Zu wissen, wann man loslassen muss, ist das wahre Geheimnis des Wohlbefindens

9. April 2019

Zu wissen, wann man loslassen muss, ist das wahre Geheimnis des Wohlbefindens. Bei vielen Menschen jedoch sorgt schon der Gedanke daran, Menschen, Situationen und Materielles loszulassen, für Unwohlsein. Und dafür gibt es einen guten Grund: Wir leben in einer Gesellschaft, die uns dazu ermutigt, immer alles zu bekommen und bei uns zu behalten, niemals etwas loszulassen.

Die Sprechzimmer der Psychologen sind voll von Menschen, die sich in ihrer Realität nicht wohlfühlen. Viele von ihnen sind überrascht, da sie doch viel von dem bekommen haben, was sie sich vom Leben gewünscht hatten, zum Beispiel eine stabile Beziehung, ein guter Job oder ein besonderer Luxus. Hier gibt es viele Möglichkeiten. Trotz der Tatsache, dass sie all das haben, was sie zu einem bestimmten Zeitpunkt begehrten, sind sich letztendlich aber nicht glücklich.

Vielleicht liegt das Geheimnis gerade nicht darin, etwas zu bekommen. Es ist möglich, dass die Lösung für diese ewige Unzufriedenheit darin besteht, zu lernen, wann man loslassen muss. Mit anderen Worten, es sollte ein Gleichgewicht bestehen zwischen der Begeisterung dafür, zu erreichen, was du dir wünscht, und der Dankbarkeit für das, was du bereits hast.

Sich schlecht fühlen

Wir Menschen wollen uns wohlfühlen. Und wenn wir uns einmal gut fühlen, möchten wir uns noch besser fühlen. Dies ist eine Art positiver Unzufriedenheit, die die Entwicklung von Wissen, Wissenschaft und Zivilisation erst ermöglicht hat. Wir wollen die Probleme unserer aktuellen Realität lösen, um noch besser zu werden.

Trotzdem sind „Bekommen“ und „Sein“ heutzutage praktisch gleichbedeutend. Was du bist, hängt davon ab, was du hast. „Jemand sein“ bedeutet, Geld, Anerkennung, Ansehen oder Ruhm zu haben. Der Punkt ist, dass erst diese Eigenschaften einen Menschen „wichtig“ machen. Du bist niemand, wenn du nichts hast, was dich über andere stellt.

Mann schaut zu einem Vogel auf, der im Rauch aufsteigt

Heutzutage scheint es eine wahre Epidemie des Unwohlseins zu geben. Es ist kein Zufall, dass die Häufigkeit psychischer Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten so rasant gestiegen ist. Es ist auch nicht verwunderlich, dass sich mehr Menschen als je zuvor über ihr Leben beschweren.

Wissen, wann man loslassen soll und wie

Einer der Gründe dafür liegt in der Tatsache, dass das Leben, ob wir es wollen oder nicht, uns oft dazu nötigt, loszulassen. Das passiert fast täglich. Wenn wir eines tun, müssen wir zur selben Zeit etwas anderes loslassen. Wir müssen wählen, uns entscheiden. Wenn wir uns ein großes und wunderschönes Haus wünschen, müssen wir wahrscheinlich die Zeit mit der Familie reduzieren, um uns noch mehr der Arbeit zu widmen. Wenn wir eine stabile Beziehung führen möchten, müssen wir andere Männer oder Frauen ignorieren, die unseren Weg kreuzen.

Feder auf Hand

Das ist genau das, was viele Leute nicht verstehen oder vielleicht schlicht nicht akzeptieren wollen. Sie gehen davon aus, dass sie sich nur dann wohlfühlen werden, wenn sie alles auf einmal haben. Sie kümmern sich nicht darum, loszulassen. Sie wollen nur wissen, wie man alles bekommt, ansammelt und stets auf Lager hält.

Bei allen Entscheidungen, die wir im Leben treffen, müssen wir jedoch von etwas anderem absehen. Jede Leistung hat ihren Preis. Es ist unmöglich, alles zu haben. Deshalb ist es wichtig, zu erkennen, wann man etwas besser loslässt und vor allem wie.

Das Glück ist in uns

Die Leute neigen dazu, sich selbst zu täuschen und zu denken, sie wären glücklicher, wenn sie dieses bekommen und jenes nicht verlieren. Wir wollen das komplette Paket und wenn wir es nicht bekommen, fühlen wir uns unglücklich. Wir wollen auch das, was wir gerade loslassen, anstatt zu genießen, was wir jetzt haben, dank dem, was wir zuvor geopfert haben. Wir wählen eine Sache aus und entscheiden uns gegen eine andere. Doch oft erkennen wir das nicht einmal.

Vielleicht sind wir wütend auf uns selbst, weil wir nicht das ideale „Sein“ verkörpern, das wir nicht einmal definiert hatten. So fordern wir immer mehr von uns oder beschimpfen uns sogar selbst. Wir möchten einen besseren Job, einen höheren Status, eine vollkommene Harmonie in unseren Beziehungen, Vorzeigekinder, die es auf die Titelseiten schaffen, und viele andere Dinge. Wir machen unser Leben zur Hölle, wenn wir immerzu nach den Dingen suchen, die uns fehlen.

Loslassen ist, als würde man einen Schmetterling davonfliegen lassen.

Wenn wir niemals mit dem, was wir haben, glücklich sind, können wir überhaupt nicht glücklich sein. Wenn wir aber ein inneres Gleichgewicht erreichen, wird diese gierige Angst, mehr zu sein oder mehr zu haben, verschwinden. Das Erreichen dieses Gleichgewichts ist nur möglich, wenn wir die Fähigkeit erlernen, loszulassen.