Wie Ängste und Sorgen dein Gehirn beeinflussen

6. August 2019
Stress, Angststörungen, chronische Müdigkeit, Energiemangel und Pessimismus... Die Auswirkungen auf dein Gehirn durch zu viele Ängste und Sorgen sind wirklich sehr weitreichend und schädlich. Denn dadurch werden all deine emotionalen Ressourcen bis an die Belastungsgrenze gefordert und strapaziert. Das führt schließlich dazu, dass du unter permanentem Druck stehst. 

Welchen Einfluss Ängste und Sorgen auf dein Gehirn haben, lässt sich folgendermaßen zusammen fassen: sie sind toxisch. Und dies, obwohl die Reaktion als solche eine ganz natürliche ist.

Wenn wir eine Bedrohung erleben, dann reagieren wir mit Angst und Vorsicht. Allerdings sind viele unserer Bedenken und Sorgen, die wir täglich haben, gänzlich unbegründet und teilweise völlig übertrieben. Darüber hinaus verursachen konstante Ängste und Sorgen eine andauernde Erschöpfung. Sie kosten viel Energie, du wirst mutlos und verlierst durch sie manchmal jede Motivation.

Aus psychologischer Sicht wissen wir sehr genau, dass zu viele negative Gedanken und permanente Ängste mehr Schaden verursachen, als die eigentliche Ursache der Sorgen.

Die übermäßige Besorgnis beeinträchtigt maßgeblich die Funktion deines Gehirns. Diese Tatsache solltest du wirklich sehr ernst nehmen. Wenn du dich in einem Zustand befindest, in dem sich dein Stress-Level permanent erhöht, dann wirst du irgendwann durch jedes noch so kleine Vorkommnis zusätzlich belastet. Dies wiederum führt dazu, dass früher oder später alles außer Kontrolle gerät. Du wirst unüberlegte Entscheidungen treffen und dadurch verstärkt sich dein emotionaler Konflikt noch mehr.

Je mehr du dich darauf fokussierst, dass du momentan schlecht schläfst, desto stärker werden deine Schlafstörungen letztendlich werden. Genauso verhält es sich auch mit dem Streben nach Perfektionismus. Je mehr du dir Gedanken darüber machst, wie du dich jederzeit perfekt und effizient bei der Arbeit präsentieren kannst, desto häufiger werden dir Fehler unterlaufen. Wenn du dich permanent fragst, ob dich dein Partner wirklich genügend liebt, dann wird er sich dadurch sehr unwohl und unter Druck gesetzt fühlen.

Das bedeutet, dass du deinem Gehirn umso mehr Schaden zufügst, je mehr du dich durch übermäßige Ängste und Sorgen unter Druck setzt. Du verschwendest wertvolle Ressourcen. Dadurch wird dein Gedächtnis nachlassen und du wirst dich noch ausgelaugter fühlen. Die Liste stressbedingter Symptome durch anhaltende negative Gedanken ist lang.

Wie genau beeinflussen Ängste und Sorgen dein Gehirn?

Ängste und Sorgen - Frau

Die Auswirkungen, die zu viele Ängste und Sorgen auf dein Gehirn haben, sind weitaus stärker, als du glaubst. Neurowissenschaftler, wie beispielsweise Dr. Joseph LeDoux von der Universität New York, bestätigen, dass die Folgen sehr ernsthaft sein können. Der häufigste Grund hierfür ist der, dass viele Menschen nicht wissen, wie sie sich auf gesunde Art und Weise mit ihren Problemen auseinandersetzen können. Wir neigen oftmals dazu, zu schnell in Panik zu geraten und Situationen zu dramatisieren.

Darüber hinaus erwähnt er, dass wir für diese Reaktionen allerdings nur zu einem gewissen Grad die Verantwortung tragen. Denn unser Gehirn ist darauf programmiert, dass es sich zuerst Sorgen macht und danach das Denken einsetzt. Anders gesagt ist unser emotionales System und hier besonders die zerebrale Amygdala dafür verantwortlich, dass wir eine Bedrohung erkennen. Dadurch wird dann eine Emotion in uns ausgelöst, die uns davor schützen soll.

Aufgrund dieser Emotion werden permanent Neurotransmitter wie beispielsweise Dopamin ausgeschüttet. Und genau diese verursachen Ängste und Nervosität. Erst danach stimuliert das limbische System den zerebralen Cortex (Großhirnrinde), um dadurch einen Denkprozess anzustoßen. Dieser soll nun die Kontrolle über die Situation übernehmen. Außerdem soll durch die logische Auseinandersetzung mit der vermeintlichen Gefahr der dadurch ausgelöste Angst-Reflex und der Stress reguliert werden.

