Prokrastination im Alltag

Nimm dir nicht zu viel vor, du solltest immer realistisch bleiben, nur so kannst du deine alltäglichen Aufgaben effektiv planen und "Aufschieberitis" verhindern.
Prokrastination im Alltag

Letzte Aktualisierung: 05. November 2021

Wer kennt das gute alte Sprichwort aus dem Volksmund nicht: „Was du heute kannst besorgen …“ Manches Kind wurde in der Erziehung damit zur Weißglut getrieben. Doch die Eltern, die auf die prompte Erledigung der Dinge Wert legen, meinen es schließlich nur gut. Denn Prokrastination kann im Alltag verheerende Folgen haben.

Von Problemen mit den Behörden und dem Gesetz über Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich bis hin zu ernsthaften finanziellen und gesundheitlichen Sorgen – Prokrastination im Alltag kann eine Menge Schaden anrichten. Dabei scheint die Lösung für dieses Problem auf den ersten Blick ganz einfach zu sein.

Man müsste einfach aufhören, Dinge, die wichtig sind, vor sich herzuschieben. Dass genau das aber eben nicht so leicht ist, zeigt allein schon der Umstand, dass Prokrastination im stark ausgeprägten Maße heute sogar als Krankheit gilt. Wir haben einige wichtige Punkte zusammengefasst, in denen Prokrastination gefährlich werden kann und die dir im Alltag immer wieder begegnen können. Das beginnt mit Kleinigkeiten und endet mit rechtlich relevanten Schwierigkeiten, die mit einem geordneten Plan einfach und problemlos verhindert werden können.

Doch zuallererst wollen wir einmal die Frage klären: Was genau ist Prokrastination eigentlich und wo kann sie sich im Alltag überall bemerkbar machen?

Prokrastination im Alltag

Was genau ist Prokrastination?

Prokrastination bezeichnet sowohl eine Verhaltensweise als auch eine bestimmte Einstellung. Wenn von Prokrastination die Rede ist, dann spricht man davon, dass Dinge aufgeschoben werden. Bei manchen Angelegenheiten ist das noch nicht einmal schlimm. Gemeint ist damit auch nicht, “eine Nacht darüber zu schlafen”, um über eine wichtige Entscheidung noch einmal nachzudenken. Vielmehr geht es hier darum, Dinge von vergleichsweise hoher Wichtigkeit aufzuschieben und stattdessen eher profane und unwichtige Dinge zu tun.

Wenn du dieses Thema näher betrachtest, werden dir fünf Prokrastinationstypen begegnen, die wir an anderer Stelle schon einmal näher vorgestellt haben. Wenn du dich in einem dieser fünf Typen wiedererkennst oder einfach weißt, dass du immer wieder zum Aufschieben wichtiger Aufgaben neigst, solltest du dich näher mit den möglichen Folgen befassen. Das allein kann schon ein guter Antrieb sein, die Aufschieberei an den Nagel zu hängen und stattdessen mit einem gut geordneten Zeitplan durchs Leben zu gehen.

Schon gewusst?

Studien haben ergeben, dass Prokrastination kein Problem einer bestimmten sozialen Gruppe oder einer bestimmten Bildungsschicht ist. Tatsächlich zieht sich das Problem des ständigen Aufschiebens durch sämtliche Bildungsschichten. So wurde beispielsweise festgestellt, dass im Schnitt 20 – 40 Prozent aller Studenten ernsthafte Probleme mit dem Prokastinationsverhalten haben.

Negative Folgen, die im Alltag entstehen können, wenn die Prokrastination überhandnimmt

Das Aufschieben von Dingen ist ein wichtiger Faktor im Bereich der Tages- und Arbeitsplanung. Gemeint ist damit natürlich nicht das Aufschieben von weniger wichtigen Tätigkeiten zugunsten einer vorrangig zu erledigenden Arbeit. Vielmehr geht es hier darum, eher unangenehme Arbeiten aufzuschieben in dem Wissen, dass das am Ende tatsächlich zu Problemen führen könnte.

Aufschieben vor dem Urlaub

Eine klassische Alltagssituation, in der häufig bis zum letzten Moment aufgeschoben wird, ist die Vorbereitung für den Urlaub. Wer stressfrei in den Urlaub fahren möchte, sollte sich frühzeitig um alles Notwendige kümmern. Vom eventuell notwendigen Visum über die erforderliche Hotelbuchung bis hin zum Einkauf notwendiger Utensilien und dem Packen der Koffer – vor dem Urlaub gibt es immer eine Menge zu tun.

Im besten Fall kann das Aufschieben einiger dieser Aufgaben dazu führen, dass du einfach bis spät in die Nacht Sachen zusammensuchen und Koffer packen musst. Schon das kann zu einem eher negativen Urlaubsbeginn führen und damit den Erholungseffekt unter dem Strich mindern. Im schlimmsten Fall hast du vergessen, deinen Personalausweis oder deinen Reisepass zu verlängern oder hast das Visum nicht rechtzeitig beantragt. In beiden Fällen kann es dir sogar passieren, dass du am Zielflughafen wieder nach Hause geschickt wirst.

