Auf dass dir nie die Fäden fehlen, um deine Träume zu spinnen

· 11. Juli 2017

Reife hat mir beigebracht, was Prioritäten sind. Jetzt kann ich die Fäden meines Lebens mit mehr Mut und Integrität in die Hand nehmen. Denn dieses Mal werde ich die farbigen Fäden benutzen, um eine Existenz zu weben, die viel stärker, viel würdiger und bunter ist. Eine, die meine Träume widerspiegelt.

Irgendwann im Leben kommen wir an einen Punkt, an dem wir realisieren, dass einen wesentlichen Unterschied gibt zwischen dem, was wir sind, und dem, was wir sein möchten. Wir sind nicht glücklich mit dem, was unser Leben ausmacht.

„Der Faden des Lebens würde brüchig, wenn er nicht ab und an mit ein paar Tränen befeuchtet würde.“

Pythagoras

Unser Lebensweg formt manchmal enge Labyrinthe voller Frustration, Stillstand und mentaler Blockaden. Und wir können uns in ihnen verirren. Wir verlieren diese farbigen Fäden, die unsere Träume und Wünsche in der Vergangenheit ausmachten. Und genau dann erscheint die Unsicherheit und zusammen mit ihr Angst, die dich zerstören kann… Ist das das Leben, was mich in dieser Welt erwartet? Sind all meine Züge der Möglichkeiten schon abgefahren?

Die Senoi, die Übersetzer der Träume

Die Senoi sind ein malaysischer Stamm, der schon immer die Aufmerksamkeit von Anthropologen, Psychologen und Soziologen auf sich gezogen hat. Einer ihrer Bräuche, den sie seit alten Zeiten beibehalten haben, ist, sich jeden Morgen als Familie zu versammeln, um über die Träume und Albträume der vergangenen Nacht zu reden.

Weit von Magie oder Spiritualität entfernt, verstehen die Senoi so die Bedürfnisse jedes Familienmitglieds anhand ihrer Träume. Um besser analysieren zu können, was jedes Familienmitglied erzählt, finden diese Treffen in Bambushütten auf Bäumen statt, die weit vom Boden entfernt sind, weit von der „physischen Welt“. Diese reinigenden Zusammenkünfte gestatten es ihnen, die Fäden ihrer Realität wieder aufzuheben, um sich besser kennenzulernen.

Das Wundervolle an dieser Praxis ist, dass die Senoi eine unglaublich glückliche soziale Gruppe sind, wie Untersuchungen verschiedener Experten zeigten. Hier gibt es kaum Gewalttaten und nur wenige psychische Erkrankungen.

Zweifellos würde es dich interessieren, welche Techniken die Senoi anwenden, um die Ängste, die sich oft in Träumen widerspiegeln, zu konfrontieren. Es gibt zu diesem Thema ein paar interessante Schriften, wie zum Beispiel Senoi Dream Theory: Myth, Scientific Method, and the Dreamwork Movement  vom Psychologen William Domhoff , das aber leider noch nicht auf Deutsch verfügbar ist. Wir stellen die daher an dieser Stelle einige der erwähnten Techniken und Bewältigungsstrategien vor:

  • Jede Bedrohung, die in einem Traum oder Albtraum auftaucht, ist eine Realität, die wir anerkennen und mit der wir umgehen sollten.
  • Unsere Träume und Ziele können hinter diesem „Monster“ oder dem verschwommenen „Schatten“ in unseren Träumen gefunden werden. Du solltest wissen, wie du es besiegen kannst, um neue Wege zu finden.
  • Wenn du träumst, dass du einen Berg hinunter- oder in ein Loch stürzt, dann hast du Angst. Du solltest dann zwei Tage lang wiederholt visualisieren, dass dich nach jedem Sturz ein weiches Blumenbett erwartet.
  • Ein weiterer Ratschlag der Senoi ist der Folgende: Wenn wir träumen und uns dessen bewusst sind, dann sollten wir versuchen, Freunde zu finden, um stützende Verbindungen zu schaffen. Diese Träume heißen luzide Träume.

Die Fäden wiederfinden, die unsere Träume ausmachen

Wir werden oft von Unsicherheit und Unwohlsein über das, was wir sein wollen, und das, was wir jetzt sind, überschwemmt. In diesen Momenten gibt es nur eine Option: Veränderung. Nun geht es nicht um plötzliche Veränderungen, denn „vitale Tsunamis“ führen nicht immer zum Erfolg. Es geht mehr darum, dir zu erlauben, zu fließen, während du kleine Veränderungen, neue Wege, neue Menschen und neue Gedanken in dein Leben lässt.

Dann werden wir ganz plötzlich die farbigen Fäden, die unsere Träume ausmachen, wieder vor uns sehen: Träume, die wir in der Vergangenheit hatten, die -warum auch immer- im Labyrinth des Lebens verloren gegangen sind.

Schritte, um Veränderungen einzuleiten und deine persönlichen Ziele zu erreichen

Um etwas zu verändern, ganz egal wie minimal diese Veränderung ausfallen soll, müssen wir akzeptieren, dass wir einen Moment der Krise durchstehen müssen. Das sind die Fäden, die den Stoff des Lebens widerstandsfähig machen. Sie bestehen fort und sind Teil deiner selbst.

  • Habe keine Angst vor dem Schmerz, der mit Loslassen einhergeht. Es gibt einige Fäden, die durchtrennt werden sollten, denn sie halten kein Gewicht mehr. Wir müssen sie loslassen, um andere zu finden, schönere Fäden, um unsere Träume zu spinnen.
  • Schenke deiner Intuition Aufmerksamkeit, dieser Dimension, die uns direkt mit unseren Emotionen und dem Unterbewussten, das die Senoi so gut interpretieren, verbindet. Sie flüstert uns Wahrheiten zu, aber wir hören nicht immer zu.
  • Uns sollte klar sein, was wir für uns wollen. Wenn du Frieden willst, dann distanziere dich von denjenigen, die dich quälen. Wenn du Liebe willst, dann fange an, dich selbst zu lieben. Arbeite an deinem Selbstbewusstsein, wenn du nach Anerkennung suchst. Und wenn du Freiheit willst, dann suche nach dem Schlüssel für deine Ketten.

Die Fäden, die unsere Träume spinnen, liegen irgendwo im Labyrinth unseres Lebens. Im Lächeln der Menschen, die wir kennen, und auch der Fremden, die wir treffen. Denn, glaube es oder nicht, an vielen Bahnsteigen warten noch immer Züge, für die wir längst eine Fahrkarte besitzen. Und weil es niemals eine gute Idee ist, uns von kleinen Geistern überzeugen zu lassen, dass unsere Träume zu groß sind, sollten wir sie einfach nehmen und uns in die Zukunft fahren lassen.