Angst als tägliche Erfahrung: Was tun?

Tägliche Angst kann ernste Folgen haben. Sehr viele Menschen leiden daran, trotzdem wird noch immer viel zu selten darüber gesprochen.
Angst als tägliche Erfahrung: Was tun?
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der psychologe Valeria Sabater am 15. November 2021.

Letzte Aktualisierung: 15. November 2021

Angst als tägliche Erfahrung ist für viele Menschen eine psychophysische Realität, die durch bedrohliche Gedanken, Druck in der Brust, Atembeschwerden, verminderte Leistungsfähigkeit und auch Probleme in Beziehungen gekennzeichnet ist. Manchen Betroffenen fällt es schwer, jeden Morgen aufzustehen, um ihren Aktivitäten und Verpflichtungen nachzukommen.

Manche beschreiben diesen Zustand, als hätte jemand plötzlich einen Schalter aktiviert. Plötzlich verwandelt sich die Ruhe in absolute Beklemmung, Bedrohung und Furcht. Das Herzrasen setzt ein, die Emotionen spielen verrückt und die Sorgenfabrik läuft an. Zwar ist Angst ein notwendiger Überlebensmechanismus, doch sie ist ebenfalls ein ernstes Problem, wenn sie außer Kontrolle gerät.

Es ist wie beim Autofahren, wenn du plötzlich das Gefühl hast, dass die Lenkung nicht funktioniert. Die Welt beschleunigt sich und die Angst ist eine Konstante. Es ist wichtig zu verstehen, dass wir es mit einer komplexen psychologischen Erkrankung zu tun haben, wenn es sich um eine tägliche Erfahrung handelt.

Die generalisierte Angst ist ein längerfristig auftretender Zustand, der oft das Leben der Menschen bestimmt.

Mann leidet an Angst als tägliche Erfahrung

Angst als tägliche Erfahrung: Wie kommt es dazu?

Die Wahrheit ist, dass wir alle Angst kennen. Unser Lebenstempo impft uns von Zeit zu Zeit dieses Gefühl von Kurzatmigkeit, Leere im Bauch und relativem Druck ein, das die meisten von uns bereits experimentiert haben. Das sind jedoch Erfahrungen, die wir meistern und die verschwinden, wenn wir uns entspannen und unsere Freizeit genießen.

Manche Menschen fühlen sich jedoch unfähig, sich auszuruhen, klar zu denken und etwas zu genießen, weil ihre Angst hartnäckig ist und alles überschattet. Bestimmte Gedanken werden aufdringlich und bedrohlich. Sie leiden oft unter Schlaflosigkeit, Müdigkeit ist eine Konstante, jeder Tag scheint bedrohlich zu sein, sie machen sich Sorgen um ihre Gesundheit, ihr Arbeit, ihre Zukunft, über Wahrscheinliches und Unwahrscheinliches.

Das Leben selbst wird zu einem erstickenden Gewirr von Ängsten, obwohl die betroffene Person weiß, dass alle ihre Ängste ungerechtfertigt sind. Doch wie kommt es dazu?

Generalisierte Angststörung: eine häufige, jedoch vernachlässigte Krankheit

Die generalisierte Angststörung (GAD) ist eine psychische Störung, die im Laufe der Zeit stabil ist und in vielen Fällen bereits im Jugendalter beginnt. Es ist die Realität, die sich hinter der täglichen Erfahrung der Angst versteckt.

Diese Störung bestimmt das Leben der Betroffenen, die oft im Stillen und ohne Diagnose darunter leiden. Manche glauben noch immer, dass es sich um ein Persönlichkeitsmerkmal handelt. Doch in Wahrheit haben wir es mit einer ebenso verbreiteten wie ernsthaften Störung zu tun. Forschungsarbeiten, wie die der Universität Sherbrooke, zeigen zum Beispiel, dass in vielen Fällen neben der generalisierten Angst auch Depressionen auftreten.

Dies sind die Merkmale, die diese Art von Angst nach dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5) definieren:

  • Der Verlauf der Störung ist schwankend und chronisch (sie verschwindet manchmal, kehrt aber immer wieder zurück) und verschlimmert sich in Zeiten von Stress.
  • Es treten anhaltende Sorgen auf, die schwer zu kontrollieren sind.
  • Auch andere klinischen Probleme wie Phobien oder Depressionen machen sich bemerkbar.
  • Für Menschen mit dieser Störung sind Ängste eine fast tägliche Erfahrung.
  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsprobleme
  • Sie erleben zahlreiche Somatisierungen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Verdauungsprobleme, Herzrasen usw.

Im Allgemeinen leiden Menschen mit täglichen Angsterfahrungen unter den körperlichen Auswirkungen dieser Störung, die ihre Lebensqualität stark beeinträchtigen.

Menschen mit generalisierten Ängsten haben Probleme am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft und in der Familie. Aufgrund der vielfältigen körperlichen Symptome sind sie in der Regel häufig beim Arzt anzutreffen.

Angst als tägliche Erfahrung

Angst als tägliche Erfahrung: Was tun?

Wenn du jeden Tag an Ängsten leidest, ist es an der Zeit, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Du musst verstehen, dass es sich um eine ernste Krankheit handelt, die oft zu schweren Depressionen führt.

Du solltest berücksichtigen, dass dieses Krankheitsbild das Ergebnis mehrerer Faktoren ist, einschließlich genetischer und psychologischer Traumata. Normalerweise ist eine Psychotherapie in Kombination mit einer pharmakologischen Behandlung nötig. Häufig verschreibt der behandelnde Arzt Antidepressiva und Benzodiazepine.

  • Besonders häufig kommt die kognitive Verhaltenstherapie zum Einsatz, die sehr effektiv ist. Sie befasst sich mit der Wechselwirkung zwischen Gedanken, Emotionen und den Verhaltensweisen, die die Angst verstärken.
  • Auch die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) kann helfen. Sie ermöglicht es den betroffenen Menschen, ängstliche Gedanken zu bewältigen, unangenehme Gefühle zu akzeptieren und zu verstehen, die Komplexität des Lebens zu begreifen und ihre Werte zu definieren. Es geht schließlich darum, sinnvolle Ziele und einen motivierenden Lebensstil zu finden.

Vergiss nicht, dass jede Realität einzigartig ist und deshalb auch die Intervention bei einer so komplexen Störung individuell angepasst werden muss.

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