Wenn die Steuer wartet

Jedes Jahr gibt es eine feste Frist für die Einreichung der Steuererklärung. Mit etwas Glück kann man einmal eine Fristverlängerung erreichen. Ohne einen wirklich triftigen Grund wird das schon beim zweiten Mal nicht mehr gelingen. Wird die Steuererklärung nicht rechtzeitig eingereicht, kann das zu Versäumniszuschlägen und damit zu erheblichen Kosten führen. Fordert das zuständige Finanzamt die Steuererklärung bei dir an und du versäumst auch diesen Termin, kann sogar ein zusätzliches Zwangsgeld verhängt werden.

Prokrastination im Alltag

Andere wichtige rechtliche Bereiche im Alltag

Den abgelaufenen Personalausweis haben wir bereits erwähnt. Neben Problemen auf Reisen kann ein abgelaufener Personalausweis allerdings auch zu einem Bußgeld führen, da in Deutschland Ausweispflicht besteht und ein gültiges Ausweisdokument erforderlich ist, um dieser Pflicht nachzukommen.

Daneben kann auch der Führerschein eine wichtige Rolle spielen. Zwar läuft der Führerschein eigentlich nicht ab – es gibt jedoch für jeden Jahrgang einen festen Termin, bis wann der alte Führerschein gegen einen neuen Führerschein eingetauscht werden muss. Wer dieses Datum für seinen Führerschein verpasst, der fährt mich einem nicht mehr gültigen Dokument. Das ist nichts anderes als das Fahren ohne Führerschein. Auch hier gilt wie beim Personalausweis: Sind wichtige rechtlich verbindliche Dokumente nicht vorhanden oder abgelaufen (wie beispielsweise der Führerschein), kann das zu erheblichen finanziellen und im schlimmsten Fall auch strafrechtlichen Konsequenzen führen.

Prokrastination im Alltag

Neben diesen Ausnahmesituationen gibt es auch im ganz alltäglichen Leben immer wieder Situationen, in denen wir Dinge lieber vor uns herschieben. Das Bezahlen wichtiger Rechnungen ist so ein Beispiel. Auch hier kann es zu finanziellen Verlusten kommen, wenn statt eines eigentlich vielleicht moderaten Rechnungsbetrages plötzlich Mahnkosten und irgendwann womöglich sogar die Kosten für ein Inkassounternehmen getragen werden müssen.

Wer regelmäßig mit seinen Zahlungen im Rückstand ist und womöglich sogar Kredite nicht rechtzeitig bedient, muss sogar mit einem negativen Schufa-Eintrag rechnen. Ein solcher geht schon deutlich über ein paar kleine finanzielle Verluste hinaus, nimmt er dir doch womöglich die Möglichkeit, neue Verträge abzuschließen oder bei Bedarf auf einen Kredit zurückzugreifen.

Doch auch der Gang in den Supermarkt, wenn nicht mehr ausreichend Lebensmittel vorhanden sind oder eine Abmeldung oder Kündigung bei einer Versicherung oder eines Abonnements werden immer mal wieder gern verschoben. Während das eine dazu führt, dass nicht mehr ausreichend Nahrungsmittel vorhanden sind und in aller Regel nach teuren und ungesunden Alternativen gesucht wird, führt das andere wiederum zu weiteren Kosten, die eigentlich hätten vermieden werden können.

Organisation statt Prokrastination im Alltag

Was kannst du tun, um diesen Kreislauf zu durchbrechen?

Es gibt verschiedene Ansätze, um das Problem der fortlaufenden Prokrastination zu lösen. Hier einmal ein paar hilfreiche Verhaltensweisen, um dieses Ziel zu erreichen:

  • Plane die zu erledigenden Aufgaben sorgfältig durch. Mache dir am besten im Kalender einen klaren Plan, was du an welchem Tag erledigen möchtest.
  • Nimm dir nicht zu viel vor, du solltest immer realistisch bleiben. Teile dir alle zu erledigenden Aufgaben gut ein und lasse dir noch etwas Luft für unvorhergesehene Verpflichtungen. Plane für schwierige Aufgaben lieber zwei Tage ein und versuche, dich genau an den Tagesplan zu halten.
  • Aufschieben ist oftmals auch eine Abwehrhandlung. Wenn Aufgaben kompliziert wirken, schieben wir sie gern vor uns her. Nimm dir Zeit, um dich mit der Aufgabe auseinanderzusetzen, du wirst feststellen, dass es oft nicht so schwierig ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Nimm Hilfe in Anspruch, wenn du feststellst, dass du sonst nicht weiterkommst.
  • Plane so, dass du auch Zeit für Pausen hast.

Wie wichtig es ist, den Kreis des Aufschiebens zu durchbrechen, zeigen Studien der Uni Mainz. Diese haben ergeben, dass Prokrastination oft zu Stress, Depressionen, Einsamkeit, Erschöpfung und Angstzuständen führen. Außerdem leidet die Lebenszufriedenheit in der Regel erheblich unter diesem Verhalten. Ausreichend Gründe, schon heute anzufangen, keine wichtigen Aufgaben mehr unkontrolliert aufzuschieben, sondern die notwendigen Tätigkeiten sinnvoll und durchdacht durchzuplanen.

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