5 Übungen, um dich dem zu stellen, was dich verletzt

5 Übungen, um dich dem zu stellen, was dich verletzt
Sergio De Dios González

Geprüft und freigegeben von dem Psychologen Sergio De Dios González.

Geschrieben von Raquel Lemos Rodríguez

Letzte Aktualisierung: 17. Januar 2023

Sicherlich hat dir niemand beigebracht, wie das geht: dich dem stellen, das dich verletzt. Vielleicht hat man dir diesbezüglich gesagt “Weine nicht”, “Die Zeit heilt alle Wunden”  und “Alles wird gut”.  Aber nichts davon hat geholfen, ganz im Gegenteil, dadurch ging es dir noch schlechter. Darum schlagen wir dir heute fünf Übungen vor, um dich dem zu stellen, das dich verletzt – Übungen, von denen dir vielleicht noch nie jemand erzählt hat, die aber sehr effektiv sind.

1. Lerne, den Schmerz loszulassen

Den Schmerz, den du fühlst, zu ignorieren oder darauf zu warten, dass er vorbeigeht, ist keine Option. Er bedarf einer Reflexion, auch wenn es wehtut; du musst dich ihm direkt stellen, damit er sich nicht einnistet und weiterhin an deinen Reserven zehrt. Darum geht es in dieser ersten Übung.

Um diese Übung durchführen zu können, brauchst du nur einen kleines Stein. Halte ihn in deiner Hand und drücke ihn, so fest du kannst. Jetzt stelle dir vor, dass in ihm deine Emotionen, deine Gedanken oder jene Personen wären, die dir Schmerz zufügen.

Zu Beginn wird dir das Drücken des Steins nur unangenehm sein, aber je stärker du zudrückst, desto mehr wird deine Hand tatsächlich schmerzen. Wenn das geschieht, lasse den Stein, in dem du alles visualisiert hast, das dich verletzt, los und erlaube, dass er zu Boden fällt. Bemerke hierbei, wie du es geschafft hast, loszulassen, nachdem du dich zuvor an das Objekt geklammert hast. Das Gleiche gilt für all diese Emotionen oder Menschen, die dir so viel Schmerz bereiten. Du kannst sie loslassen.

Wenn wir uns an bestimmten Situationen festhalten, tun wir das in der Annahme, dass sie bereits ein Teil von uns geworden seien, auch wenn sie uns verletzen. Wir können nicht erkennen, dass wir selbst es sind, die sich dafür entscheiden, zu leiden. Wir können uns jederzeit von ihnen lösen.

Hand, die ein Blatt hält

2. Beobachte, wie du mit dir selbst sprichst

Diese zweite Übung, um dich dem zu stellen, das dich verletzt, wird dir helfen, zu erkennen, wie du mit dir selbst sprichst. Vielleicht denkst du, dass du dies auf positive Art und Weise tust, doch vielleicht wirst du überrascht sein, wenn du entdeckst, dass du dir selbst viel mehr negative Phrasen und Gedanken widmest, als du gemeinhin annimmst. Um dies gut verstehen zu können, geben wir dir ein Beispiel:

Stelle dir vor, du bist im Fitnessstudio und du kommst mit jemandem ins Gespräch. Als es Zeit ist, sich zu verabschieden, sagt die andere Person zu dir: “Schön, mit dir gesprochen zu haben.”  Aber du zögerst mit deiner Reaktion. Du wirst etwas nervös und antwortest unsicher: “Gleichfalls.”  Als du dann zur Garderobe gehst, kannst du nicht damit aufhören, darüber nachzudenken, wie albern du bist und wie lächerlich du dich aufführst, wenn du auf anderen Menschen triffst.

Das Wichtigste an dieser Übung ist, dass du dir solcher Situationen bewusst wirst und dass du dir dann unverzüglich einen Spiegel suchst und dir selbst ins Gesicht sagst, was du gerade gedacht hast. War es positiv? Wie negativ würdest du es bewerten? Du wirst erkennen, wie stark du dein Selbstwertgefühl immer wieder negativ beeinflusst, ohne es zu bemerken.

