Wie verändern sich Männer, wenn sie Vater werden?

· 8. Januar 2016

Normalerweise erfahren wir von Studien, die erforschen, wie Frauen von der Mutterschaft beeinflusst werden, während Männer bei solchen Untersuchungen im Hintergrund bleiben. Vor einigen Jahrzehnten war das vielleicht verständlich, aber heutzutage hat es keinen Sinn, diesen Teil der Forschung wegen Informationsmangel zu verbannen.

Deshalb haben Forscher der Universitäten von Yale und Denver (Connecticut und Colorado, USA) eine interessante Studie durchgeführt, deren Ergebnisse zeigen, wie das Gehirn der Männer sich verändert, sobald das erste Kind geboren wird.

Dafür wurde bei einer Gruppe von 16 „Neu-Vätern“ einen Monat vor der Geburt ihres Kindes ein Hirnscan durchgeführt. Nach drei bis vier Monaten wurde der Scan bei den jungen Vätern wiederholt, deren Durchschnittsalter bei 36 Jahren lag.

Vorherige Forschungen haben gezeigt, dass sich die neuronale Aktivität bei den Vätern erhöhte, wenn sie ihre Kinder vor sich hatten. Dies liegt daran, dass sie in diesem Moment die Verantwortung für alles, was mit ihnen geschieht, übernehmen müssen. Die Verantwortung, ein Baby aufzuziehen, versetzt das Gehirn in einem Alarm-Zustand.

Wenn ein Mann oder eine Frau Eltern werden, beginnen ihre Gehirne, aufmerksamer zu sein, egal wo wie sich befinden. Im Falle der Mutter ist es verständlicher, weil das Baby in den ersten Wochen an ihrer Seite ist und sie sich darum kümmert, es zu ernähren, ihm die Windeln zu wechseln, ihm zu helfen. Aber im Falle der Väter ist es nicht so offensichtlich, vor allem, weil die große Mehrheit von ihnen ein paar Tage nach der Geburt ihres Kindes zu ihrer Arbeit zurückkehren müssen.

Vater2

Die Bedeutung dieser neuen Untersuchungen liegt darin, dass zum ersten Mal Veränderungen in der Hirnstruktur der Väter gefunden wurden, wenn sie nicht in der Nähe ihres Nachwuchses sind.

Mit dem zweiten Scan konnte bewiesen werden, dass sich das Volumen der grauen Materie im Vergleich zum ersten Scan (einen Monat vor der Geburt des Kindes) vergrößert hat. Die Regionen, die sich ausgeweitet haben, sind für diverse Funktionen zuständig: Belohnung, hormonelle Kontrolle, der emotionale Vorgang, Erinnerung und Entscheidungsfindung.

Durch die Studie wurde allerdings wohl auch herausgefunden, dass die Probanden eine Verkleinerung gewisser Hirnregionen erfahren haben. Die Regionen, die sich verringert haben, sind solche, die aktiviert werden, wenn man sich von der Außenwelt loslöst. Das bedeutet, dass die Fähigkeit zur Aufmerksamkeit erhöht wird, wenn der Vater Verantwortung übernimmt.

Andere Zonen, in denen die graue Materie abnahm, waren solche, die mit der Angst in Verbindung stehen. In den letzten Tagen der Schwangerschaft erfahren Männer wie Frauen eine große „Beschleunigung“ angesichts des bevorstehenden Ereignisses. Diese scheint sich jedoch zu legen, wenn das Kind geboren wird, und beide beruhigen sich. Sicher ist, dass danach andere Fragen wie die der Unsicherheit und der Beschäftigung auftreten, doch das ist ein anders Thema.

Warum kommt es zu diesen Veränderungen?

Wir verweisen lediglich darauf, was die wissenschaftlichen Studien uns zeigen oder vom soziologischen Standpunkt aus analysieren. Es stimmt, dass die Männer heutzutage mehr in die Erziehung der Kinder eingebunden sind und diese Tatsache kann zum Beispiel eine mögliche Verbindung zu der Veränderung des Gehirns haben.

Im Gegensatz zu dem, was in den vorherigen Generationen passiert ist, kümmern sich die Männer von heute mehr um die Babys: Sie wickeln sie, füttern sie, bringen sie ins Bett, nehmen sie mit in den Park, begleiten sie zum Kinderarzt, bleiben bei ihnen, wenn die Mutter einkaufen geht. So etwas gab es vor 20 oder 30 Jahren noch nicht.

Dies hat dafür gesorgt, dass auch ein Vater zum Beispiel an einer postnatalen Depression leiden kann. Dies ist eine Störung, die man nur bei Frauen zu erkennen glaubte, aber beide Elternteile können daran erkranken.

Der Grund für dieses Gefühl ist momentan noch nicht erklärbar, da man ja davon ausgeht, dass die Vergrößerung gewisser Hirnregionen die Depression und die Angst verringert. Wie wir allerdings bereits wissen, ist das Gehirn immer für eine Überraschung gut.

Wir müssen anerkennen, dass der Fortschritt dieser Generation hinsichtlich elterlicher Fragen enorm ist; und dass die Väter, auch wenn sie ihren Nachwuchs nicht neun Monate in sich tragen, die Wichtigkeit des Schutzes, der Liebe und der Zuneigung eines Vaters kennen. Denn wir alle waren einmal Kinder, bevor wir Eltern geworden sind.