Wie funktioniert der Geist einer korrupten Person?

19 November, 2020
Im Geist einer korrupten Person sind andere Menschen entweder ein Mittel zum Zweck, um durch sie etwas zu gewinnen oder ein Hindernis bei der Erzielung eines Gewinns. Es handelt sich um Menschen, die sich nicht als Teil der Menschheit (oder der Gesellschaft) betrachten. Sie versuchen vielmehr, sie zu attackieren. Dieses Verhalten ist auf ihre Egozentrik und ihre mangelnde Perspektive zurückzuführen.

Seltsamerweise ist der Geist einer korrupten Person kein dunkler, unzugänglicher Kanal. Denn die Fakten zeigen, dass viele Menschen, die wir in allen Bereichen des Lebens als “erfolgreich” bezeichnen, in ihrem Inneren korrupt sind. Es sind sogar jene Art von Menschen, die viele Unternehmen oder Parteien in ihrer Führungsetage haben wollen, weil sie “dieses gewisse Etwas” haben, mit dem sie ungestraft Dinge tun können, die anderen Menschen so nicht möglich wären.

Jean Twenge, Psychologe und Autor der Buches Generation Me, sagt, dass der Geist einer korrupten Person mit der Faszination darüber gefüllt ist, wer er oder sie ist. Es sind Menschen, die es “lieben, sich selber kennenzulernen”. Darüber hinaus sind sie sehr anpassungsfähig, insbesondere aufgrund ihrer mangelnden Ethik. Außerdem sind diese Menschen in den vergangenen 40 Jahren zunehmend in Führungspositionen gefragt und gesucht.

Im Geist einer korrupten Person sind die Unsicherheiten, von denen so viele Sterbliche betroffen sind, schlichtweg nicht vorhanden; und genauso wenig findet sich dort irgendeine Art von Pessimismus. Sie triumphieren insbesondere, weil sich in den vergangenen Jahrzehnten eine Art Selbstkult etabliert und gefestigt hat. Dadurch werden ihre Selbstsucht und ihre mangelnden Skrupel in gewisser Weise von der Gesellschaft toleriert.

“Korruption ist ein Krebs, der von den Armen stiehlt, sich von den Führungsspitzen und vom moralischen Filz nährt und Vertrauen zerstört.”

-Robert Zoellick-

Geist einer korrupten Person - Geldübergabe unter dem Tisch

Natürliche Selbstsucht und Ethik

Nach Aussagen von Luis Fernández, Professor für Psychologie an der Universität von Santiago de Compostela und Autor des Buches Die Psychologie der Korruption und der Korrupten, wird jeder Mensch mit einem Samen des Bösen geboren. Er sagt, dass wir die Regeln ohne Probleme brechen, wenn wir die Gelegenheit dazu bekommen. Und dass wir, wenn wir in eine Machtposition gelangen, diese zu unserem persönlichen Vorteil nutzen.

Trotzdem ist es ebenfalls wahr, dass ein Unterschied zwischen dieser Art von psychologischer Ökonomie, die uns dazu bringt, den einfachsten Weg zu suchen, und der Skrupellosigkeit, die im Kopf einer korrupten Person existiert, besteht.

Es ist offensichtlich, dass wir ohne Ethik geboren werden. Die einzige “Ethik”, die wir bei der Geburt haben, ist das Verlangen, unsere eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu befriedigen. Es gibt keinen Grund, Menschen nicht als bloßes Werkzeug für diesen Zweck zu benutzen.

