Anton Tschechow: Die 8 Tugenden kultivierter Personen

31, Januar 2017 en Kuriositäten 423 Geteilt

Anton Tschechow war einer der größten russischen Schriftsteller. Insbesondere seine Erzählungen haben einen Wendepunkt der Literatur markiert. Seine größte Tugend besteht darin, dass er es geschafft hat, dem Verhalten seiner Charaktere und den Beziehungen zwischen ihnen eine Bedeutung beizumessen, die über den Verlauf der Geschichte hinausging. Er hatte die Fähigkeit, eine Atmosphäre absoluten Realismus zu schaffen, in der solche Details auffielen, die sonst oft unbemerkt blieben.  Er war ein aufmerksamer Beobachter des menschlichen Verhaltens.

 

„Auch die höchste Kultur lässt die Visionäre nicht erkalten: Ihr ganzes Leben ist ein Glaube in Aktion.“
José Ingenieros

Er hatte nicht die Absicht, Moral zu lehren, aber trotzdem befand sich in seinem Nachlass ein Brief, den er an seinen älteren Bruder geschrieben hatte und in dem er ihm Ratschläge gibt. Der Brief wurde während einer seiner Aufenthalte in Moskau geschrieben und in ihm hebt Tschechow die Charakteristiken von wirklich kultivierten Personen hervor. Es ist weiterhin ein Text, der als Orientierung und Anleitung für die höchsten Tugenden des Menschen dient.

Wir werden dir nun mitteilen, was er geraten hat, und teilen mit dir einige Ausschnitte des Textes.

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1. Die Freundlichkeit, eine der Tugenden, die Tschechow wertschätzt

Für Tschechow sind wahrhaft kultivierte Menschen solche, „die die Persönlichkeit des Menschen respektieren, und aus sich heraus immer freundlich, nett, höflich und bereit sind, anderen den Vortritt zu lassen […]. Wenn sie mit jemandem leben, der ihnen nicht passt und den sie verlassen, dann sagen sie nicht: ‚Niemand könnte mit dir leben.'“

Ein entscheidendes Merkmal der Kultur ist der Umgang mit anderen. So groß die Unterschiede zwischen zwei Personen auch sind, ist dies keine Entschuldigung dafür, einfach loszustreiten und den anderen schlecht zu behandeln. Es ist vielmehr ratsam, den Konflikt zu vermeiden und sich zu entfernen, wenn die Widersprüche unvereinbar erscheinen.

2. Empathie für die Leidenden

Tschechow sagt über kultivierte Menschen: „Sie haben nicht nur Sympathie für die Bettler und Katzen. Ihnen schmerzt das Herz wegen all dem, was ihre Augen nicht sehen.“  Dies soll heißen, dass sie zutiefst sensibel für das Leiden der anderen sind, auch dann, wenn diese es nicht zeigen.

Ein hohes Maß an Kultur setzt ein hohes Niveau des Verständnisses für Menschen voraus, die leiden. Das Wort „Kultur“ stammt von dem lateinischen Wort „cultus“ und bedeutet „Züchtung des menschlichen Geistes“. Einem kultivierten Menschen ist der Schmerz seiner Mitmenschen nicht gleichgültig.mann-mit-tauben

3. Sorgfältiger Umgang mit dem Geldbeutel

In Bezug auf die materiellen Güter hebt Tschechow hervor: Sie respektieren den Besitz anderer und bezahlen deshalb ihre Schulden.“  Schulden aufnehmen ist zunächst einmal eine Handlung des guten Glaubens. Einer leiht dem anderen Geld, in der Hoffnung, dass ihm dieses unter den entsprechenden Bedingungen und innerhalb der ausgemachten Zeit zurückgegeben wird.

Die Art, wie ein Mensch mit seinen Schulden umgeht, zeigt viel von seiner Persönlichkeit. Sie werden nur ausnahmsweise gemacht und nur aufgrund einer realen Notwendigkeit. Dann werden sie schuldbewusst bedient, denn dies liegt im Sinne des Wortes.

