ACT zur Behandlung der Pornografiesucht

Pornografiesucht ist in der Gesellschaft weit verbreitet. Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie zur Behandlung dieses Problems wurde untersucht und hat sich als wirksam erwiesen.
ACT zur Behandlung der Pornografiesucht

Letzte Aktualisierung: 11. Oktober 2021

Pornografiesucht ist ein häufiges Suchtverhalten, auch wenn die diagnostischen Kriterien nicht eindeutig definiert sind. Wir sprechen von Menschen, die von Pornos abhängig sind. Es gibt nur wenige Studien, die eine spezifische Intervention für dieses Problem vorschlagen.

Die Behandlung dieser Sucht ist aufgrund der Vorurteile und Stereotypen im Zusammenhang mit Pornografie schwierig. Hinzu kommt die Scham der betroffenen Personen.

In diesem Artikel stellen wir eine Intervention vor, die mit der Akzeptanz und dem Engagement beginnt, sich mit dem Problem der Pornografiesucht auseinanderzusetzen. Wir sprechen außerdem über die Ergebnisse einer Studie, die Twohig und Crosby 2010 für die Utah State University durchgeführt durchführten.

ACT für Pornografiesucht

Internet und Pornografie

Das Netz der Netze gehört in allen Lebensbereichen zu unserem Alltag. Experten schätzen, dass rund 12 % der Inhalte pornografischer Art sind, eine erstaunlich hohe Zahl. In den Vereinigten Staaten sehen ungefähr 13 Prozent der Bevölkerung regelmäßig Pornografie. Auch in Deutschland ist der Pornokonsum sehr hoch: über 12 % des Internet-Traffics soll auf Sexseiten entfallen. Während des Lockdowns erhöhten sich diese Zahlen deutlich.

Diese Praxis ist tief in unserer Gesellschaft verwurzelt. Da ihre Entwicklung exponentiell zu sein scheint, sind spezifische Interventionen nötig, um bei Pornografiesucht zu helfen.

Pornografiesucht und Stimmungsprobleme

Das Suchtverhalten der betroffenen Personen führt zu emotionalen, sozialen und beruflichen Problemen. Im Fall der Pornografiesucht berichtet die Studie von Twohig und Crosby über Menschen mit Depressionen, soziale Isolation, schwierige Beziehungen, Arbeitsplatzverlust und Produktivitätseinschränkungen. Dazu kommen finanzielle Probleme.

Das Anschauen von Pornografie ist nicht unbedingt schlecht, jedoch für viele ein Frage moralischer und persönlicher Werte. Zum Problem wird dieses Verhalten, wenn Betroffene die Kontrolle verlieren, die Zeit vergessen oder an unangebrachten Orten schauen.

Pornografiesucht und ihre Ähnlichkeit mit anderen Süchten

Um die Funktions- und Diagnosekriterien für die Pornografiesucht festzulegen, wurden Störungen mit ähnlichen Problemen untersucht. Dies sind unter anderem Drogenmissbrauch, fehlende Impulskontrolle oder Zwangsstörungen.

Studien weisen wie bei jedem Suchtverhalten auf das Vorhandensein von Zwangsgedanken hin, die Betroffene dazu antreiben, Pornografie zu konsumieren. Die Probleme, die dadurch entstehen, sind direkt proportional mit der Fähigkeit, diesen Drang zu kontrollieren. 

Die Behandlung ist ähnlich wie bei Zwangsstörungen, Trichotillomanie (zwanghaftes Haareausreißen) und Drogenmissbrauch. Als Beispiel verwenden Experten Behandlungen, die mit inneren Gedanken und Erfahrungen arbeiten und sich auf Verhaltensänderungen konzentrieren.

Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) gegen Pornografiesucht

ACT eignet sich, um das Paradoxon des Pornozwangs zu behandeln. Wir könnten diese Therapie in das Spektrum der kognitiven Verhaltenstherapien einordnen, denn sie befasst sich ebenfalls mit Gedanken, Emotionen und physiologischen Reaktionen. ACT verwendet Techniken, um Verhaltensänderungen zu erreichen.

Die Akzeptanz- und Commitmenttherapie setzt jedoch unterschiedliche Prozesse ein. In der erwähnten Studie wurden die sechs Kernprozesse berücksichtigt, die in diesem Fall versuchen, die Auswirkungen des Pornografiekonsums zu verringern und andere Erfahrungen zu verstärken. So sollen Verhaltensmuster verändert werden.

Die sechs Kernprozesse der ACT

  • Akzeptanz. Das süchtige Individuum muss bereit sein, Gedanken, Empfindungen und Emotionen zu erleben, ohne das Ziel, sie zu regulieren. Es muss sie akzeptieren, wie sie sind.
  • Kognitive Defusion. Empfindungen, Emotionen und inneren Erfahrungen keinen verbalen Inhalt hinzuzufügen. Emotionen definieren eine Person nicht. Es gilt, Urteile zu vermeiden.
  • Achtsamkeit. Sie ermöglicht es, die Welt aus einer direkten Perspektive zu erfahren und flexibler zu werden. Dabei geht es darum, wieder nach den eigenen Werten handeln zu können.
  • Selbst-als-Kontext. Überzeugungen, die sich auf das eigene Selbst beziehen, können sehr schädlich sein: “Ich kann das nicht”, “Ich werde es nicht schaffen”… Betroffene müssen lernen, Pornografie von außen zu betrachten und sich nicht davon definieren zu lassen. Es geht um einen bewussten Perspektivenwechsel zwischen erleben und beobachten.
  • Werte. Sie sind ein wesentlicher Punkt der Therapie. Betroffene müssen Werte und Richtungsziele erkennen, und entsprechende sprachliche Formulierungen definieren. Es geht darum, auf diese Ziel hinzuarbeiten und dafür Zeit zu investieren.
  • Engagement (Commitment). Restrukturieren und arbeiten Sie so, dass sich das Subjekt verpflichtet, auf die Richtung seiner Werte hinzuarbeiten.
Mann mit Pornografiesucht

Die Forschungsergebnisse: Ist ACT bei Pornografiesucht nützlich?

Dank der Teilnahme von sechs Personen, die die Kriterien für Pornografiesucht zu erfüllen schienen, konnten Fachleute die Studie abschließen. Die Ausgangssituationen waren unterschiedlich: Eine Person konsumierte heterosexuelle Pornos während der Arbeitszeit, eine andere war süchtig auf homosexuelle Pornografie. Die anderen drei sahen sich nur heterosexuellen Sex an, einer masturbierte sich nur vor Frauenbildern. Alle Probanden waren Männer und alle waren pornografiesüchtig.

In acht eineinhalbstündigen Sitzungen kam die Akzeptanz- und Commitment-Therapie zum Einsatz. Fünf Teilnehmer konnten ihren Pornografiekonsum deutlich reduzieren. Vier davon hatten auch über längere Zeit damit Erfolg. Zudem stieg ihre Lebensqualität und Zufriedenheit nach den acht Sitzungen.

Diese Studie zeigt, dass Therapien, die auf der Akzeptanz von Impulsen und Handlungen in Übereinstimmung mit den Werten der Betroffenen basieren, für diese Art von Problem nützlich sind. Auch Verhaltenstherapien oder emotionsbasierte Therapien sind wirksame Alternativen.

Die Prävention spielt eine wesentliche Rolle, damit die Pornosucht nicht zunimmt. Eine Regulierung ist deshalb wie auch bei Alkohol, Drogen und Tabak nötig.

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  • Twohig, M. y Crosby, J. (2010). Acceptance and Commitment Therapy as a Treatment for Problematic Internet Pornography Viewing. Behavior Therapy, 4, 285, 295.