Wolfgang Köhler: Naturwissenschaftler, Philosoph und Psychologe

Wolfgang Köhler war einer der Begründer der Gestaltschule und der Erste, der mit Schimpansen das Lernen durch Versuch und Irrtum erforschte. Erfahre mehr über sein Leben und seine Arbeit.
Wolfgang Köhler: Naturwissenschaftler, Philosoph und Psychologe

Letzte Aktualisierung: 20. Januar 2022

Wolfgang Köhler war einer der prominentesten Vertreter der Gestaltpsychologie. Dieser Philosoph, Naturwissenschaftler und Psychologe erforschte komplexe kognitive Prozesse wie das Lernen. Viele seiner Theorien entwickelte er auf der Grundlage seiner geduldigen Beobachtungen von Schimpansen.

Dieser Forscher lebte in einer Zeit, in der zunehmend wissenschaftliche Grundlagen für die Psychologie gefordert wurden. In den USA gewann die behavioristische Schule allmählich an Boden, die ihre Studien auf die Beobachtung des menschlichen und tierischen Verhaltens aufbaute. In Europa war unterdessen die Gestaltpsychologie auf dem Vormarsch, die eine phänomenologische Interpretation der Ergebnisse anstrebte.

Wolfgang Köhler war neben Max Wertheimer und Kurt Koffka einer der Hauptvertreter der Gestaltpsychologie. Obwohl er nicht der prominenteste dieses Triumvirats war, trug er doch wertvolle Elemente zur Förderung der neuen Schule bei.

Es wäre interessant, sich zu fragen, wie oft wesentliche Fortschritte in der Wissenschaft möglich wurden, weil die Grenzen von Spezialdisziplinen nicht beachtet wurden… Grenzüberschreitung ist eine der erfolgreichsten Techniken in der Wissenschaft.”

Wolfgang Köhler

Wolfgang Köhler in seinen Anfängen

Köhler wurde am 21. Januar 1887 in Reval (Estland) geboren. Er hatte einen Bruder und mehrere Schwestern. Sein Vater war Lehrer und förderte die Liebe zu Wissen und Kunst. Als Wolfgang erst 6 Jahre alt war, zog seine Familie nach Deutschland, wo der zukünftige Forscher den größten Teil seines Lebens verbringen sollte.

Universität in der Wolfgang Köhler studierte

Wolfgang Köhlers Universitätsausbildung war einzigartig. Er studierte an den Universitäten in Tübingen, Bonn und Berlin. Während seiner Zeit an der Hochschule kam er mit verschiedenen Disziplinen in Kontakt. Besonders beeindruckt war er von Biologie, Physik und Psychologie. 1909 promovierte er an der Universität Berlin in Psychologie.

Nach seinem Abschluss begann er am Frankfurter Psychologischen Institut zu arbeiten. Er war zunächst Assistent und wurde später Professor. Dort lernte er Max Wertheimer und Kurt Koffka kennen.

1929 veröffentlichte er das erste große systematische Werk zur Gestaltpsychologie: “Gestaltpsychologie”. Eine überarbeitete Ausgabe des Werks wurde 1947 unter dem Titel “Gestaltpsychologie: eine Einführung in neue Konzepte der modernen Psychologie” veröffentlicht.

Aus der Arbeit der drei wurde die Gestalt-Schule. Im Jahr 1912 heiratete er die Künstlerin Thekla Achenbach. Ein Jahr später wurde er zum Direktor der Anthropoidenstation der Preußischen Akademie der Wissenschaften auf Teneriffa. Sein ganzes Leben sollte sich ändern.

Wolfgang Köhler und seine Beobachtungen an Affen

Die Beobachtung von Schimpansen auf Teneriffa

Wolfgang Köhler war der erste, der Schimpansen als Grundlage für eine psychologische Studie verwendete. Bisher wurde nur mit Hunden und Katzen in Bezug auf die Konditionierung experimentiert. Ausgehend von der Annahme, dass Affen mit dem Menschen verwandt sind, war eines von Köhlers Hauptzielen, herauszufinden, inwieweit sie dem Menschen in Bezug auf das Lernen ähneln und inwieweit sie sich von ihm unterscheiden.

Aus seinen Forschungen entwickelte Köhler das Konzept “Lernen durch Einsicht”, das heißt das Lernen durch das Erkennen und Verstehen der Ursache-Wirkung-Zusammenhänge. Er stellte dieses Konzept in seinem Werk “The Mentality of Apes” vor, das 1925 veröffentlicht wurde. Darin beschreibt er einige der Experimente, die er auf Teneriffa durchgeführt hatte.

In seinen Studien erhielten die Affen keine Nahrung in Sichtweite, doch sie bekamen Werkzeuge, um an die Nahrung zu gelangen. Der Forscher fand heraus, dass die Affen das Problem lösen konnten, aber sie taten dies nicht auf lineare Art und Weise. Mit anderen Worten, es gab abrupte Sprünge in ihren Überlegungen und Leistungen.

Köhlers letzte Jahre

Während seines Aufenthalts auf Teneriffa brach der Erste Weltkrieg aus. Es gab viele Spekulationen, die Köhler mit Spionage für die Briten in Verbindung brachten. Deshalb wurde er 1920 von seiner Arbeit auf der Insel abgezogen und kehrte nach Berlin zurück. Zu dieser Zeit wuchs sein Ruhm und er wurde zunehmend von akademischen Zentren in der ganzen Welt umworben.

Wolfgang Köhler sprach sich öffentlich gegen den Nationalsozialismus aus. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, musste er aus Angst um sein Leben in die Vereinigten Staaten auswandern. Dort war er als Lehrer an renommierten Universitäten wie Princeton und Dartmouth tätig. Im Jahr 1956 wurde er zum Präsidenten der APA (American Psychological Association) ernannt.

Trotz seines Ruhestands nahm Köhler weiterhin an Konferenzen und Symposien teil. Ein paar Jahre später wurde er zum Ehrenbürger von Berlin ernannt.

Das Vermächtnis von Wolfgang Köhler

Köhler starb 1967 in New Hampshire. Sein Konzept “Lernen durch Einsicht” ist in der Psychologie noch immer lebendig und aktuell. Seine bekanntesten Werke sind “Tests of Intelligence in Anthropoids” (1917), “Dynamics in Psychology” (1940), “The Psychology of Form” (1947) und “Dynamic Connections in Psychology” (1959).

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  • Köhler, W., & Crespo, J. C. G. (1989). Experimentos sobre la Inteligencia de los Chimpancés: con un apéndice sobre la Psicología del Chimpancé. Debate.