Zu kapitulieren kann von Mut und nicht von Feigheit zeugen

· 23. Februar 2017

Es ist manchmal keineswegs feige zu kapitulieren, sondern einfach nur mutig. Vergiss nicht, dass aufzugeben nicht immer gleich ein Zeichen von Feigheit sein muss, sondern genau das Gegenteil ist: Es ist mutig, vernünftig und emotional intelligent. Und es ist noch mehr, denn in einigen Lebenssituationen ist es notwendig, einen finalen Punkt zu setzen, um mit unserer Geschichte fortzufahren.

Zu kapitulieren kann eine weise Lösung sein und in manchen Fällen ist es unser einziger Ausweg. Das bedeutet nicht, dass wir uns jemandem oder etwas unterwerfen oder wir uns für besiegt erklären, wie man so schön als Definition im Duden findet. Sich in Bezug auf eine unschöne Situation geschlagen zu geben, wird für gewöhnlich jedoch von anderen als feige Handlung abgestempelt, die unsere Schwäche zum Ausdruck bringt.

Feige oder vernünftig zu sein, sind zwei vollkommen unterschiedliche Einstellungen

Fast schon aus Gewohnheit neigen viele von uns dazu, eine Einstellung oder Haltung in eine Schublade zu stecken und mit einer anderen zu verwechseln, die ein gewisses Verhalten erklären könnte. So ist es auch, wenn wir von Feigheit und Vernunft sprechen. Beide Einstellungen könnten besagen, dass jemand etwas nicht mehr länger tut. Aber wenn wir uns in solch einer Situation befinden, ist es womöglich einfacher, unsere Kapitulation mit Feigheit zu erklären, um eine für uns störende kognitive Unstimmigkeit zu vermeiden. Mit anderen Worten, da mangelt es an Übereinstimmung zwischen dem, was wir tun, und dem, was wir denken.

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Jede Situation, die für uns neu ist, Verantwortung bedarf oder Veränderung mit sich bringt, ist mehr oder weniger beängstigend, und wir alle sind uns in solch einer Situation unserer Angst bewusst. Aber es gibt Menschen, die im Hinblick auf diese Angst davon überzeugt sind, dass es eine schlechte Entscheidung für sie ist, weiterzumachen und aus diesem Grund sind sie auch nicht feige. Denn tatsächlich sind sie oftmals sehr mutig, weil es für sie unter Umständen einfacher wäre, weiterzumachen und das zu tun, was andere von ihnen erwarten.

„Wer vernünftig ist, ist besonnen; wer besonnen ist, ist beständig; wer beständig ist, den kann nichts erschüttern; wen nichts erschüttern kann, der lebt ohne Traurigkeit; wer ohne Traurigkeit lebt, ist glücklich – vernünftig zu sein, bedeutet also, glücklich zu sein.“

Seneca der Jüngere

Feige ist derjenige, der sich von der Angst mitreißen lässt, der kein Risiko eingehen will, seiner inneren Stimme nicht zuhört und sie missachtet, der die Unzufriedenheit als Preis für Bequemlichkeit akzeptiert. Feige ist demnach nicht derjenige, der kapituliert, hofft oder in einem bestimmten Moment in seinem Leben aufgibt, da er das als eine intelligente Entscheidung ansieht, die gewinnbringend für sein Wohlbefinden ist.

Hin und wieder zu kapitulieren, ist vernünftig. Zum Beispiel, wenn wir an die möglichen Risiken denken, die es hat, mit etwas weiterzumachen, und wenn wir dann entsprechend handeln, um nicht länger unnötig verurteilt zu werden. Etwas zu verändern, wenn es nicht gut läuft, zeugt definitiv von Mut.

Der Unterschied zwischen „den Kopf in den Sand zu stecken“ und dem Entschluss, dass „es reicht“

Vielleicht kommt diese Veränderung erst dann, wenn wir das Handtuch werfen und uns dafür entscheiden, einen anderen Weg einzuschlagen. Es existiert ein schmaler Grat zwischen der Tatsache, den Kopf in den Sand zu stecken, und dem Fazit „es reicht“Wenn wir von unserer Seite aus alles gegeben haben und es keine Ergebnisse gibt, ist es besser, zu kapitulieren und von vorn zu beginnen.

„Es ist nun mal so, dass wir in eine andere Situation hineingeraten, wenn wir versuchen, das Unvermeidliche zu vermeiden. Aber Vernunft besteht darin, die Natur des Unvermeidlichen anzuerkennen und das kleinere Übel als etwas Gutes zu akzeptieren.“

Machiavelli

Wir können nicht erzwingen, was nicht sein soll. Es ist auch ungerecht, von jemandem zu verlangen, dass er etwas fühlen soll, das er nicht fühlt. Es hat keinen Sinn, etwas versuchen, worauf wir auf intellektueller oder psychischer Ebene nicht vorbereitet sind. Manche Ziele sind zum Scheitern verurteilt oder schlichtweg unmöglich. Dass etwas auch mal nicht funktioniert, gehört zu diesem Mysterium, das sich Leben nennt, schlichtweg dazu.

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Wenn wir etwas versucht und dafür gekämpft haben, wir uns aber bewusst sind, dass es keinen Sinn hat, weiterzukämpfen, wieso sich dann also noch länger quälen? Zu kapitulieren zeugt demnach davon, dass wir uns einer Tatsache bewusst sind und uns etwas eingestehen, was uns unsere innere Stimme verraten hat.

Wenn etwas einfach nicht sein soll, vergeude deine Energie nicht darauf

Es ist stets am besten, unsere Energie in die Kunst zu investieren, uns um uns selbst oder die Menschen zu kümmern, die wir lieben. Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass unsere Energie irgendwann aufgebraucht ist. Wir sollten unsere Kräfte also nicht unnütz und unangebracht vergeuden, sondern sie lieber für uns und unsere Liebsten aufsparen.

„Wir sollten nie nie nie niemals kapitulieren, weder bei etwas Großem noch bei etwas Kleinem, weder bei etwas Wichtigem noch bei etwas Unwichtigem, wir sollten niemals kapitulieren, außer wenn es von Mut zeugt oder dem Gemeinschaftssinn zugutekommt.“

Winston Churchill

Grundlos für etwas zu kämpfen, das keinen Sinn hat, gleich dem schönen Sprichwort, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen. Wir vergeuden zu viele Kräfte und sind im Gegenzug nur erschöpft und niedergeschlagen. Währenddessen verpassen wir viele andere Gelegenheiten, die besser zu uns passen würden.

Letztendlich können wir sagen: Wenn du dich in einer Situation befindest, in der du auf persönlicher oder beruflicher Ebene keinen Nutzen daraus ziehst, weiterhin für etwas zu kämpfen, ist vielleicht jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, zu überlegen, ob es nicht besser wäre, loszulassen. Denke immer daran, dass es nichts Schlechtes ist, zu kapitulieren. Ganz im Gegenteil: Es ist immer eine akzeptable Option und in vielen Fällen intelligent und vor allem weit davon entfernt, von Feigheit und Versagen zu zeugen.

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