Wissen, wie man sich verabschiedet: die Konversation vor dem Tod

· 18. April 2016

„Niemand ist so jung, dass er nicht heute sterben könnte.“

Francesco Petrarca

Eine unumgängliche Stufe des Lebens eines jeden Wesens ist der TodAuch wenn wir uns dessen durchaus bewusst sind, leben wir Menschen dennoch in einer Seifenblase. Wir sind davon überzeugt, dass wir auf unbestimmte Zeit auf dieser Welt bleiben werden.

Die Realität ist aber nicht immer so, wie wir es erwarten. Manchmal ist das Leben nicht sonderlich kooperativ. Es kann passieren, dass unser Partner uns verlässt, oder unser Körper erkrankt. Vielleicht nimmt uns ein Unfall sogar unseren besten Freund.

Von allen Situationen, die das Leben zu bieten hat, ist die komplizierteste wohl die, in der sich das Leben eines uns nahestehenden Menschen dem Ende zuneigt. Am wenigsten interessant ist hierbei der Grund, weshalb es so ist.

Man erfährt allein durch die Vorstellung, dem Tod ohne Ausweg ins Auge sehen zu müssen, einen wahren Schock.

Wie bereitet man sich darauf vor, sich zu verabschieden?

Bewahre dir die guten Erinnerungen für die schlechten Momente und höre zu… Lebe dein Leben und sage, was du fühlst, fühle, was es dir wert ist, zu fühlen, träume, was du träumen willst, und wisse, dass dir das bleibt, was du hast.

In unserer heutigen Gesellschaft nehmen wir uns wenig Zeit für uns selbst. Vielleicht ist darum Meditation so beliebt. Im tiefsten Inneren wünschen wir uns eine Zeit ohne Unterbrechungen.

Wenn du damit konfrontiert wirst, dich von einem geliebten Menschen verabschieden zu müssen, musst du dir Zeit für dich nehmen. Unterbinde jegliche Störung und konzentriere dich auf dich selbst. Gib dir selbst Zeit, Trauer, Wut und Frustration zu empfinden.

Gehe jeden nötigen Schritt und akzeptiere am Ende, dass diese Person nicht mehr bei dir sein wird. Was fühlst du? Was musst du dieser Person noch sagen? Musst du ihr wirklich all das sagen, was du denkst?

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Lass dich nicht davon beirren, dass es ein Moment voller Schmerz sein wird. Aber er wird dir auch die Möglichkeit geben, so manche Umstände zu ändern.

Es ist wichtig, zu weinen, sich zu ärgern und die Veränderung zu akzeptieren, die sich nähert. Du solltest dich der anderen Person erst dann präsentieren, wenn du die Situation gut durchdacht hast.

Es ist möglich, dass die Person, die kurz vor ihrem Tode steht, mehr sprechen muss, als sie zuhören kann. Gib ihr Zeit, erlaube ihr, das zu sagen, was sie sagen muss und zeige ihr, dass du sie begleitest. Es ist empfehlenswert, ihr nur dann Hoffnungen zu machen, wenn die Realität es auch erlaubt.

Vielleicht möchtest du, dass die Person sich etwas ruhiger fühlt, aber du solltest sie nicht anlügen. Es ist nicht gut, falsche Erwartungen von möglichen Wunderbehandlungen zu kreieren. Sollte es tatsächlich Möglichkeiten geben, sollten diese nicht übertrieben dargestellt werden.

Hilf der anderen Person, ihren Zustand zu akzeptieren

„Nach allem ist der Tod nur ein Anzeichen dafür, dass es ein Leben gab.“

Mario Benedetti
Ein sehr wichtiger Teil dieser schwierigen Konversation ist es, uns zu vergewissern, dass die andere Person ihren Zustand versteht. Die folgenden Fragen können hierbei helfen:
  • Verstehst du deine Diagnose?
  • Welches sind die wesentlichen Sorgen, die du hast?
  • Möchtest du einige Änderungen oder Arrangements vornehmen?
  • Wie möchtest du deine Zeit ab jetzt verbringen?
  • Wer soll, wenn nötig, Entscheidungen für dich treffen?
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Diese Konversation ist in keiner Weise einfach, aber es ist sehr wichtig, der sterbenden Person zuzuhören. Indem wir sie wissen lassen, dass uns ihre Meinung wichtig ist, geben wir ihr Macht über ihr Leben und das ist etwas, das niemand aufgeben müssen sollte.

Wenn du nicht in der Situation bist, dabei helfen zu können, den Prozess etwas erträglicher zu machen, beschränke dich darauf, einfach da zu sein. In diesen Fällen ist die Begleitung von geliebten Menschen sehr wichtig.

Die Wichtigkeit dieser Konversation

„Der Tod nimmt uns nicht unsere geliebten Menschen. Im Gegenteil, er passt für uns auf sie auf und macht sie in unseren Erinnerungen unsterblich. Das Leben dagegen nimmt sie uns oftmals und auch für immer.“

François Mauriac

Die meisten von uns wollen diese Konversation gern verschieben. Wir versuchen, uns davon zu überzeugen, noch Zeit zu haben. Aber so ist es nicht immer.

Die Dinge können sehr schnell passieren. Es ist passiert oft, dass diejenigen, die dieses Gespräch vermeiden, sich schlecht oder schuldig fühlen, da sie nicht mehr sagen konnten, was sie eigentlich sagen wollten.

Wenn du Angst hast, über dieses Thema zu sprechen, beginne erst mal damit, dir das anzuhören, was die andere Person zu sagen hat. Dir wird dann Stück für Stück klarer, ob du noch etwas mitteilen möchtest oder nicht.

Einige dieser Gespräche dauern nur wenige Minuten, andere wiederum nehmen Stunden in Anspruch. Mach dir keine Sorgen, du wirst nicht dazu gezwungen, etwas zu sagen, oder zu tun, was du nicht willst.

Es ist immer besser, uns rechtzeitig zu verabschieden, damit die Zeit nicht gegen uns gewinnt.