche, harsche Selbstkritik und eine geistige Starrheit mit sich bringt, die es unmöglich machen, die geplanten Ziele flexibel zu gestalten oder sich angesichts von Hindernissen anzupassen, handelt es sich um eine höchst maladaptive Eigenschaft.

In diesem Fall sind Sorgen, Erschöpfung und konstante Frustration die Folge, denn alle Pläne und Ziele scheinen unerreichbar zu sein. Unangepasster Perfektionismus geht weit über Qualität hinaus. Er strebt nach dem Makellosen und Unübertrefflichen, und alles, was hinter diesen Standards zurückbleibt, gilt als Misserfolg.

Selbsternannte Perfektionisten geben ihr Projekt meist auf oder verschieben es auf unbestimmte Zeit. Prokrastination ist von Natur aus mit diesem überhöhten Perfektionsanspruch verbunden.

Wenn es darum geht, eine Aufgabe mit extrem hohen Erwartungen zu erfüllen, brechen viele Menschen den Prozess lieber ab, als sich der Herausforderung zu stellen, die geplanten Ziele neu zu bewerten. Das bedeutet, dass die Besessenheit von Spitzenleistungen kontraproduktiv sein kann, weil sie dazu führt, dass Menschen Aufgaben oder Ziele abbrechen oder gar nicht erst a eine Umsetzung denken, nur um die Möglichkeit des Scheiterns auszuschließen.

Adaptiver Perfektionismus

In angemessenem Maße kann Perfektionismus dazu dienen, Menschen zu motivieren, ihr Bestes zu geben und sich so in verschiedenen Lebensbereichen zu verbessern. Dieser Aspekt ist anpassungsfähig, wenn er von anderen Persönlichkeitsmerkmalen wie Verantwortung, Organisation und Ausdauer begleitet wird. Er ist nützlich, solange du dir hohe, aber realistische Ziele setzt.

Der adaptive Perfektionismus wiederum geht in der Regel mit einem gesunden Selbstwertgefühl einher, weil die Person in der Lage ist, ihre Stärken zu erkennen, zu schätzen und zu verbessern und sich an ihren Leistungen zu erfreuen. Ihre Aufmerksamkeit richtet sich nicht ausschließlich auf die Ergebnisse, sondern auch auf den Prozess. Kurz gesagt: Der adaptive Perfektionismus lässt Fehler zu und versteht sie als Lernprozess.

Die 70%-Regel gegen übertriebenen Perfektionismus: das kluge Mittelmaß

Zum Glück gibt es Strategien, um den übertriebenen Perfektionismus zu vermeiden, ohne dass die Leistung minderwertig oder mittelmäßig ist. Wie wäre es, wenn du nach 70 % Perfektion strebst? Nur etwas weniger exzellent.

Du wirst feststellen, dass dir ein erreichbares Ziel die Flexibilität gibt, die du brauchst, um weiterzuarbeiten, zu lernen und neue Ziele zu erreichen. Du wirst durch dein Handeln lernen, denn es gibt keinen Zwang mehr, alles perfekt zu machen.

“Es ist besser, etwas Unvollkommenes zu tun, als nichts ohne Fehler zu tun.”

Robert Schuller

Frau möchte übertriebenen Perfektionismus vermeiden
Die 70%-Regel hilft dir, ohne Blockaden voranzukommen.

Setze die 70%-Regel in die Praxis um, um übertriebenen Perfektionismus abzulegen

Wenn du dazu neigst, bei deiner Arbeit 100 % optimale Ergebnisse zu erwarten, hilft dir diese Methode dabei, aktiv zu werden und bei all deinen anstehenden Aufgaben voranzukommen, ohne dich zu überanstrengen. Du lernst, deine wertvollsten Ressourcen gut zu managen: deine Zeit und Energie.

Diese Methode ist sehr einfach:

  • Wenn du eine Aufgabe erledigst, frage dich: Sind diese 70 % “perfekt”?
  • Wenn die Antwort Ja lautet, kannst du Feierabend machen. Du musst keine absolute Perfektion erreichen. Du verpasst damit nur Chancen, konstruktive Kritik und Lernmöglichkeiten, nicht wahr? Es reicht, wenn du zu 70 % zufrieden bist, um deine Kreation freizugeben.
  • Wenn die Antwort Nein lautet, überprüfe Folgendes: Was muss ich tun oder korrigieren, um 70 % Perfektion zu erreichen? Konzentriere dich auf die Punkte, die zu einer konkreten Verbesserung führen, und schenke den restlichen Punkten nicht zu viel Aufmerksamkeit.

Diese Regel ist eine langfristige Strategie, denn sie ermöglicht es dir, deine Fähigkeiten schrittweise zu verbessern, ohne jeden Tag perfekt sein zu müssen. Wenn du aufhörst, dich selbst unter Druck zu setzen und nicht mehr von dir verlangst, immer ein großartiges Kunstwerk zu schaffen, wirst du sehen, wie viele Meisterwerke du auf dem Weg erzielst.

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