Tief in unserer Seele liegen Erinnerungen verborgen

4. März 2016 en Emotionen 207 Geteilt

Es gibt Erinnerungen, die uns im Gedächtnis bleiben und die hier und da wie kleine Schätze wieder an die Oberfläche kommen, wenn wir in unserer Wohnung nach etwas suchen und dabei auf bestimmte Gegenstände treffen. Diese Erinnerungen können an einem Blatt Papier hängen, an einer Schatulle oder an einem Winkel irgendwo im Haus, wenn wir ein Foto finden, auf dem wir noch so jung waren, oder den nun vergilbten Brief einer alten Liebe. Wenn die alten Erinnerungen aus unserer Jugend wieder hochkommen – Dinge, die schon längst vergangen und vergessen waren, die aber irgendwo, in einem verborgenen Winkel unserer Erinnerung geschlummert haben – diese Momente sind bittersüß.

„Große Fehler hinterlassen große Erinnerungen.”

Danns Vega

Ich hoffe, du findest Erinnerungen genau so toll, wie ich – diese Erinnerungen in jedem von uns, die von Zeit zu Zeit wieder auftauchen und die uns zum Lachen oder zum Weinen bringen.

Diese Rose, die wir getrocknet in einem Buch aufbewahrt haben, erinnert uns an eine schon längst vergangene Zeit, als wir zum ersten Mal und ganz unschuldig verliebt waren; das Kochbuch unserer Großmutter, die sich damit für uns so viel Mühe gegeben hat; dieses Tagebuch, das wir schon längst vergessen hatten und das in uns nun viele vergangene Erinnerungen wieder hochholt – gute und schlechte.

Ich kann mich daran erinnern, wie wir eines Tages das alte Tagebuch meines Großvaters gefunden haben. Er hatte es mit solchem Eifer geschrieben, dass er es nicht zu Ende bringen konnte. Und so spielt das Leben. Ich habe meinen Großvater nie kennengelernt. Und so markierten diese Worte für mich einen Anfang und ein Ende.

Als ich begann, laut aus seinen Niederschriften vorzulesen, fand ich mich dort ganz still sitzend wieder, ganz in den Moment eingetaucht, wie in einem Film. Ich war ganz überwältigt von all den Gefühlen und fühlte mich, als hätte ich eine Zeitreise unternommen. Auf meine ganz eigene Art bin ich so meinem Großvater begegnet, jenem alten Mann, der zurücksah auf seine Kindheit und auf all die Geschichten und der von den Abenteuern erzählte, die er als kleiner Junge erlebt hatte – genau so, wie ich dieselben Geschichten schon viele Male von seiner Geliebten Gefährtin, meiner Großmutter, gehört hatte.

In jenem Augenblick waren die Worte meines Großvaters so kraftvoll, dass ich mich ihm ganz nahe fühlte, obwohl ich ihn niemals kennengelernt hatte. In jenem Moment schienen seine Worte den Willen zu haben, dass seine jüngste Enkelin, die nie die Chance hatte, ihm persönlich zu begegnen, ihn doch auf diese Weise kennenlernen würde.

Seine Geschichten waren so schön, dass ich darüber die Zeit ganz vergaß und einfach immer weiterlas. Von seinen Streichen in der Schule bis zu seinen Beziehungen zu den ihm nahestehenden Menschen… bis seine Worte für immer verstummten

An diesem Tag erfuhren wir einmal mehr, dass er viel zu früh von uns gegangen war und obwohl wir niemals mehr die Möglichkeit haben würden, auf seinem Schoß zu sitzen und die Geschichten aus seinem Mund zu hören, schienen seine Worte uns an jenem unvergesslichen Nachmittag doch erreicht zu haben… an jenem Nachmittag der Erinnerungen.

Man mag denken, dass jene Erinnerungen im Sand der Zeit und irgendwo im Verborgenen verloren gegangen waren. Aber am Ende sind sie doch wieder aufgetaucht.

Es sind die kleinen Dinge, die uns dazu bringen, uns in eine Ecke zu verkriechen,
mit einer Rose, einem Blatt Papier oder einem kleinen Kästchen.
So wie ein Dieb hinter der Tür hervorlugt
haben sie dich ergriffen
und wie ein gefallenes Blatt,
das vom Wind bald hierhin bald dorthin getragen wird,
lächeln sie dich traurig an
und bringen dich zum Weinen,
wenn gerade niemand hinsieht.

Joan Manuel Serrat

Hast du auch schon einmal die erstaunliche Kraft der Erinnerungen erlebt, die dich zum Weinen bringt, wenn gerade niemand hinsieht?

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