Manche haben Angst vor Veränderungen – ich habe Angst davor, dass sich nie etwas ändert

· 21. Februar 2017

Es gibt Menschen, die einen Tunnelblick haben und dafür kämpfen, dass sich nichts verändert, dass die Struktur in ihrem Leben auf gar keinen Fall ins Wanken gerät und alles so bleibt, wie es ist. Ich hingegen fürchte mich nicht vor Veränderungen, sondern begrüße sie mit der Reife eines jenen, der weiß, dass nichts von dem, was in unser Leben tritt, für immer bleibt, und wir nichts vollständig verlieren, was nicht mehr länger Teil unseres Lebens ist.

Wenn wir einmal an gängige Gesundheits-Ratgeber denken, fällt uns auf, dass sie alle ein und dieselbe Nachricht vermitteln: „Verändere dich, um dein Leben zu verbessern“ und „Veränderungen machen Angst, aber manchmal sind sie notwendig“. Diese Sätze lesen wir so oft, weil es tatsächlich notwendig ist, dass wir sie in die Tat umsetzen. Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, wir Menschen sind Veränderungen gegenüber starrköpfig und ihnen gegenüber generell sehr abgeneigt.

„Die Spezies, die überlebt, ist nicht die stärkste, auch nicht die intelligenteste: Es ist die, die mit Veränderungen am besten umgeht.“

Charles Darwin

Manchmal ziehen wir es vor, in unserer Komfortzone zu bleiben, unabhängig davon, ob wir darin glücklich sind oder nicht. Denn die Grenze des Bekannten zu überschreiten, bedeutet, uns ins Marschland der Angst zu begeben. Und was, wenn ich dort auf etwas stoße, das schlechter ist? Letztendlich sagen doch die meisten, dass ein bekanntes und auf sich genommenes Unglück stets besser ist als die Unsicherheit. Sich gegen Veränderungen zu wehren gleicht, wie wir sehen, einem Wurzelwerk, das immer tiefer in die Erde dringt und einen dichten Wald verankert, durch dessen Blätterdach kein Sonnenlicht mehr durchkommt.

Doch wer dazu in der Lage ist, die Grenzen der Angst zu übertreten, der macht einen Quantensprung. Es ist ein intensives und befreiendes Gefühl, welches uns auf einmal aufnahmefähiger für all das macht, was uns umgibt. Unsere Gedanken sind durch diese Veränderung freier und uns eröffnen sich tausende Möglichkeiten.

Auf einmal tun sich tausende Wege voller Licht vor uns auf.

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Veränderungen zulassen

Es gibt eine interessante Tatsache, der wir uns nicht immer bewusst sind: Im Laufe unseres Lebens machen wir unzählige kleine Veränderungen durch, die einen beachtlichen Wandel ausmachen, ohne dass es uns auffällt. Wir verändern Aspekte unseres Charakters als Reaktion auf bestimmte Erlebnisse oder Erfahrungen. Wir passen uns an oder eignen uns sogar neue Verhaltensweisen an, um Beziehungen zu festigen oder um etwas zu vermeiden, das uns einst geschadet hat.

Aber wenn wir einmal zurückschauen und uns darüber klar werden, dass wir nicht mehr der gleiche Mensch wie noch vor ein paar Jahren sind, dann überkommt uns ein Gefühl namens „Krise“. Dieses subtile Ich der Vergangenheit“ loszulassen, macht Angst, weil wir nicht wissen, was uns das „Ich der Zukunft“ bringen wird.

Wir fürchten uns davor, älter und reifer zu werden. Eine Beziehung zu beenden, reißt uns den Boden unter unseren Füßen weg, weil es nicht nur bedeutet, jemanden gehen zu lassen, den wir liebten. Mit diesem Menschen geht auch ein Teil von uns.

Eine Veränderung heißt auch immer, etwas gehen zu lassen, und das bereitet uns zweifellos Angst. Dennoch geht nichts vollständig, denn das, was mit uns geschieht, hinterlässt Spuren in uns, verändert uns. Wir lassen andere Sichtweisen zu und ebnen neue Wege, um viel mehr Weisheit in unser Leben zu lassen. Denn wir wachsen mit Veränderungen, weil eine Krise nichts weiter als eine Gelegenheit ist, der wir offener begegnen sollten.

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Uns mit unserer Umgebung zu verbinden, hilft, Veränderungen anzunehmen

Andere Menschen versuchen, eine Veränderung in ihrem Leben zu bewirken. Hierbei geht es nicht unbedingt darum, mit allem und jedem zu brechen und diesen roten Knopf zu drücken, um neu zu starten. Wir sprechen von der Fähigkeit, sich im Inneren zu verändern, damit sich auch all das verändert, das uns umgibt.

Manche Menschen sehen ihr eigenes Leben als einen einzigen verlorenen Kampf an. Immer, wenn sie etwas in die Hand nehmen, geht es letztendlich doch kaputt. Immer, wenn sie denken, etwas oder jemand umwerfenden und besonderen gefunden zu haben, rinnt es wie Wasser durch ihre Finger. Ist das schlichtweg Pech? Natürlich nicht. Pech ist eine fehlende Verbindung zu unserem Inneren. Veränderungen sind kein blinder Zufall, wie Würfel, die geworfen werden und über unser Leben entscheiden.

Denn wer Risiken eingeht oder eine Entscheidung trifft, ohne zuerst in Verbindung mit seinen Gefühlen, seiner Intuition und seinen gemachten Erfahrungen zu treten, der denkt irgendwann, dass sein Leben nur aus Zufällen besteht. Dieser Irrglaube hat nur zur Folge, dass unser Leben niemals nach unseren Erwartungen und unseren Wünschen verläuft.

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Doch wir wissen alle, dass uns Veränderungen auf ein unbekanntes Terrain führen. Das stimmt uns ängstlich und unsicher. Aber um einen Wandel in unserem Leben zu erzeugen, sollten wir all die zuvor erwähnten Faktoren beachten und verinnerlichen.

„Ich lasse diese Veränderung zu, weil ich weiß, dass es das ist, was ich brauche; weil ich weiß, dass ich bestimmte Dinge, Menschen und Situationen loslassen muss, um zu wachsen und glücklich zu werden.“  Um zu dieser tiefgründigen und authentischen Überzeugung zu kommen, müssen wir erwachen“.

Wir müssen im Inneren erwachen, um die Möglichkeiten zu entdecken, die uns umgeben und die uns vor allem dazu zwingen, unseren Verstand zu entspannen. Wir müssen dem Drachen unseres Egos, dem Geist der Angst und dem Gedanken daran, „was die anderen wohl sagen werden“,  die Kraft nehmen. Zu erwachen bedeutet in erster Linie, in Frieden und Einklang mit unseren Gefühlen zu leben und gleichzeitig dem zu lauschen, was uns unser Herz zuflüstert.

Denn dort, in diesem Palast des Friedens, gibt es keine Angst mehr.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Ashley Longshore