Dr. LeDoux betont, dass unsere Emotionen stärker sind als unsere Fähigkeit, logisch zu denken. Daher ist auch der Einfluss unserer Ängste und Sorgen auf unser Denken so stark. Dies hat folgende Auswirkungen:

Extreme Ängste und Sorgen verursachen psychischen Schmerz

Ängste und Sorgen - Kopfschmerzen

Was genau ist „psychischer Schmerz„? Unterscheidet er sich von körperlichen Schmerzen? Ja, das tut er, obwohl dich beide Arten des Schmerzes in ähnlicher Weise einschränken. Unter psychischem Schmerz verstehen wir beispielsweise Stress, Erschöpfung, Negativität und Mutlosigkeit.

Wenn dein Gehirn permanent von Ängsten und Sorgen belastet ist, dann übernimmt die Amygdala die Kontrolle über dein Gehirn. Dadurch wirst du Gefahren identifizieren, die es gar nicht gibt. Alles, was du in diesem Zustand wahrnimmst, fühlt sich bedrohlich an und versetzt dich in Panik. Diese Überstimulation reduziert die Aktivität deiner Großhirnrinde. Das wiederum hat zur Folge, dass du alles als chaotisch und unausgeglichen wahrnimmst.

Darüber hinaus aktiviert die Amygdala noch weitere Hirnareale, unter anderem den anterioren cingulären Cortex. Dadurch verstärkt sich dein Unbehagen zusätzlich.

“Wenn ich auf all die Sorgen zurückblicke, dann denke ich an die Geschichte eines alten Mannes, der auf seinem Sterbebett sagte, dass er in seinem Leben viele Probleme hatte, von denen die meisten nie eingetreten sind.

-Winston Churchill-

Wenn du dir zu viele Sorgen machst, dann kann dies deine kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigen

Wenn du dir über viele Wochen oder Monate hinweg permanent Sorgen gemacht hast, dann wirst du bemerken, dass dieser Zustand auch Auswirkungen auf deine kognitiven Fähigkeiten hat. Nach einiger Zeit wirst du Folgendes feststellen:

  • Gedächtnislücken
  • Konzentrationsprobleme
  • Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung
  • Probleme beim Verstehen von Nachrichten, Texten usw.

Wie kannst du erreichen, dass du dir weniger Sorgen machst

Grundsätzlich ist es nicht schlimm, wenn du dir Sorgen machst. Wichtig ist es aber, dass du lernst, wie du dies auf eine für dich gesunde Art und Weise tust. Andernfalls besteht nämlich die Gefahr, dass du eine generalisierte Angststörung entwickeln könntest. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die Dr. Ernest Paulesu an der Universität von Cambridge durchgeführt hat.

Der Psychologe Albert Ellis gibt einige wichtige Empfehlungen dazu, wie du erlernen kannst, dir auf gesunde Art und Weise Sorgen zu machen:

  • Beginne damit, deine irrationalen Gedanken zu analysieren. Erstaunlicherweise sind ungefähr 80 % all unserer Sorgen übertrieben und logisch nicht begründbar.
  • Weiterhin ist es wichtig, dass du über deine Gefühle sprichst. Wenn du sie benennst, wirst du sie erkennen und dadurch kannst du sie besser verstehen. Möglicherweise machst du dir so große Sorgen über deine Arbeit, weil sie dir keinen Spaß macht und du unglücklich dabei bist.
  • Außerdem solltest du keine Entscheidungen nur aufgrund deiner Stimmung treffen. Bevor du eine wichtige Entscheidung triffst und diese umsetzt, solltest du in aller Ruhe alle Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen. Gefühle sind sicherlich ebenfalls wichtig. Dennoch wirst du die besten Entscheidungen treffen, wenn du dir auch einige relevante Fakten ansiehst und diese gegeneinander abwägst.

Da du nun die negativen Auswirkungen von übermäßigen Sorgen und Ängsten auf dein Gehirn kennst, kannst du künftig noch besser darauf reagieren. Vermeide es auf jeden Fall, in diese Angst-Spirale zu geraten und praktiziere statt dessen gesunde und vernünftige Ansätze. Wenn du merkst, dass du das nicht alleine schaffen kannst, dann solltest du dir professionelle Unterstützung holen.

  • Cryan, J. F., & Kaupmann, K. (2005, January). Don’t worry “B” happy!: A role for GABA B receptors in anxiety and depression. Trends in Pharmacological Sciences. https://doi.org/10.1016/j.tips.2004.11.004
  • Paulesu, E., Sambugaro, E., Torti, T., Danelli, L., Ferri, F., Scialfa, G., … Sassaroli, S. (2010). Neural correlates of worry in generalized anxiety disorder and in normal controls: A functional MRI study. Psychological Medicine40(1), 117–124. https://doi.org/10.1017/S0033291709005649