7 Schritte zu einem verbesserten emotionalen Gleichgewicht

4. August 2018 en Emotionen 0 Geteilt
Emotionales Gleichgewicht - Eine Frau blickt in die Sonne.

Alle unsere Gefühle sind notwendig. Jedes Gefühl liefert uns wertvolle Erkenntnisse über uns selbst, weshalb es so wichtig ist, auf unsere Gefühlslage zu achten. Es ist ganz wichtig, sich dieser bewusst zu werden, denn nur, wenn wir unseren Gefühlszustand kennen, können wir zu emotionalem Gleichgewicht und Wohlbefinden kommen. 

Leider ist es nicht immer leicht, auf sich selbst zu achten und zu erkennen, was in uns selbst vorgeht. Das trifft besonders auf emotional schwierige und schmerzhafte Situationen zu. Situationen, die Leiden und Angst schaffen, sind wie ein Ungeheuer, das auf der Lauer liegt.

Solche Situationen führen zu Selbstzweifeln, Stress, Angst und Unsicherheit. Wenn wir nicht wissen, was wir tun oder wie wir uns verhalten sollen, kann uns das lähmen. Deshalb führen derartige Situationen oft in einen Teufelskreis aus Stress und Apathie. Was können wir machen, wenn diese Situationen untragbar werden? Wie sollen wir uns verhalten, wenn wir uns zerstört und in einer Sackgasse gefangen fühlen? Wie können wir diese negativen Gefühle konfrontieren, die uns gefangen halten?

Wenn wir nicht länger in der Lage sind, eine Situation zu ändern – sind wir gefordert, uns selbst zu ändern.“

Viktor Frankl

Der Psychiater und Professor der Psychobiologie Vicente Simon hat viel Zeit damit verbracht, die buddhistische Psychologie zu untersuchen. Er fand eine Strategie, die uns in solchen Situationen helfen kann: Die sieben Schritte zum emotionalen Gleichgewicht. Es handelt sich dabei um eine Reihe von Übungen, die dazu dienen sollen, Leiden zu lindern, psychologischen Schaden nach einem emotionalen Schock abzuwenden und unüberlegte Handlungen zu vermeiden, die uns selbst und anderen Schaden zufügen könnten.

Eine traurige Frau betrachtet den Sonnenuntergang.

Um dein emotionales Gleichgewicht zu finden, musst du eine Pause einlegen

Wenn du schlechte Nachrichten hörst, dich streitest oder enttäuscht bist, dann ist der erste Schritt, innezuhalten. Wenn du spürst, dass ein überwältigendes und unangenehmes Gefühl in dir aufsteigt, solltest du innehalten. Nimm dir einen Augenblick Zeit und widme deine ganze Aufmerksamkeit dem Gefühlsaufruhr in deinem Inneren.

Das ist am Anfang nicht leicht – und das ist normal. Es ist nicht einfach, einen Vorgang zu unterbrechen, der seit Jahren auf Autopilot abläuft. Weil es gegen alles geht, was du bis dahin gemacht hast. Gefühle führen normalerweise dazu, dass wir auf eine abrupte und gedankenlose Weise handeln. Um die emotionale Explosion zu vermeiden, müssen wir innehalten, uns Zeit zum Nachdenken geben und unsere inneren Vorgänge annehmen.

Auf diese Weise ist es möglich, den Autopilot auszuschalten. Das wiederum ermöglicht es uns, anders zu handeln, als wir es normalerweise tun würden. Trotzdem: Es ist wichtig, zu üben, weil es wahrscheinlich nicht gleich beim ersten Versuch funktioniert. Du kannst es dir selbst leichter machen, indem du versuchst, an einem ruhigen und entspannenden Ort zu üben.

Tief atmen, entspannen

Nachdem du die Pause-Taste gedrückt hast, ist der nächste Schritt die bewusste Atmung. Du kannst dein emotionales Gleichgewicht finden, indem du auf deine Atmung achtest. Achte besonders auf die Bereiche deines Körpers, in denen die Gefühle sich zeigen.

Wenn du dich aufgeregt oder gestresst fühlst, ist es wichtig, tief durchzuatmen. Eine tiefe Atmung wird dir dabei helfen, dich zu beruhigen und wieder zu dir selbst zu finden. Das Ziel sind zehn Atemzüge pro Minute. Natürlich wirst du das nicht sofort schaffen. Wenn du aufgeregt bist, machst du vielleicht sogar 30 Atemzüge pro Minute. Wichtig ist auch hier, zu üben.

Andererseits bemerkst du vielleicht auch, wie dein Herz schneller schlägt, wenn du mit schwierigen Gefühlen kämpfst. Vielleicht spürst du sogar einen leichten Druck in der Brust oder eine Anspannung im Bauch. Auf keinen Fall ist es aber empfehlenswert, diese körperlichen Empfindungen vermeiden zu wollen. Unser Körper spricht durch unsere Gefühle mit uns. Es geht also darum, herauszufinden, welche Gefühle es sind, während du dich durch die Atmung beruhigst. Wenn du durchatmest und dich entspannst, kannst du die von deinen Gefühlen verursachten körperlichen Empfindungen reduzieren und sie trotzdem interpretieren.

Sei dir deiner Gefühle bewusst

Bei diesem Schritt geht es darum, dich mit deinen Gefühlen auf einer Erfahrungsebene vertraut zu machen, anstatt diese nur auf der intellektuellen Ebene zu verarbeiten. Anders ausgedrückt, nimm das Gefühl und alles, was damit einhergeht, als eine direkte Erfahrung an. Achte zum Beispiel darauf, wie das Gefühl sich körperlich ausdrückt.