Ethik bilden und formen wir im Einklang mit Intelligenz und Kultur. Die Erziehung und ein gewisses Training führen dann zu dem Verständnis, dass wir mehr erreichen, wenn wir aufhören, uns egoistisch zu verhalten, und stattdessen damit beginnen, als Teil eines Teams zu arbeiten. Wir lernen dies früh im Leben durch Spiele und familiäre Interaktion

Aber dennoch wissen wir natürlich nach wie vor, dass gewisse Handlungen und Verhaltensweisen individuell vorteilhaft sein können. Wir lernen ganz einfach, andere Menschen als Teil des menschlichen Umfeldes zu betrachten, in dem wir leben. Außerdem verstehen wir, dass wir einander brauchen. Warum? Weil wir ohne die Hilfe anderer Menschen noch nicht einmal nach unserer Geburt überlebt hätten. Und weil wir auch im Falle von Krankheiten, wenn wir älter werden oder bei jeder anderen Art der Verletzlichkeit auf die Hilfe anderer angewiesen sind.

Der Geist einer korrupten Person

Wir lernen nicht, eine konstruktive Haltung anderen Menschen gegenüber einzunehmen, ohne die Liebe und Hingabe unvollkommener Erwachsener, die großzügig und verständnisvoll genug sind, um den Menschen in ihrem Umfeld die Botschaft der Zivilisation zu vermitteln. Obwohl Ethik etwas ist, das wir in unserem Geist lernen, hat sie dennoch auch starke Wurzeln in der Liebe und Zuneigung.

Im Geist einer korrupten Person fehlen derartige Referenzen. Diese Menschen bauen ihr Leben darauf auf, für das zu kämpfen, was sie für sich selber als wichtig erachten. In gewisser Weise ist es ein Überlebenskampf gegen die Welt. Dabei wird das Brechen von Regeln zu einem Test für sie, mit dem sie ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen können und dieses Bedürfnis haben sie immer wieder. Tatsächlich verwandeln sie es in ein Spiel, da das Ausnutzen anderer Menschen eine Möglichkeit für sie ist, sich dadurch selber zu validieren.

Korrupte Menschen sehen keinen Vorteil darin, andere Menschen zu respektieren. Sie sehen sie vielmehr als ein Hindernis. In der Tat haben sie weder in ihrem Kopf noch in ihrem Herzen überhaupt ein Konzept von anderen Menschen.

Sie streben nach Macht und Geld, weil dies für sie die Illusion erzeugt, sie könnten so eine gewisse Kontrolle über die Welt ausüben. Es stört sie nicht im geringsten, dass sie lediglich Sykophanten und keine Freunde oder Besitztümer anstelle eines Sinns im Leben haben. Denn ihr Ziel besteht darin, sich durchzusetzen, selbst wenn dies völlig überflüssig ist.

Ein vorübergehender Triumph

Der Geist einer korrupten Person ist sehr anpassungsfähig und funktioniert so lange perfekt, solange er sich in einem Kontext bewegt, in dem er die Regeln und Normen brechen kann. Diese Menschen erzeugen permanente Krisen. In ihren Familien, den Unternehmen, in denen sie arbeiten und auch in der Gesellschaft, in der sie leben. Aber all das interessiert sie nicht. Dennoch werden sie früher oder später einen Fehler begehen. Und das wird ihr Untergang sein.

Korrupte Menschen tragen die Keimzelle für ihre eigene Zerstörung bereits in sich: den Glauben, dass sie unverwundbar seien. Ihre Egozentrik hindert sie an einer objektiven Bewertung der Realität. Und genau das wird früher oder später ihr strategischer Fehler werden. Und genau dann werden sie zum Objekt kollektiver Verachtung und ihre Einsamkeit wird für alle deutlich sichtbar werden.

Aber warum tolerieren Menschen eigentlich korrupte Personen in ihrem Umfeld? Die Wahrheit ist, dass die Gesellschaft häufig glaubt, sie könne nichts gegen diese Menschen unternehmen. Aber selbst in diesen Fällen kann dieses Gefühl der Hilflosigkeit früher oder später zu einer aktiven Empörung führen. Dadurch kann es gelingen, derartigen Menschen und ihren Machenschaften gemeinsam Grenzen zu setzen.

Fores, F. A. S. (2017). Psicología de la corrupción: Balance de estudios realizados en el Perú, alternativas metodológicas de investigación. Yachay-Revista Científico Cultural, 6(01), 214-233.