Apathie überwinden: mehr als eine Frage des Willens

· 8. September 2018

Unsere Faulheit und Apathie zu überwinden hängt nicht nur von unserem eigenen Willen ab. Es erweist sich oft als sehr schwierig, die Stärke und Motivation zu finden, wenn das, was normalerweise hinter diesen psychologischen Dimensionen steckt, Angst, Bedrängnis, Mangel an emotionaler Unterstützung oder sogar eine dem zugrunde liegende Krankheit ist. Unter anderem psychische Störungen wie Depressionen oder ein Problem mit der Schilddrüse können eine Erkrankung mit derartigen Symptomen hervorrufen.

Wenn eine Person in der Grube der Apathie versinkt, so ändert sich ihre Realität völlig. Zunächst hört die Person auf, genügend Ressourcen aufzuwenden, um aus dieser Situation wieder herauszukommen. Sie hat nicht die notwendige Energie, um ihre Vitalität zurückzugewinnen und sich neue und motivierende Ziele zu setzen, die die Lust, die Hoffnung und die Tatkraft wieder herstellen.

„Das Gegenteil der Liebe ist nicht der Hass, sondern die Apathie.“

Leo Buscaglia

Häufig, und auch aus klinischer Sicht, sollte man es bevorzugen, zu verstehen, was genau sich in dieser Grube, in der die Person versunken ist, befindet, anstatt dem Betroffenen scheinbar nützliche Strategien aufzuzeigen, um daraus entkommen zu können. Es ist notwendig, zu wissen, was hinter dieser apathischen Haltung steckt, hinter dieser Müdigkeit und Unlust. Es ist weder logisch noch von großem Nutzen, dem Patienten Tipps zu geben, ohne vorher zu klären, was der oder die Auslöser für diesen Zustand waren.

Es ist so wichtig, dass in den letzten Jahren immer mehr Studien und Arbeiten zu diesem Thema durchgeführt wurden. Wir wissen zum Beispiel, dass die Demotivation nicht immer eine Folge der Faulheit ist, jener Passivität, die man durch einfaches Desinteresse gegenüber der Umwelt selbst wählt. Der Mangel an Motivation und die Apathie hängen mit sehr spezifischen Schaltkreisen im Gehirn zusammen, die in bestimmten Momenten bestimmte Pathologien aufzeigen können.

Das sind zweifellos Faktoren, die wir bei der Wahl des am besten geeigneten therapeutischen Ansatzes berücksichtigen müssen.

Müde Person, die mit den Händen auf den Knien steht und versucht, sich zu entspannen

Die Schatten, die in der Demotivation und der Müdigkeit leben

Um Apathie zu überwinden, braucht man mehr als nur Ratschläge. Wenn dieser Zustand nicht punktuell bleibt, sondern chronisch wird, sollte sich die betroffene Person (und ihre Umgebung) bewusst werden, dass eine Veränderung notwendig ist. Dafür ist es von höchster Priorität, zuerst eine genaue Diagnose stellen zu lassen, die es ihr ermöglicht, kleine Innovationen in der täglichen Routine und im persönlichen Ansatz einzuführen, um aus dem oben erwähnten Zustand wieder herauskommen zu können.

Etwas, das in solchen Situationen unbedingt beiseite gelassen werden sollte, sind abwertende Aussagen. Viele Patienten, die unter Apathie leiden, sind nicht freiwillig „faul“. Wir müssen es daher vermeiden, diese Untätigkeit und das mangelnde Interesse als Charakterschwäche zu kategorisieren, weil das weder nützlich noch wahr ist. Sehen wir hier also, was in Wirklichkeit hinter vielen solcher Zuständen steckt.

Faktoren, die das Auftreten von Apathie bestimmen

  • Mangelndes Gefühl der Selbstwirksamkeit. Sehr häufig und aufgrund unterschiedlicher Umstände hört die betroffene Person auf, auf ihre eigene Effizienz zu vertrauen, ihre Ziele zu erreichen, erfolgreich zu sein, sich in den täglichen Aufgaben nützlich zu fühlen. So etwas kann verheerend sein.
  • Mangelnde emotionale UnterstützungWenn unser Umfeld emotional nicht für uns verfügbar ist oder wenn uns reine Kälte und Desinteresse umgeben, so können diese Zustände der Apathie und Demotivation ganz leicht entstehen.
  • Die Angst, die Angst vor dem Versagen, die Angst davor, es erneut zu versuchen und denselben Fehler wie gestern wieder zu begehen. Die Angst davor, unsere Komfortzone zu verlassen, Angst vor Veränderung der Gewohnheiten, Unruhe aufgrund neuer und unbekannter Umwelteinflüsse. All diese Faktoren untergraben unsere Lust und unsere Stärke.
Trauriger Mann, der vor dem Fenster steht

