Wunschdenken – Du siehst, was du sehen willst

22. Mai 2017 en Psychologie 161 Geteilt

Wir treffen ständig Entscheidungen, was unsere Arbeit und unsere Beziehungen angeht. Aber glaubst du, dass sie alle rational und logisch sind? Manchmal nehmen wir gar nicht wahr, dass unser Wunschdenken auf unsere Entscheidungen einen großen Einfluss ausübt.

Wenn du dir etwas brennend wünscht, zum Beispiel ein bestimmtes Ziel zu erreichen oder etwas zu kaufen, das du gesehen hast und das dir einfach nicht mehr aus dem Kopf geht, wird dieser Wunsch zu einem Signal an dein Gehirn: Dort zeigt es an, dass dir etwas fehlt. Jede Entscheidung, die du ab dem Moment triffst, wird von diesem starken Wunsch beeinflusst.

Und was passiert dann mit der Wirklichkeit? Sie verwandelt sich in das, was du gern haben möchtest und lässt dich denken, das alles nach deiner Pfeife tanzt. Es ist nicht besonders schwierig, zu verstehen, wie viele Probleme das verursachen kann, nicht nur auf der privaten, sondern auch auf der beruflichen Ebene. Die Wirklichkeit ist, wie sie nun einmal ist. Und so sehr du sie auch durch eine andere Brille sehen willst – sie wird sich nicht verändern.

Deine Gedanken werden zu Sklaven deiner Wünsche

Das kommt dir jetzt vielleicht krass vor, aber deine Gedanken werden zu Sklaven der Wünsche deines Geistes, besonders dann, wenn es sich um einen wirklich großen Wunsch handelt. Wenn das passiert – obwohl du denkst, dass du im Moment der Entscheidung ganz rational bist – siehst du die Wirklichkeit nicht mehr so, wie sie ist; du siehst nur das, was du sehen willst.

Wunschdenken baut auf Illusionen und Fantasien auf. Deshalb macht es dir auch gar nichts aus, was in Wirklichkeit passiert. Wenn du die falsche Abzweigung nimmst, wenn die Leute dich nicht gut behandeln, wenn du Fehler machst – du erkennst nichts davon. Denn du machst dir ein Bild von einer anderen Welt. Einer Welt, die du dir einbildest und die du in deinem Kopf als real verankerst.

Obwohl Wunschdenken eine Form der Motivation sein kann, kann es auch zu einer Vermeidungsstrategie werden. Du weichst einer Situation aus, die du nicht magst. Stell dir einmal vor, dass du dich in einer Beziehung befindest, in der es schlecht läuft. Es wäre doch toll, wenn alles wieder so wie früher wäre, als die Dinge noch besser liefen. Du rufst dir also die Zeiten ins Gedächtnis zurück, als noch eitel Sonnenschein herrschte. Diese Erinnerungen verfrachtest du in die Gegenwart und stellst dir vor, dass die Beziehung jetzt noch genauso läuft.

Die Wirklichkeit kann sehr schmerzhaft sein und deswegen versuchen wir unbewusst, vor ihr davon zu laufen.

Du lebst in einer Fantasiewelt, ohne dass du das wirklich willst. Und du bist dir auch nicht darüber im Klaren, dass du deine Augen vor der Realität verschließt. Also tust du so als ob. Schließlich konzentrierst du dich nur noch auf dich selbst und deine eigenen Wünsche. Am Ende vergisst du, dass es da auch noch andere Leute gibt. Dies führt zu ernsthaften Problemen.

Die Fallen, die das Wunschdenken dir stellt

Für dich ist es wichtig, wahrzunehmen, dass Wunschdenken niemals von der Realität herrührt; es kommt von dem, was du möchtest, das passiert. Realistisch zu bleiben ist jedoch notwendig, damit du nicht auf gewisse Fallen hereinfällst, die schwere Probleme bereiten können. Ein paar Beispiele seien hier angeführt:

  • Du konzentrierst dich auf das Ziel und nicht auf den Weg. Das hindert dich daran, die Fehler zu sehen, die du begehst, und was du falsch machst. Wenn du da nicht Abhilfe schaffst, wird alles kein gutes Ende nehmen. Die Sache, die du dir so herbeigewünscht hast, kann so gegen dich arbeiten.
  • Du verifizierst nicht, ob dein Wunsch auch praktikabel ist. Wenn du Ziele hast oder Träume verfolgst, muss der erste Punkt auf deiner To-Do-Liste folgender sein: Überprüfe, ob du sie umsetzen kannst, damit deine Bemühungen nicht im Sande verlaufen. So kannst du Enttäuschungen vorbeugen. Dein Wunschdenken hält dich davon ab, eine klare Einschätzung vorzunehmen. Es erlaubt dir, Ressourcen für Ziele einzusetzen,  die eine Nummer zu groß für dich sind.
  • Du wirst frustriert oder enttäuscht. Dein Wunschdenken ist schuld daran, dass du in eine Fantasiewelt abdriftest. Das heißt, dass du frustriert und enttäuscht sein wirst, wenn du dich an die knallharten Fakten halten musst. Wenn dein Wunsch ausreichend stark ist, wirst du die Situation noch weiter in die Länge ziehen und das wird dich langsam aufreiben.
Früher oder später wird sich die Realität zeigen. Das wird für dich dann um einiges grausamer und viel bitterer sein.

Wenn du zu lange in dieser Fantasiewelt verweilst, wird der Tag kommen, an dem du nicht mehr zwischen ihr und der Realität unterscheiden kannst. Da wird es Augenblicke in deinen zwischenmenschlichen Beziehungen geben, wo andere versuchen werden, dir die Augen zu öffnen. Die Wirklichkeit wird dir einen Schlag ins Gesicht versetzen. Dann bist du traurig und kehrst nicht mehr in diese Fantasiewelt zurück, um dich besser zu fühlen.

Du wirst dich in der realen Welt wiederfinden, der du nicht entkommen kannst. Egal, wie sehr du dir das wünscht. Wenn du deine Augen nicht aufmachst, werden das andere Leute und Situationen für dich erledigen. Besser wäre es jedoch, wenn du sie selbst öffnest. Vor allem, wenn du nicht willst, dass dir der Traum, in den du so lange vergraben warst, diese Lüge, die du für die Wirklichkeit hieltst, tüchtig um die Ohren fliegt.

Wunschdenken ist sehr bequem. Es gefällt dir und genau dort willst du sein. Aber es macht dich auch zu einem Feigling, der vor der Realität und vor allem, was er nicht akzeptieren will, die Flucht ergreift.

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