4. Ablehnung der Lüge und der Falschheit

Geht es um Lüge und überzogenes Auftreten, so haben wirklich kultivierte Menschen laut Tschechow folgende Eigenschaften: „Sie sind aufrichtig und fürchten sich vor der Lüge wie vor dem Feuer. Sie lügen nicht einmal bei kleinen Dingen. Eine Lüge bedeutet, denjenigen zu beleidigen, der sie hört, und ihn auf eine niedrigere Position zu versetzen als die desjenigen, der sie ausspricht. Sie machen niemandem etwas vor. Sie verhalten sich auf der Straße wie bei sich zu Hause und profilieren sich auch nicht vor ihren bescheidensten Kameraden. Sie neigen nicht dazu, ständig zu schwätzen und belasten auch nicht unverschämt das Vertrauen der anderen. Aus Respekt vor dem Gehör der anderen schweigen sie öfter als sie sprechen.“

Lügen und Angeben sind eine Form des Betruges anderer Menschen. Die Aufrichtigkeit wiederum ist eine Form, dem anderen Respekt zu zeigen. Die Authentizität ist ihrerseits eine Form der Selbstschätzung und Würde. Demnach sollten weder Gerüchte noch das Lästern bei einer kultivierten Person auf dem Programm stehen, da sie auch eine Art sind, die anderen schlecht dastehen zu lassen.

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5. Ablehnung der Selbstdarstellung als Opfer

Für Tschechow lehnt eine kultivierte Person es ab, sich selbst in eine Opferrolle zu versetzen, was auch eine Form des Betruges ist. Dazu sagt er: „Würdigen Sie sich nicht selbst herab, nur um Mitleid zu erwecken. Spannen Sie nicht die Saiten der Herzen der anderen an, damit diese heulen und etwas (oder viel) für Sie tun.“

Bei den anderen Mitleid erwecken kann einige offensichtliche und sofortige Vorteile mit sich bringen. Aber auf lange Sicht tritt eine betrügerische Strategie zu Tage, die nur den geringen Respekt widerspiegelt, den man für sich selbst hat und der das Misstrauen der anderen fördert.

6. Ablehnung von Eitelkeit und Angeberei

Tschechow regt an, über solches Verhalten nachzudenken, das zu Tage tritt, wenn eine Person mehr Geld oder Macht als andere hat. Zu diesem Punkt sagt er: „Tragen sie keine oberflächliche Eitelkeit zur Schau. […] Nur weil sie ein paar Groschen verdienen, schicken sie sich nicht zum Schaulaufen an, so als ob diese hunderte von Rubel wert wären, und geben sie auch nicht damit an, irgendwo Zugang zu haben, wo andere nicht reinkommen.“

Ein Gefühl der Überheblichkeit aus so flüchtigen Gründen wie Geld oder sozialen Privilegien zu entwickeln, zeugt nur von einer eingeschränkten Entwicklung. Diese Art Menschen messen dem Haben mehr Wert bei als dem Sein und hängen für immer von externen Faktoren ab, um sich selbst wertschätzen zu können.

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7. Respekt für die eigenen Talente

Jeder Mensch auf dieser Welt hat Talent. Ein Großteil der Aufgaben des Lebens besteht darin, dieses zu entdecken und zu kultivieren. Tschechow sagt über kultivierte Menschen: „Wenn sie ein Talent haben, dann respektieren sie es. Sie opfern ihm ihren Schlaf, die Frauen, den Wein, die Eitelkeit […] Seien Sie stolz auf ihr Talent.“

Das Talent ist eines der größten Schätze des Menschens. Man muss kein berühmter Künstler sein, auch kein erfolgreicher Geschäftsmann, um sagen zu können, man besitze Talent. Manchmal liegt die Gabe in den kleinen Dingen, darin, etwas wertschätzen zu können oder die Gabe zu haben, andere zu verstehen oder zu helfen. Wenn man sein eigenes Talent entdeckt, dann ist es nötig, ihm den höchsten Wert einzuräumen und für seine Entwicklung zu kämpfen.

8. Messe und wiege die Taten ab

Tschechow sagt über die Kultivierten: „Sie entwickeln von sich aus eine Intuition für die Ästhetik […] Sie versuchen, so gut wie möglich die sexuellen Instinkte zurückzuhalten und zu veredeln. […] Sie verlangen, inbesondere wenn sie Künstler sind, nach Frische, Eleganz, Humanität, die Fähigkeit zur Mutterschaft […] Sie trinken nicht andauernd Wodka, sie lüstern nicht andauernd nach Essen, denn sie sind keine Schweine und wissen das auch.“

Diese Aussagen sind ein Aufruf zur Mäßigung und eine Stimme der Ablehnung gegenüber körperlichen und biologischen Exzessen. Wir Menschen sind keine automatisierten Organismen, sondern Personen, die dem Sinn geben können und sollten, was sie tun, und das gilt auch für die grundlegendsten Handlungen.

Ein offener Geist ist eine Tugend

Es passiert häufig, dass wir diese Art von Menschen treffen,
die fest an ihren etablierten Denkmustern festhalten…. >>>Mehr

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