Nozizeptoren: Alles über Schmerzrezeptoren

28. Mai 2019

Wir alle können Schmerzen empfinden. Manchmal verursacht uns sogar unser eigener Organismus Schmerzen, indem er Entzündungen auslöst. Obwohl wir alle ein Schmerzempfinden haben, sind wir über die daran beteiligten sensorischen Neuronen in der Regel nur wenig informiert. In diesem Artikel wollen wir deshalb über Nozizeptoren, wie die Schmerzrezeptoren in der Fachsprache heißen, sprechen.

Alle Menschen (und alle anderen Lebewesen mit einem zentralen Nervensystem) hegen wahrscheinlich den instinktiven Wunsch, nie wieder Schmerzen zu haben. Aber ob wir es glauben oder nicht, das Schmerzempfinden hat eine sehr wichtige Funktion und ist für unser Überleben notwendig. Wenn wir gegen den Schmerz, den Verbrennungen, Verletzungen oder auch Krankheiten auslösen, immun wären, würden wir eine sehr viel geringere Lebenserwartung haben. Darüber hinaus ist bekannt, dass Menschen mit angeborener Analgesie (Schmerzunempfindlichkeit) ein tragisches und kurzes Leben führen.

Schmerz warnt und hilft uns, auf gefährliche oder schädliche Reize zu reagieren. Deshalb können wir sagen, dass Nozizeptoren unser Überleben garantieren und uns eine bessere Lebensqualität ermöglichen.

Neuron mit Dendriten und Axox

Nozizeptoren

Wie bereits erwähnt, sind Schmerzen notwendig und ohne Schmerzempfinden wäre unser Überleben eine echte Herausforderung. Aber wie kommt es überhaupt dazu, dass wir Schmerz fühlen? Dafür sind die Schmerzrezeptoren und die ihnen nachgeschalteten Neurone verantwortlich. Erstere sind dazu da, schmerzhafte Reize zu erkennen. Außerdem trägt ein komplexes Nervennetzwerk dazu bei, das die Informationen über den Schmerz weitergeleitet, verarbeitet und integriert werden.

Nozizeptoren sind also dafür verantwortlich, potenziell schädliche Einflüsse zu erkennen. Sie sind freie Nervenendigungen, die sich im ganzen Körper befinden, sowohl im Tegument, also in der Haut, als auch in unseren inneren Organen (Muskeln, Darm, Blase, Eierstöcke usw.). Wenn wir Schmerz empfinden, bewerten wir den toxischen Reiz und den sich daraus ergebenden Schaden. Voraussetzung dafür ist die Übertragung der eingehenden Informationen an das zentrale Nervensystem.

Es ist wichtig, anzumerken, dass Menschen und Tiere nicht die einzigen Lebewesen sind, die über diese Rezeptoren verfügen. Einige der einfachsten Organismen haben ebenfalls nozizeptive Fähigkeiten, wenn diese sich auch anders gestalten mögen. Wir alle müssen Gefahren und Schäden vermeiden können, um zu überleben.

Mensch hält sich schmerzenden Arm

Arten von Nozizeptoren

Wir verfügen über unterschiedliche Arten von Nozizeptoren:

  • Chemorezeptoren reagieren auf bestimmte Chemikalien, die unser Gewebe bei Infektionen, Entzündungen oder Krankheiten freisetzt. Dies sind Substanzen wie Bradykinin und Histamin, die ins Blut gelangen, wenn wir eine Verletzung erleiden, wenn sich eine Läsion entzündet oder wenn wir einen Schlag abbekommen.
  • Thermorezeptoren sind jene Schmerzrezeptoren, die aktiviert werden, wenn wir mit einer Oberfläche oder einem Objekt mit sehr hoher Temperatur in Kontakt kommen.
  • Mechanozeptoren werden durch mechanische Reize, vor allem durch Druck aktiviert, der das Individuum verletzt oder das Körpergewebe verformen kann.
  • Stumme Nozizeptoren brauchen normalerweise lange Zeit, um aktiviert zu werden. Durch eine Entzündung wird ihr Aktivierungsniveau abgesenkt, sodass sie dann auch bei geringer Reizintensität Schmerzen vermitteln können.
  • Polymodale Nozizeptoren stellen eine Herausforderung für Wissenschaftler dar, da sie auf alle oben genannten Reize reagieren.
Freie Nervenenden ermöglichen es, dass wir Schmerz empfinden.

Warum wird Schmerz chronisch?

Was wissen wir bisher über Nozizeptoren? Zum einen befinden sie sich am Ende der Axone und zum anderen reagieren sie auf für uns gefährliche thermische, mechanische oder chemische Reize. Weiterhin wissen wir, dass bestimmte Arten von Schmerzen erträglicher sind als andere und dass manche Bedingungen dazu führen, dass wir chronische Schmerzen entwickeln können.

Experten haben wiederholt belegt, dass Schmerz in einem proportionalen Verhältnis zum Schweregrad der Verletzung oder der Funktionsstörung steht. Wenn wir uns beispielsweise in den Finger schneiden, hält dieser Schmerz nicht länger als 2 oder 3 Tage an, solange wir die Wunde reinigen und sie sich nicht entzündet. Die Schmerzen sind auch nicht besonders intensiv. Ein anderes Beispiel sind Verbrennungen. Schwere Verbrennungen schädigen das Gewebe mehr, was den Heilungsprozess erheblich erschwert und verlängert.

Auf der anderen Seite ist es auch wichtig, nozizeptiven Schmerz von neuropathischen Schmerzen zu unterscheiden. Der erste wird durch mechanische, thermische oder chemische Reize erzeugt. Neuropathischer Schmerz bezieht sich jedoch auf eine Schädigung des Nervensystems. Das könnte beispielsweise daran liegen, dass Krankheiten vorliegen, durch die Axone oder Schmerzrezeptoren intensiver auf Reize reagieren oder auch ohne eingehenden Reiz Signale senden. Das passiert zum Beispiel bei der Fibromyalgie.

Die Wissenschaft steht vor der Herausforderung, effektive Medikamente zu entwickeln, also Wirkstoffe, die die Schmerzrezeptoren beeinflussen, sodass die Lebensqualität des Patienten nicht übermäßig beeinträchtigt wird, wenn schwere Verletzungen oder Erkrankungen vorliegen.