Albert Ellis und die Rational-Emotive Verhaltenstherapie

· 31. August 2018

REBT (englisch) bzw. REVT (deutsch) steht für Rational-Emotive Verhaltenstherapie. Sie ist an den Prinzipien der kognitiven Psychologie orientiert und wurde von Albert Ellis entwickelt. Durch die Ineffizienz von Verhaltenstherapien zur Behandlung bestimmter psychologischer Störungen, begannen Wissenschaftler, die REVT anzuwenden – und die Resultate wurden besser. Folglich ist die REVT ein Beispiel für bahnbrechende Techniken, die eine vielversprechende Wirkung gegen Störungen wie Angstzustände oder Depressionen zeigten.

Diese Therapie basiert auf dem ABC-Modell der kognitiven Psychologie; ursprünglich vorgeschlagen von Albert Ellis. Es besagt, dass das Auslösen von Ereignissen (A) keine emotionalen, kognitiven oder verhaltensbezogenen Konsequenzen (C) hervorrufe. Vielmehr hängen sie letztere davon ab, wie das Ereignis wahrgenommen oder interpretiert wird (B). In Kurzform: A (Ereignisse) lösen B (Interpretationen) aus und diese wiederum provozieren C (Konsequenzen/Verhaltensweisen).

Albert Ellis lächelt.

Die psychologischen Säulen der REVT

Das finale Ziel der REVT ist die Eliminierung oder Modifizierung von C. Auf den ersten Blick kann C verändert werden, indem sowohl Ereignisse (A) als auch Interpretationen (B) modifiziert werden. Tatsächlich ist es aber so, dass bestimmte Ereignisse nicht vermieden oder verändert werden können. Daher fokussiert sich der Psychologe in dieser Form der Therapie darauf, die Interpretationen, die der Patient vornimmt, zu korrigieren. Schließlich führen diese Korrekturen zu neuen, besser angepassten Verhaltensweisen.

Der Ursprung von Störungen

Albert Ellis hat nach langer Forschung herausgefunden, dass der Mensch dazu neigt, irrationale Gedanken zu entwickeln, die die Realität extrem negativ erscheinen lassen. Er fand über 200 Gedanken oder Überzeugungen, die dieses negative Bild der Welt fördern; Überzeugungen, die zu Angststörungen oder Depressionen führen. Aktuell werden diese Annahmen in vier Kategorien eingeteilt:

  • Forderungen: „Würde mein Freund mich lieben, hätte er mir ein Geschenk gemacht.“
  • Niedrige Frustrationstoleranz: „Ich habe Angst, zur Party zu gehen, weil mich sicher jeder abweisen wird. Das ist zu viel, ich schaffe das nicht.“
  • Verschrecklichung: „Stelle ich mich morgen im Bewerbungsgespräch dumm an, wird es das Ende meiner Karriere einläuten. Ich werde sterben!“
  • Entwertung: „Ich habe mein Mittagessen anbrennen lassen. Ich bin nutzlos. Alles versaue ich.“

Die Aufrechterhaltung von Störungen

Die oben erwähnten Gedankenmuster provozieren negative emotionale oder verhaltensbezogene Konsequenzen, aber was erhält diese? Der REVT zufolge gibt es drei Arten von Erkenntnissen, die helfen, solche Störungen aufrechtzuerhalten:

  • Erkenntnis Nr. 1: Die Störung wird durch irrationale Interpretationen, getriggert durch negative Ereignisse, bestimmt. Glaubt der Patient jedoch, dass seine emotionale Unruhe durch die Ereignisse selbst anstatt durch seine Wahrnehmung derselben verursacht werde, versucht er vergeblich, die Situation zu ändern. Das tatsächliche Problem sind ja seine irrationalen Überzeugungen.
  • Erkenntnis Nr. 2: Bekräftigen Menschen kontinuierlich ihre starren und extremen Überzeugungen, widerstehen diese Gedanken der Veränderung. Dadurch hält die Störung an.
  • Erkenntnis Nr. 3: Ein Gedanke, der sich auf die Vergangenheit fokussiert, provoziert eine Stagnation der Ereignisse und der irrationalen Überzeugungen. Nur die Arbeit an Gegenwart und Zukunft erlaubt es, diesen Glauben zu ändern. Und damit auch von Beschwerden abzusehen.
Ein Puzzleteil fehlt im Kopf.

