Ich höre allen zu, aber ich treffe meine eigenen Entscheidungen

· 1. November 2016

Es gibt Lieder, die besagen, dass man das Leben nicht ohne einen guten Kaffee unter Freunden verstehen kann, vielleicht weil bei einem Kaffeeklatsch die besten Gespräche entstehen und nützliche Ratschläge gegeben werden. Tatsache ist, dass diese Kaffees pure Energie für mich sind, wenn ich wichtige Entscheidungen treffen muss: Hier höre ich anderen zu, auch wenn ich am Ende immer noch selbst eine Entscheidung treffe.

Und man sagt auch, dass wir uns bei einem Kaffee näherkommen, weil sich der Kontakt durch Beziehungen, die wir pflegen, gewinnbringend auf unsere emotionale Gesundheit auswirkt und uns hilft, mit komplizierten Situationen, denen wir uns tagtäglich stellen müssen, umzugehen.

Darum sollten wir unserem inneren Ich erlauben, das auszudrücken, was es in Bezug auf die wertvollsten Personen in seinem sozialen Umfeld fühlt, denn das hat verschiedene Vorteile, vor allen Dingen wenn einmal Unruhe herrscht, und wir uns verwirrt fühlen. Unser Weg gabelt sich oftmals und wir müssen den schwierigen Weg weitergehen. Aber wenn wir ihn in Begleitung gehen, gewinnen wir Stabilität.

„Der Baum des Lebens sind die Gespräche mit Freunden, die Früchte, die Ruhe und das Vertrauen in sie.“

Francisco de Quevedo

Zuzuhören hilft dabei, zu sehen, was wir allein nicht erkennen

Der erste große Vorteil, den wir haben, wenn man uns zuhört, ist zweifellos die Möglichkeit, von einer andere Perspektive zu erfahren: Probleme wachsen uns über den Kopf, setzen uns unter Druck und drücken uns eine Verantwortung auf, weshalb ein anderer Blickwinkel als unserer zu unserem werden kann.

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Stelle dir vor, dass du deinen momentanen Job eigentlich sehr gern ausübst. Dennoch gibt es Gründe, wieso du ihn kündigst, wie zum Beispiel, dass du mehr Zeit mit deiner Familie verbringen willst. In dieser Situation wird dir eine andere Stelle angeboten, die überhaupt nicht zu deinen Fähigkeiten passt, aber dir erlaubt, mehr Zeit mit deinen Liebsten zu verbringen. Welche Entscheidung triffst du?

Es ist sehr schwierig, hier klar zu denken und zu verstehen, was die eine oder die andere Entscheidung bedeutet. Aus diesem Grund suchen wir den Rat derjenigen, die immer an unserer Seite sind und von denen wir sagen, dass sie uns heilen können. Sie werden uns ihre Sichtweise erklären, uns andere Pros und Contras aufzeigen, die wir aus einem bestimmten Blickwinkel nicht wahrnehmen, und am Ende treffen wir eine Entscheidung.

Individuelle Entscheidungen werden auch von äußeren Einflüssen begleitet

Bei jeder Entscheidung besteht die Möglichkeit, dass wir uns irren und einen Fehler machen, denn wenn wir eine Veränderung riskieren, bedeutet das auch, etwas verlieren zu können, und das ist eine Bedingung, die wir akzeptieren müssen. Die Konsequenz dessen ist der zweite große Vorteil: Je mehr uns ein Problem die Sicht verschleiert, desto mehr brauchen wir die Kraft und die Weisheit anderer.

Wie oft wollten wir schon, dass uns jemand zuhört, obwohl wir eigentlich nur die Kraft gesucht haben, die uns fehlte, um eine Entscheidung zu treffen? Ich entscheide, ja, aber manchmal brauche ich einen Anstoß, eine Umarmung, ein paar aufbauende Worte. Dann weiß ich, dass jemand da sein wird, komme was wolle.

„Jemand verliert, weil er nicht dazu in der Lage ist, anderen zuzuhören.“

Jorge González Moore

Ich entscheide, weil ich mit den Konsequenzen leben muss

Im Satz „Ich höre allen zu, aber ich treffe meine eigenen Entscheidungen“ steckt ein tieferer Sinn. Denn die Entscheidungen im Leben eines Menschen können von vielen anderen abhängen, aber die Konsequenzen muss immer noch er allein tragen.

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Wie wir schon festgestellt haben, hat es viele Vorteile, zuzulassen, dass uns andere ihre Meinung zu unseren Optionen mitteilen, aber wir allein sind für unser Handeln verantwortlich: Niemand wird für etwas die Verantwortung übernehmen, was nur dich betrifft. Niemand wird die Fehler deiner Entscheidungen auf sich nehmen und niemand wird sich die Last des gewählten Weges auf die Schultern heben.

„Denn niemand kann für dich lernen. Niemand kann für dich wachsen. Niemand kann für dich suchen.
Niemand kann etwas für dich tun, was du selbst für dich tun musst.
Das Dasein lässt keine Vertreter zu.“

Jorge Bucay

 

Wenn du dir dessen bewusst ist, dann höre dir an, was andere dazu zu sagen haben, auch wenn du nicht ihrer Meinung bist oder du dir denkst, dass sie es nicht gut meinen. Es ist immer gut, den Verstand für andere Ansichten zu öffnen, solange du dazu in der Lage bist, deinen eigenen Standpunkt nicht vollkommen aus den Augen zu verlieren. Du weißt, was du brauchst und wie du etwas brauchst. Nur du allein kannst auf deine Art und Weise leben, für dich entscheiden und handeln.