Auf der anderen Seite, jedoch nicht weniger wichtig, müssen wir auch mögliche organische und neurologische Faktoren berücksichtigen. Konditionen wie Fibromyalgie, Hypothyreose oder auch Morbus Alzheimer vermitteln einem dieses permanente Gefühl des Energiemangels, der Apathie und der Demotivation. Ebenso dürfen wir nicht vergessen, dass es auch bei depressiven Störungen üblich ist, dass sich Desinteresse manifestiert.

Wie man die Apathie überwinden kann

Um die Apathie zu überwinden, braucht man Unterstützung. Professionelle Hilfe und auch die Unterstützung des persönlichen Umfelds. Es ist ebenso notwendig, dass wir von letzterem ein authentisches Gefühl des Verständnisses und keine Zensur empfangen. Denn die Lustlosigkeit, der Enthusiasmus und die Motivation sinken immer mehr, wenn alles, was wir erhalten, nur Kritik und Verachtung sind.

Um besser zu verstehen, wie wir diesen Zustand überwinden können, müssen wir uns an ein Detail erinnern. Oft glauben wir, dass es, um ein Ambiente zu schaffen, das die Motivation verbessert, ausreichend wäre, unsere Gedanken zu „korrigieren“. Nun gut, hierzu muss man sagen, dass diese berühmte Regel „Besser denken, um besser zu leben“ nicht immer zu 100 % der Wahrheit entspricht. 

Nicht, wenn es uns nicht gut geht. Nicht, wenn es dem Gehirn an Serotonin fehlt oder wenn eine andere Krankheit den Körper beherrscht. Es war William James, der uns als erster gesagt hat, dass der Gedanke nicht immer dem Handeln vorausgehe. Und wenn wir von der Motivation sprechen, gehen Aktion und Gefühl meist Hand in Hand.

Frau blickt der Sonne entgegen

Das Gehirn, der Geist und unser Körper müssen in voller Harmonie sein, um diesen Impuls zu finden, jene innere Energie, mit der der Geist genährt werden kann. Betrachten wir nun folgende Dimensionen, die uns erlauben, die Apathie zu überwinden:

  • Das Erste, was man tun sollte, ist es, (patho-)physiologische Probleme auszuschließen. 
  • Als nächstes müssen wir eine Übergangszeit festlegen. In dieser konzentrieren wir uns nur auf ein Ziel: die Probleme zu lösen. Wir müssen über Möglichkeiten nachdenken, wie wir mit dieser Unzufriedenheit, dieser Angst, dieser Enttäuschung umgehen … Wir müssen den Prozess des Loslassens starten und uns von allem, das uns bremst, lösen.
  • Allmähliche Veränderungen. Wir beginnen damit, kleine Änderungen in unserer Routine zu etablieren. Zum Beispiel können wir unsere Ernährung aufwerten oder neue Zeitpläne erstellen. Im weiteren Verlauf und während wir diese kleinen Änderungen bereits vornehmen, ist es an der Zeit, große Veränderungen einzuleiten. Jene, die unser Wohlbefinden steigern sollen, jene, die unseren vitalen Erwartungen entsprechen.
  • Den Blick auf konkrete Ziele richten, am besten auf Dinge, die wir täglich erreichen können und die uns zufriedenstellen.
  • Die Apathie herausfordern. Sobald wir einmal neue Routinen eingeführt und die täglichen Ziele erreicht haben, müssen wir lernen, wie wir diesen entwertenden Zustand herausfordern können. Bemerken wir, dass dieses Gefühl wieder auftaucht, müssen wir nach einer Alternative suchen. Zum Beispiel können wir uns etwas Neues und Motivierendes einfallen lassen, dass dieses Gefühl verschwinden lässt.

Die Apathie zu überwinden ist keine leichte Aufgabe, doch es ist auch nicht unmöglich. Man darf hierzu jedoch nicht vergessen, dass diese Kondition sehr häufig dazu tendiert, zurückzukommen und uns regelmäßig zu besuchen. Wenn sie das tut, müssen wir bereit sein, sie erneut zu deaktivieren, unsere emotionalen Räume immer wieder mit frischen Brisen und neuen Projekten zu füllen.