Merkmale der REVT

Wenn wir über die REVT sprechen wollen, müssen wir sie aus zwei Perspektiven betrachten. Die erste ist der therapeutische Ansatz, umfasst Strategien und Methoden. Die zweite bezieht sich auf die Beziehung, die zum Patienten aufgebaut wird, und auf die Art und Weise, wie der Therapeut mit ihm umgeht.

Die Haltung des Therapeuten soll wie folgt sein:

  • Aktiv und direkt: Es ist wichtig, dass der Therapeut eine aktive Haltung einnimmt und dem Patient Alternativen zu seinen irrationalen Überzeugungen anbietet.
  • Verbal aktiv: Es ist entscheidend, dass der Dialog auf beiden Seiten flüssig bleibt, weil die Therapie auf Diskussionen und Debatten basiert.
  • Didaktisch: Der Therapeut muss wie ein guter Lehrer auftreten, der seinen Schülern beibringt, einen Wandel in sich selbst auszulösen.
  • Veränderungen in der Lebensphilosophie des Patienten fördern: Unabdingbar ist auch, den generellen Wandel in der Art und Weise, wie der Patient denkt, und dessen Lebensphilosophie, zu unterstützen.
  • Katharsis nicht ermutigen: Auch wenn es das Unwohlsein anfänglich lindert, kann der bewusste Ausdruck von bestimmten Emotionen tiefe Überzeugungen stärken.
  • Flexibel sein: Jeder Patient ist individuell, mit einer ganz eigenen Art, zu denken. Ist der Therapeut nicht flexibel und weiß nicht, wie er sich anpassen kann, wird er auch nicht fähig sein, in seinem Patienten einen Wandel zu erreichen.

Die Therapeut-Patient-Beziehung

Die Beziehung zwischen Patient und Therapeut andererseits sollte auf folgenden Prinzipien basieren:

  • Bedingungslose Akzeptanz: Niemals sollte eine Wertung gegenüber dem Patienten, egal ob positiv oder negativ, stattfinden. Stattdessen sollte der Therapeut seinem Patienten zeigen, dass er, wie jeder andere auch, akzeptiert wird, dass er menschlich ist, Fehler machen darf, nicht nutz- oder wertlos ist. Das menschliche Wesen soll nicht anhand einer einzelnen Verhaltensweise definiert werden.
  • Empathie: Den Gedankenprozess eines Patienten zu verstehen, ist Voraussetzung dafür, den Ursprung seiner Überzeugungen zu finden. Therapeuten sollten die Lebensphilosophie jedes Patienten erkennen, um ihnen auf ihrem Weg helfen zu können.
  • Authentisch sein: Der Therapeut muss offen und erreichbar sein. Er kann sogar über das eigene Privatleben reden, wenn es angemessen erscheint und er dem Patienten so zeigen kann, dass jeder Rückschläge erleidet und Fehler macht. Persönliche Erfahrung unterstützt nicht unbedingt die Lösungsfindung; dafür hilft sie aber dabei, bestimmte Emotionen zu normalisieren.
  • Einen Sinn für Humor haben: Das ist einer der Kernpunkte der REVT, da sie auf Rastlosigkeit und Gelassenheit beruht. Der Therapeut soll Humor nutzen, um Aspekte irrationaler Überzeugungen hervorzuheben. Natürlich, ohne dem Patient gegenüber respektlos zu erscheinen. Gleichzeitig muss er im Hinterkopf behalten, dass jeder Patient unterschiedlich sensibel ist.
  • Informeller, therapeutischer Stil: Die REVT funktioniert in einer entspannten Umgebung besser – in einer, die sich stark von gewöhnlichen Formalitäten der Therapie unterscheidet. Der Patient sollte sie als freundliche und spaßige Unterhaltung betrachten – eine Zeit, in der er über Zweifel und Überzeugungen auf entspannte Weise reden kann.
Patient spricht mit Therapeut

Ellis Vermächtnis …

Die REVT ist eine interessante und meist zufriedenstellende Therapie für Patienten. Sie hilft ihnen, die eigene Lebensphilosophie zu ändern. Auch fördert sie eine schützendere Haltung, wenn Patienten mit Problemen wie Angst oder Depression konfrontiert werden. Weiterhin gibt es solide, wissenschaftlich erbrachte Beweise für ihre Wirkung. Letztendlich hat diese Therapie Albert Ellis zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten der klinischen Psychologie gemacht.