Verletzt worden zu sein, macht uns sensibler für die Wunden der Welt

11. April 2016 en Psychologie 2 Geteilt

Es ist ein interessanter Versuch, zu verstehen, auf welche Weise eine Geschichte, die wir erleben, unsere Persönlichkeit formt und wie scheinbar gleiche Situationen so unterschiedliche Wunden oder Vorstellungen in uns hervorrufen können.

Es ist sicher, dass die Personen, die in der Vergangenheit verletzt worden sind, in der Regel besser gerüstet, besser entwickelt und vorbereitet sind, um unangenehmen Zeiten entgegenzugehen und sie zu überwinden.

Es ist offensichtlich, dass Leiden uns dazu zwingt, andere Realitäten zu betrachten, und weniger auf uns selbst konzentriert zu sein. Das heißt, verletzt worden zu sein macht uns sensibler für die Wunden der Welt.

 „Die schönsten Menschen, die ich getroffen habe, sind solche, die Niederlagen erfahren haben, Leid, Kampf und Verluste kennen und die ihren Weg gefunden haben, aus den Tiefen herauszukommen. Diese Menschen haben eine Wertschätzung, Sensibilität und Verständnis für das Leben entwickelt, was sie mit Mitgefühl, Demut und tiefer, liebevoller Ungeduld erfüllt. Schöne Menschen entstehen nicht aus dem Nichts.“
Elisabeth Kübler-Ross
Unterstuetzung

Den Schmerz umwandeln, um weitermachen zu können

Die Person, die verletzt worden ist, muss gewisse psychologische Hilfsmittel anwenden, um auf die Welt zurückzukehren, sobald sie zu dieser Rückkehr bereit ist. Das heißt, sie sollte erreichen, auf eine Weise zu handeln, dass ihre Schmerzen vergehen.

Die Metamorphose des Schmerzes, seine Umwandlung in großartige oder lustige Erinnerungen, ist eine schwierige Arbeit und fordert Methoden der Resilienz. Es wird eine emotionale Distanzierung mit Hilfe von Verteidigungsmechanismen ermöglicht, die zwar viel Kraft kosten, aber absolut notwendig sind.

Die folgenden emotionalen Reaktionen sind am häufigsten verbreitet:

  • Die Negation: „Ihr glaubt gar nicht, was ich gelitten habe.“
  • Die Isolierung: „Ich erinnere mich an bestimmte Erlebnisse, aber bringe keinerlei Empfindungen damit in Verbindung.“
  • Flucht nach vorn: „Ich passe die ganze Zeit gut auf, damit die Angst nicht wiederkommt.“
  • Rationalisierung der Erlebnisse: „Je mehr ich zu verstehen versuche, desto mehr dominiert mich ein unerträgliches Gefühl.“

Frau-umarmt-Herz

Verletzt sind wir emotionale und sensible Wesen

Es reicht aus, dass die verletzte Person sich in ihrem Leben mit jemandem wiederfindet, der für sie etwas bedeutet, damit sich ihre Flamme wieder entzündet und sie wieder in die Welt zurückführt, mit viel Feingefühl für ihr Licht und ihre Schatten.

 Eine verletzte Person schämt sich oft dafür, Opfer gewesen zu sein, sie hegt Gefühle und Gedanken der Minderwertigkeit, der Selbstzerstörung, des Andersseins und der Ungläubigkeit.
Deshalb weiß eine verletzte Person, dass sie schon nicht mehr so wie andere ist und sie nie mehr so sein wird. Außerdem hat sich, während sie zu einer anderen Welt gehört hat, auch die Welt, die sie kannte, bereits verändert.

Dies trägt zu ihrem Zustand der Verkennung und Verlorenheit bei, deshalb sollte sie schließlich ihren Schmerz erkennen können und so Weisheit und Feingefühl für die Überreste der Vergangenheit, den Kummer der Gegenwart und die in der Zukunft lauernden Probleme entwickeln.

Kind-auf-dem-Weg

Verletzte Menschen sind die schönsten Menschen

Wir werden es natürlich nie schaffen, das Problem komplett aus dem Weg zu räumen, denn immer bleiben Spuren und die Angst davor zurück, dass die Gespenster, die sie zurückgelassen haben, wieder lebendig werden. Jedoch entwickeln wir durch die Tatsache, verletzt worden zu sein, die Fähigkeit dazu, unsere Existenz erträglicher, schöner und sinnreicher zu machen.

Deshalb kann man sagen, dass die Stärke, die aus dem Morast entsteht, uns über die Spuren dieser Gespenster der Vergangenheit hinweggehen lässt, unseren Qualen eine Stimme verleiht und solche Verhaltensweisen stärkt, die uns Liebe und Verständnis gegenüber der Welt entwickeln lassen.

Menschen, die verletzt worden sind und daraus als Sieger hervorgegangen sind, besitzen eine beeindruckende Fähigkeit zur Dankbarkeit. Sie wissen, dass es unmöglich ist, das zu sein, was wir nicht sind, aber dass wir durchaus von uns selbst aus alles geben können, um andere glücklich zu machen.

 Die Kraft, die aus dem Leiden entsteht, umgibt uns somit mit einem besonderen Schein, weshalb derjenige, der verletzt worden ist, sich bewusst ist, dass die Welt, die ihn verletzt hat, die gleiche ist, wie die, die ihn geheilt hat. Und deshalb wird seine Dankbarkeit durch seine Sensibilität geprägt, die seine einzigartige und besondere Größe ausmacht.
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