3. Verankere dich in der Gegenwart

Eine weitere Möglichkeit, dich dem zu stellen, das dich verletzt, ist es, dich in der Gegenwart zu verankern. Du kennst sicher die Technik des Mindfulness. Darum werden wir nun sehen, wie sehr du dich auf den gegenwärtigen Moment konzentrieren kannst, indem du eine Zeit lang die Vergangenheit und die Zukunft vergisst. Jene Vergangenheit und Zukunft, wo dein Schmerz sitzt bzw. wo du ihn fürchtest.

Mann, der auf einem Flugzeug sitzt

Wähle während einer Woche täglich etwas aus, worauf du dich konzentrieren möchtest. Zum Beispiel konzentrierst du dich am Montag darauf, wie du atmest, am Dienstag darauf, wie deine Füße den Boden berühren, am Mittwoch darauf, wie sich das Wasser auf deiner Haut anfühlt, wenn du dir die Hände wäschst oder dich duschst … Tue das für alle Tage der Woche. Es wird dir helfen, die kleinen Dinge zu schätzen und dich ein Stück weiter davon zu entfernen, was dir Schmerzen hinzufügt.

Uns daran festzuhalten, was uns verletzt, hindert uns daran, die kleinen Dinge des Lebens zu genießen, denn alles dreht sich immer nur um diesen Schmerz.

4. Versetze dich in die schlimmstmögliche Situation

Die vierte Übung wird dir erlauben, der Situation das Drama zu nehmen, welches dich so sehr leiden lässt. Oftmals trüben unsere Emotionen unsere Sicht so sehr, dass sie alles schrecklich aussehen lassen. Darum sollst du versuchen, dich selbst in die schlimmstmögliche Situation zu versetzen.

Stelle dir vor, dass es dir mit deinem Partner nicht gut geht. Du hast lange Zeit an eurer Beziehung festgehalten, obwohl sie dir Schmerzen zufügt, und es wird immer schwerer für dich, sie zu beenden. Manchmal siehst du die Entscheidung, die du treffen solltest, klar vor dir, doch die Angst erfüllt dich und verhindert, dass du etwas unternimmst. Nun, was ist hier die schlimmstmögliche Situation?

Was ist das Schlimmste, das passieren könnte? Vielleicht ist es das Gefühl, allein zu sein, anders als all deine Freunde zu sein, die einen Partner haben, der ihnen Liebe gibt. Wir schlagen dir vor, dass du dir alle diese schwierigen Umstände aufschreibst, jedoch nicht auf dramatische Art und Weise. So wirst du erkennen, dass viele der Szenarien, die sich in deinem Geiste abspielen, gar nicht so schlimm sind, wie du denkst.

Versuche, für jede Antwort zu begründen, warum das Resultat dich verletzen sollte. In einigen Fällen wirst du sehen, dass du keine Antwort finden kannst, die nicht absurd ist. In anderen Fällen wirst du dir bewusst werden, dass es tatsächlich ein Ergebnis gibt, das dir Schmerzen zufügen kann, doch dass das, was dich wirklich leiden lässt, die Tatsache ist, dass du dich daran fest hältst.

5. Eine essenzielle Frage

Dich an den Schmerz zu klammern ist etwas, dass dich auf unerbitterliche Weise zum Leiden bringen wird. Daher können dir all diese Übungen, um dich dem zu stellen, das dich verletzt, helfen, klarer zu sehen, was mit dir geschieht. So kannst du es schaffen, eine Entscheidung zu treffen, von der du später profitieren wirst.

Die letzte Übung besteht aus einer essenziellen Frage. Was würdest du jemandem sagen, der dasselbe durchgemacht hat, wie du? Versetze dich in deine Situation, als wäre es dein Bruder oder ein Freund, der sie durchleben müsste. Die Antwort auf die Frage, die du vorher formuliert hast, solltest du nun auf dich selbst anwenden. Diese Antwort kann dir helfen, deine Augen zu öffnen.

Mann, der im Spiegel eine Teekanne sieht

Wir neigen dazu, uns an den Schmerz zu klammern, der sich in ein großes Leiden verwandelt. Die Ironie daran ist, dass wir diesen jederzeit loslassen können, wenn wir es wollen, doch um dies zu schaffen, muss uns erst bewusst werden, was wir eigentlich tun. Wie oft hast du dich an etwas festgehalten, das dich verletzt? Wie hast du es geschafft, davon loszukommen?


Dieser Text dient nur zu Informationszwecken und ersetzt nicht die Beratung durch einen Fachmann. Bei Zweifeln konsultieren Sie Ihren Spezialisten.