Wie wichtig es doch ist, jemanden an seiner Seite zu haben, wenn sich die Einsamkeit nähert

· 15. September 2017

Wie wichtig es doch ist, jemanden an seiner Seite zu haben, wenn alles zusammenbricht. Einen starken Arm, ein starkes Handgelenk, starke Finger und eine unempfindliche Haut, wenn das Gewicht unsere Wirbelsäule verbiegt. Es sind diese Momente, in denen wir dazu bereit wären, wegen einer Misere einen Pakt mit dem Teufel zu schließen.

Wir fühlen uns dann wie einfache sterbliche Wesen, so sterblich wie noch nie zuvor. Es geht nicht darum, dass uns jemand an die Oberfläche holt, sondern einfach nur unseren Fall abfängt. Dass dieser jemand an einem Nachmittag bei uns vorbeikommt, Zeit im Rucksack mitbringt und sagt: „Ich bin ganz und gar für dich da, mit all meinen Sinnen: mein Tastsinn, um dich zu umarmen; mein Hörsinn, um dir zuzuhören; meine Zähne, um Negatives zu zerbeißen; meine Seele, um dich zu streicheln; meine Hoffnung, um deine Hoffnungslosigkeit zu vertreiben. So als wäre ich ein Gips, auf die das Leben bunte Bilder gemalt hat.“

Drei Arten der Einsamkeit, die sich niemand wünscht

Es gibt drei Arten der Einsamkeit, die sich niemand wünscht. Die erste haben wir alle schon einmal gespürt. Es ist diese Einsamkeit, die sich breitmacht, wenn wir von vielen Menschen umgeben sind und dennoch das Gefühl haben, mit keinem von ihnen verbunden zu sein. So wie wir auch keine Verbindung zur Luft haben, die unser Haar verwüstet, oder zur Sonne, wegen der wir unsere Augen zusammenkneifen, was eine so unauffällige wie unterbewusste schützende Geste ist.

Dieser Tumult, der uns wie ein Zahlenmeer aus Menschen erscheint und wir sind die Primzahl.

Dieser Art der Einsamkeit werden wir uns häufig erst bewusst, wenn all diese Menschen verschwinden und nur die für uns wichtigen bleiben. Wenn die Party zu Ende ist und es darum geht, wer zum Aufräumen bleibt: Gläser wegräumen, die letzten Essensreste vernichten und Flaschen aufsammeln, in denen die Getränke schon ihren Geschmack verloren haben. Wenn die Musik ausgemacht wurde und uns auffällt, dass wir die bedeutungslose und leere Geräuschkulisse überhaupt nicht vermissen.

Die Einsamkeit des Ersten, des Letzten und die frei gewählte

Es gibt eine zweite Art der Einsamkeit, die von denjenigen verspürt wird, die als erste oder letzte gehen. Menschen, die an einem langwierigen und komplexen Projekt arbeiten, das manchmal nur durch den Glauben an es gestützt wird. Diese Einsamkeit macht uns größer, stärker und stellt uns auf die Probe. Es geht darum, etwas zu tun, von dem wir im Nachhinein kaum sagen können, wie wir dazu in der Lage waren, es in die Tat umzusetzen. Ein Mysterium, das Teil der oftmals verblüffenden Eigenart des Lebens ist.

Diese Einsamkeit hat im positiven Sinne einen süßen Nachgeschmack. Dieser Geschmack, dieses Gefühl eines Neuanfangs. Ein Lob an die anderen, aber vor allem an dich, der du so hart gearbeitet hast, der so hart arbeitet – ehrenwerte Mühen.

Wir sollten das Stickeralbum unserer Eigenliebe vervollständigen. Diese Ereignisse, die wir als letzte bezeugen können und die diese unsichtbaren Wurzeln für andere bilden, die uns an das Leben anketten. Dieses Gefühl ist so einzigartig, dass wir nicht umhinkommen, zu denken, dass das niemand verstehen könne, einfach weil das niemand erlebt hat, weil niemand da war.

Die schlimmste Einsamkeit

Die letzte Art der Einsamkeit ist die schlimmste. In dieser Einsamkeit schauen wir uns um und sehen niemanden. Wir würden gern glauben, dass das nur ein Versteckspiel ist und wir uns sicher sein können, dass wir wieder an die Oberfläche kommen könnten, wie das der Fall war, wenn wir als Kinder unter Wasser die Luft angehalten hatten. Wir haben die Luft so lange angehalten, bis wir nicht mehr konnten, aber jetzt brennt uns nicht nur unsere Lunge und wir fragen uns, ob wir tatsächlich wieder an die Oberfläche zurückkommen wollen. Was uns unter Wasser hält, ist das Gefühl, dass da niemand ist, der einen vermisst.

Wir können unsere Augen öffnen, aber sehen kein Licht. Nur Schatten, der vor unseren Augen immer kleiner wird. Wir haben das Gefühl, dass wir uns immer weiter entfernen und wir schreien in einer Sprache, die für andere scheinbar nicht verständlich ist. Wir beginnen, zu glauben, dass man uns schon schwierig verstanden hat, als wir anderen noch nahe waren, und jetzt, wo wir weit weg sind, scheint die Verständigung unmöglich.

Wir ballen die Fäuste, damit das Wasser nicht durch unsere Finger rinnt, aus Angst, es würde sonst grausame Realität werden. Und manchmal erreicht uns ganz plötzlich diese starke Hand, die uns nach oben zieht, und stellt unseren Glauben wieder her. Wir schämen uns, weil wir diesen Menschen verloren und weil wir die Distanz zu ihm überschätzt haben. Doch hierbei ist Vorsicht geboten, denn es gibt nur wenige Gefühle die schöner sind als das Gefühl, jemandem wirklich wichtig zu sein. Wichtig genug, um das Drehbuch zu ändern.

Ein guter Mensch zu sein, bedeutet nicht, naiv zu sein

Ein guter Mensch zu sein, bedeutet auf keinen Fall, naiv zu sein… >>> Mehr