Wie hängen das Selbstwertgefühl und Depressionen zusammen?

· 12. April 2019

Heute wissen wir, dass unser Selbstwertgefühl und Depressionen sehr eng miteinander verbunden sind. Obwohl eine Depression durch mehrere Faktoren verursacht werden kann, zeigen klinische Studien, dass ein geringes Selbstwertgefühl den Menschen anfälliger für diesen Zustand macht. Dies liegt unter anderem daran, dass das Nicht-Akzeptieren seiner selbst ihn emotional schwächt.

Zum Selbstwertgefühl gehören all jene Gedanken und Gefühle, die aus dem Konzept entstehen, das wir von uns selbst haben. Während dieses Konzept alle Ideen und Überzeugungen umfasst, die das geistige Bild von dem, was wir sind, definieren, ist das Selbstwertgefühl zudem ein grundlegendes Element des Wohlbefindens einer Person. Ein geringes Selbstwertgefühl führt dazu, dass wir uns schlecht fühlen. Es unterbricht unser Wachstum, macht uns nieder und anfällig für die Entwicklung bestimmter psychischer Störungen. Aus diesem Grund berücksichtigen Psychologen und Psychiater diese psychologische Dimension, um Depressionen zu erkennen.

Im Diagnostischen und statistischen Leitfaden psychischer Störungen in der 5. Edition (DSM-5) ist das geringe Selbstwertgefühl allerdings nicht in den Diagnosekriterien für eine Depression enthalten. Es gibt aber andere und sehr ähnliche Kriterien wie zum Beispiel das Gefühl der „Wertlosigkeit“.

Forscher auf dem Gebiet der Persönlichkeitspsychologie haben schon immer Interesse an der Beziehung zwischen Selbstwertgefühl und Depressionen gezeigt. Ihre Studien basieren im Wesentlichen auf einer wichtigen Frage: Ist das Selbstwertgefühl ein Faktor, der Depressionen fördert? Oder wirkt sich im Gegenteil eine Depression auf das Selbstwertgefühl aus? In diesem Beitrag wollen wir näher darauf eingehen.

Ein trauriges Mädchen löst sich auf.

Zwei Modelle, die erklären, wie Selbstwertgefühl und Depressionen zusammenhängen

Oft wachen wir auf, gehen duschen, frühstücken und verlassen das Haus, ohne zu bemerken, dass wir eigentlich nackt und schutzlos sind. Dies liegt daran, dass es egal ist, wie gut wir uns auch anziehen oder wie geschätzt die Marke unserer Jeans und unseres Hemdes ist, wenn wir der Welt jeden Tag mit einem niedrigen Selbstwertgefühl gegenüberstehen. Denn die Risse im Selbstwertgefühl machen es zu einem schwachen emotionalen Schutzschild, und so kann uns alles erreichen: Unsicherheit, Angst, Negativität usw.

Es ist klar, dass Depressionen einen sehr diffusen und multifaktoriellen Ursprung haben. Sie haben zudem endogene Ursachen, die wir nicht immer kontrollieren können. Dennoch kann niemand bestreiten, dass ein geringes Selbstwertgefühl dazu führt, dass man sich schon mit einfachen Problemen nicht mehr auseinandersetzen kann. In der Tat sieht eine Person mit niedrigem Selbstwertgefühl die Welt normalerweise durch eine sehr düstere Brille.

Eine Verbindung zwischen Selbstwertgefühl und Depressionen lässt sich nur durch Querschnittstudien nachweisen. Die Universität Basel (Schweiz) hat einen sehr informativen Artikel veröffentlicht, der unsere Fragen beantworten soll.

Ein Mann mit einer dunklen Wolke über dem Kopf

Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell

Nach dem Vulnerabilitäts-Stress-Modell gebe es Menschen mit einem Persönlichkeitsprofil, welches durch ein konstant geringes Selbstwertgefühl gekennzeichnet sei. Dieses psychologische Muster lasse die Person Lebensereignisse negativ sehen. Darüber hinaus fehle dem Menschen auch eine gewisse Belastbarkeit.

  • Diese Personen sehen sich oft mit einer Realität konfrontiert, gegen die sie sich glauben wehren zu müssen. Sie trauen dieser Realität nicht. Darin sind sie das Opfer oder wenigstens ein „Nebendarsteller“, anstelle der Protagonist ihrer eigenen Geschichte zu sein. Sie wissen nicht, dass sie Möglichkeiten und positive Veränderungen verdienen und brauchen, um negative Situationen zu überwinden.
  • Die Forscher stellten fest, dass in vielen Fällen Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl nicht versuchen, ihr negatives Selbstverständnis zu korrigieren. Stattdessen tendieren sie dazu, ihr negatives Selbstbild zu bestätigen, indem sie den negativen Kommentaren der Menschen in ihrer Umgebung mehr Aufmerksamkeit schenken als den Wertschätzungen, die sie erreichen.

Das Narbenmodell

Dies ist das Gegenteil des Vulnerabilitäts-Stress-Modells. Laut der Studie, die wir zuvor erwähnt haben, ist eine Depression oft die Ursache für ein geringes Selbstwertgefühl. Alle diese verzweifelten, negativen und erschöpfenden Gefühle, welche den depressiven Geist umkreisen, wirken sich direkt auf das Selbstwertgefühl aus.

Fazit

Welches dieser beiden Modelle ist also richtig? Ist es das Vulnerabilitäts-Stress-Modell oder das Narbenmodell? Die American Psychological Association glaubt, die Antwort zu kennen: Ein schwaches Selbstwertgefühl ist ein weiterer Risikofaktor für die Entwicklung psychischer Störungen, darunter eben auch für Depressionen.

In der Tat behaupteten die Autoren der Studie, dass Selbstwertgefühl und Depressionen so eng miteinander verbunden seien, dass die Entwicklung adäquater Präventionsstrategien für Jugendliche Priorität haben sollte. Dieses Vorhaben ist auch dadurch motiviert, dass Jahr für Jahr immer mehr Teenager mit Depressionen diagnostiziert werden.

Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell ist daher jenes, von dem wir alle am meisten wissen sollten. In gewisser Weise passt es auch zu Becks kognitiver Triade über Menschen mit einem höheren Risiko, an Depressionen zu erkranken. Seine Theorie besagt, dass diese Menschen eine negative Perspektive auf die Welt haben, der Zukunft nicht trauen und sich wertlos fühlen.

Mann, der durch Wasser gehen muss, um das Licht zu erreichen

Selbstwertgefühl und Depressionen haben eine starke Beziehung zueinander, die wir nicht übersehen sollten. Daher müssen wir den zierlichen Garten unseres Selbstwertgefühls in jeder Hinsicht stark, hell und schön halten.