Als nächstes kannst du dir vorstellen oder beobachten, welche Situationen oder Ereignisse dieses Gefühl typischerweise hervorrufen. Ist es eine bestimmte Person oder vielleicht ein Gedanke? Oder eine Erinnerung, die du hast? Der Schlüssel ist, den Ursprung des Gefühls zu erkennen und alle zugehörigen Aspekte zu beachten.

Dann musst du herausfinden, mit welchem Gefühl du es zu tun hast, um ein emotionales Gleichgewicht zu erreichen. Anders ausgedrückt: benenne das Gefühl. Handelt es sich um Wut, Traurigkeit, Eifersucht oder Angst? Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass Gefühle ihre Macht verlieren, wenn sie benannt werden. Um das Gefühl noch besser identifizieren zu können, kannst du dir selbst verschiedene Fragen stellen. Frage dich, wie das Gefühl sich ausdrücken würde, warum es sich verstecken muss und zu welchen Handlungen es dich treibt.

Auf deine Gefühle zu achten bedeutet, sie urteilsfrei wahrzunehmen. Auf diese Weise kannst du die emotionale Erfahrung nutzen.

Frau mit geschlossenen Augen steht auf einem Berg.

Nimm die Erfahrung an und lasse das Gefühl zu

Bei diesem Schritt geht es darum, das Gefühl urteilsfrei anzunehmen, es zulassen, ohne es zu unterdrücken oder dich dagegen zu wehren. Das ist am Anfang nicht immer angenehm. Es ist aber wichtig, das Gefühl kennenzulernen, um mit ihm umgehen zu können.

Sei also ein Beobachter der Zurückweisung, die diese Erfahrung in dir auslöst. Beobachte deine Versuche, der Situation zu entfliehen und dich zu wehren. Am allerwichtigsten dabei ist: Tue nichts. Erlaube dem Gefühl, sich so auszudrücken, wie es ist. Auf diese Weise lässt du dem Gefühl Raum und erkennst es als einen Teil von dir an, was es dir vereinfacht, dein emotionales Gleichgewicht zu finden.

Sei gut zu dir

Während dieser tiefgehenden Entwicklung darfst du nicht vergessen, dich um dich selbst zu kümmern. In diesen sieben Schritten setzt du dich mit dem auseinander, was dir Schaden zufügt, dich belastet, dich überwältigt. Während all dessen musst du auch an den Teil von dir anknüpfen, der noch ganz und gesund ist. Stelle eine Verbindung mit den Bereichen deiner selbst her, die mit Zuneigung und Liebe zu tun haben. Denn wenn du dich selbst vernachlässigst, wirst du nicht die Stärke aufbringen können, die nötig ist, um emotionale Gesundheit und Stabilität zu erreichen.

Es kann schwierig sein, sich selbst liebevoll zu behandeln und zu trösten. Wenn dir das schwerfällt, dann suche dir Unterstützung bei den Menschen, die immer an deiner Seite sind. Suche diejenigen auf, die immer bereit sind, dir zu helfen. Durch ihre Gesellschaft wird es leichter sein, deinen Stress und deine Beklemmung aufzulösen.

Lasse das Gefühl los

Mittlerweile sollte die Intensität deines Gefühls langsam nachgelassen haben. Dadurch wird es dir möglich, dich von dem Gefühl zu lösen. So kannst du Distanz zwischen dir und dem Gefühl aufbauen. Du bist nicht dein Gefühl, du beherbergst es nur eine Zeit lang. 

Es ist wichtig, zu erkennen, dass du das Gefühl nur dann loslassen kannst, wenn du es aus deinem inneren Dialog herausnimmst. Du kannst ein Gefühl nicht dazu zwingen, zu verschwinden. Du musst warten, bis es sich von selbst auflöst. In dem Sinn ist die Erkenntnis, dass du nicht das Gefühl bist, ein wichtiger Schritt, um dessen Macht zu brechen. Das Gefühl bist nicht du.

Eine Frau mit ausgestreckten Armen begrüßt die Welt.

Handle oder handle nicht – je nach den Umständen

Wenn der Gefühlssturm sich gelegt hat, kannst du zum letzten Schritt auf dem Weg zum emotionalen Gleichgewicht übergehen: Entscheide dich, ob du handeln sollst. Wenn du dich in einer Situation befindest, in der eine Reaktion gefragt ist, dann bist du jetzt besser dafür gewappnet. Es ist viel einfacher, zu handeln, wenn du ruhig und in Kontakt mit den eigenen Zweifeln und Wünschen stehst. Wenn andererseits keine sofortige Reaktion notwendig ist, dann ist es am besten, abzuwarten, bis das Gefühl an Stärke verliert. Handle nicht, bevor du nicht die Botschaft des Gefühls verstanden hast.

Wie du siehst, kann ein schwieriges Gefühl sich verändern. Es kann sich in Ruhe und Gelassenheit verwandeln, wenn du ihm Aufmerksamkeit und Zeit gibst. Der holländische Philosoph Spinoza hat es perfekt ausgedrückt: „Ein Affekt, der eine Leidenschaft geworden ist, hört auf, eine Leidenschaft zu sein, sobald wir uns ein klares und deutliches Bild von ihm machen.“

Der Schlüssel, der das Tor zum emotionalen Gleichgewicht öffnet, ist, für deine Gefühle da zu sein. Diese Praktik braucht einiges an Zeit und Können. Wenn du es aber schaffst, sie zu beherrschen, kannst du viel besser mit den Schwierigkeiten und Problemen deines Alltags umgehen. Nicht nur verbesserst du so deine Beziehung zu dir selbst, sondern auch die zu anderen Menschen.

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