Psychologische Inflexibilität und Depression: Worin besteht der Zusammenhang?

28. Februar 2019

Die psychologische Inflexibilität erschwert das normale Funktionieren im Alltag und die Anpassung an neue Situationen. Sie ist auch einer der Faktoren im Leben des Menschen, die Leiden verursachen oder verstärken können. Die psychologische Inflexibilität wird durch sechs Prozesse definiert, die im Gegensatz zur psychologischen Flexibilität stehen. Dabei handelt es sich um unflexible Aufmerksamkeit, das Brechen der eigenen Werte, Inaktivität oder Impulsivität, Identifikation mit einem konzeptuellen Selbst, kognitive Fusion und erfahrungsmäßige Vermeidung.

Die Rational-Emotive Verhaltenstherapie von Albert Ellis besagt, dass Menschen aufgrund ihrer irrationalen Interpretationen der Ereignisse, die ihnen widerfahren, depressiv würden. Das individuelle Glaubenssystem einer Person sei demnach ein sehr wichtiger Faktor, um emotionale Störungen zu erklären. Daher ist es auch der zentrale Punkt unserer heute vorgestellten Therapie.

Eine irrationale Interpretation von Geschehnissen, gepaart mit dem Wunsch, das eigene Werte- und Glaubenssystem nicht infrage zu stellen oder zu ändern, hält Depressionen aufrecht. Aaron Becks kognitives Modell der Depression schlägt vor, dass depressive Denkmuster den Symptomen der Depression weichen. Dies geschehe, wenn die Häufigkeit automatischer negativer Gedanken als Reaktion auf Lebensereignisse zunehme. Psychologische Inflexibilität sowie derartige Gedanken spielen eine Schlüsselrolle in der Beziehung zwischen depressivem Denken und den Symptomen einer Depression.

Imperative, unflexible, überwältigende und übermäßig selbstkritische Überzeugungen sind mit Mustern verknüpft, die emotionale Störungen verursachen. Diese Muster können sich in Handlungen, Emotionen oder übertriebenen oder dogmatischen Interpretationen von Ereignissen des Lebens manifestieren. Folglich können sie sich auch in Stimmungsschwankungen verwandeln.

„Kompromisslos erklärte Wahrheit wird immer scharfe Kanten haben.“

Herman Melville

Eine Frau hält eine Wolke in ihren Händen.

Psychologische Inflexibilität und die Behandlung von Depressionen

Experten konnten psychologische Inflexibilität mit verschiedenen Parametern von psychischen Problemen oder chronischen Erkrankungen verknüpfen. Einige Autoren verstehen sie auch als eine wichtige psychotherapeutische Zielstruktur. Trotzdem schenken viele Therapeuten der mentalen Flexibilität nur wenig Aufmerksamkeit.

Wenn wir zum ersten Mal einen unflexiblen Menschen treffen, scheint dieser zunächst ein Gefühl von Überzeugungskraft und Durchsetzungsvermögen zu vermitteln. Wenn wir jedoch tiefer graben und die Dinge objektiv betrachten, können wir bald feststellen, dass er eigentlich nur versucht, seine eigene Unsicherheit zu verbergen. Er fühlt sich wohl dabei, in verschiedenen Situationen immer wieder dieselben Dinge zu tun, zu denken und zu verteidigen. Das ist seine Komfortzone. Wenn man ihn aus dieser Zone zwingt, wird er sich aber wehrlos fühlen, was schließlich zu Angst und von Angst geleitetem Verhalten führen kann.

In bestimmten Situationen müssen Menschen auch mal unflexibel sein. Flexibilität ist jedoch der geeignetste Weg, um mit einer Vielzahl von Situationen und Konflikten umzugehen. Und wenn du dich oder einen anderen Menschen motivieren möchtest, an diesem Punkt zu arbeiten, solltest du die zahlreichen Vorteile mentaler Flexibilität in Betracht ziehen – und die Nachteile der geistigen Starrheit.

Das am meisten störende Merkmal der psychologischen Inflexibilität ist die Unfähigkeit, Alltagsroutinen und mentale Gewohnheiten an neue Gegebenheiten anzupassen. In manchen Fällen führt das zur Depression. Weiterhin ist Inflexibilität äußerst kontraproduktiv, wenn es darum geht, Depressionen zu überwinden. Sie verschlechtert den Zustand und macht es noch schwierig, darüber hinwegzukommen.

„Glück ist ein Schmetterling, der, wenn du ihn verfolgst, immer außerhalb deiner Reichweite bleibt, der sich aber, wenn du dich ruhig hinsetzt, auf deiner Hand niederlässt.“

Nathaniel Hawthorne

Ein Mann ist an eine Wand gelehnt und leidet unter psychologischer Inflexibilität

Psychologische Flexibilität für ein besseres Leben

Wie du die Welt und deine Umgebung siehst, prägt auch dein Wohlbefinden. Dein Engagement und deine Einstellung gegenüber dir selbst und anderen sind ebenfalls davon betroffen. Aus diesem Grund hat eine Person mit einem flexiblen Geist viele Vorteile.

Flexible Menschen hören nie auf, zu lernen, zu wachsen und sich mit anderen zu verbinden. Sie sind in der Lage, Frustration zu ertragen, haben keine Angst vor Veränderungen und im Allgemeinen ein niedrigeres Stresslevel.

Psychologische Flexibilität ist wie ein mit unterschiedlichsten Steinen gefüllter Baukasten für ein Leben, das durch angemessenes Verhalten, Denken und Emotionen strukturiert wird. Dich an unterschiedliche Situationen anzupassen und dich entsprechend deiner Werte zu verhalten, macht dich so flexibel wie Wasser. Das heißt, du wirst zu jemandem, der aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit jedes Hindernis überwinden kann.

„Ich denke, es ist verlockend, alles wie einen Nagel zu behandeln, wenn das einzige Werkzeug, das du besitzt, ein Hammer ist.“

Abraham Maslow

Greco, L. A., Lambert, W., & Baer, R. A. (2008). Psychological Inflexibility in Childhood and Adolescence: Development and Evaluation of the Avoidance and Fusion Questionnaire for Youth. Psychological Assessment. https://doi.org/10.3760/cma.j.issn.0366-6999.2009.24.007