Wenn wir nichts lieben, dann haben wir auch keine Selbstliebe

· 26. September 2018

Was hat Selbstliebe mit einer unangenehmen Situation zu tun? Niemand erlebt oder verharrt in einer unangenehmen Situation, weil er es so will. Nicht einmal diejenigen, die wir „Masochisten“ nennen. Im tiefsten Inneren unseres Herzens wollen wir alle zufrieden und so glücklich wie möglich sein. Aber nicht immer ist dieses Ziel einfach zu erreichen. Und Tatsache ist, dass der Weg zu diesem Ziel noch viel steiniger wird, wenn wir uns selbst nicht lieben. 

Die meisten Menschen werden nicht unter idealen Bedingungen geboren und aufgezogen. Tatsächlich sind viele Menschen schon in sehr jungen Jahren widrigen Umständen ausgesetzt. Für viele unserer Mitmenschen ist es Realität, in einer Umgebung aufzuwachsen, die unfreundlich und rau ist und in der sie kaum Anerkennung oder Wertschätzung erfahren. 

Wenn wir uns nicht selbst lieben, ist es uns manchmal nicht möglich, unsere eigenen Errungenschaften zu würdigen oder unsere Tugenden zu erkennen. Wir müssen dann in unsere ferne Vergangenheit eintauchen, um dieses Problem zu lösen. Dort finden wir die Gründe, warum wir gelernt haben, uns in einem so negativen Licht zu sehen.

In der Vergangenheit wurde der vergiftete Samen gepflanzt, eine unglückliche Person zu werden. Der Samen, der uns denken lässt, dass wir das Leben eines anderen leben oder besser aus unserem eigenen Leben entkommen sollten. Die gute Nachricht ist, dass es nie zu spät ist, diesen Schaden zu reparieren und mit uns selbst wieder eins zu werden können.

„Du bist unvollkommen, permanent und zwangsläufig unvollkommen. Und du bist schön.“

Amy Bloom

Was passiert, wenn wir keine Selbstliebe empfinden

Wenn wir keine Selbstliebe empfinden, dann lieben wir oft überhaupt nichts und niemanden. Denn die Welt wird immer zu einer Projektion dessen, was wir in uns tragen. Es geht nicht so sehr darum, dass manche Dinge in der Welt tatsächlich unangenehm oder gar unerträglich sind, sondern vielmehr darum, wie wir unsere Umwelt betrachten.

Ein Bild eines Mädchens, dessen Haare aus Meer zu bestehen scheinen.

Wenn wir uns selbst nicht mögen, sehen wir alles, was mit uns und unserem Leben zu tun hat, in einem negativen Licht. Wir pendeln schnell vom Gefühl der Euphorie zu totaler Entmutigung, denn wir werden in jeder Situation etwas finden, was wir nicht mögen.

Wir fangen begeistert Dinge an, beenden sie aber genauso schnell, wenn uns genau diese Begeisterung abhandenkommt. Wir sehen in allem und jedem etwas Negatives. Alles, was grundsätzlich neutral ist, also weder gut noch schlecht, sehen wir als wertlos an. Das Problem ist, dass wir einfach nicht merken, dass wir diese Entwertung unserer Umwelt durchführen. Wir fühlen uns innerlich schlecht und das projizieren wir auf unsere Umwelt, ohne es wirklich zu wollen. Die Wahrheit aber ist, dass wir eine offene Wunde haben und leiden. 

Was passiert mit unserem Leben, wenn wir nichts mögen

Unzufriedenheit ist kein Zustand, sondern eine Sichtweise. Unsere Welt und Realität entsprechen uns. Jeder von uns gibt seinem eigenen Universum eine ganz spezielle Bedeutung. Unsere Sicht der Realität sagt viel mehr über uns selbst aus als über die eigentliche Realität.

Wenn wir uns selbst nicht lieben, wird es schwer für uns, etwas Positives in dem zu finden, was wir sehen oder hören. Alles, was wir wahrnehmen, ist davon betroffen.

Zeichnung eines Mannes, dessen Gesicht vom Schädel getrennt ist

Einer der besorgniserregendsten Aspekte an alledem ist, dass dieses Verhalten zu einer Gewohnheit werden kann. Unser Verstand arbeitet einen Großteil der Zeit auf Autopilot. Er betrachtet dann viele der Dinge, die uns umgeben, schier von allein im schlechtesten Licht. Wenn wir überall nur noch negative Aspekte finden, dann wird dies dazu führen, dass unsere Vorstellung, dass die Welt erbärmlich und schlecht sei, nur mehr bestätigt.

Ohne es zu merken, haben wir diesen Blickwinkel auf unsere Realität vor langer Zeit ausgewählt. Aber eigentlich wollen wir ihn nicht. Er war schlicht ein einfacher Weg, mit all der Ablehnung, die wir in der Vergangenheit erfahren haben, fertig zu werden, die uns bis ins Mark verletzt hat. Unsere Abneigung gegen alles, was uns umgibt, fungiert nach wie vor als Schutzschild.

Was wir tun können und was wir besser nicht tun sollten

Was wir sind, was wir fühlen und was wir denken, wurde während unserer Kindheit vielleicht ignoriert, verworfen oder einfach abgelehnt. Entweder passierte dies Zuhause oder in unserer weiteren, unmittelbaren Umgebung. Und vielleicht haben wir diese Erfahrung über einen längeren Zeitraum hinweg gemacht.

Als Kind konnten wir nicht verstehen, was geschah. Wir sind eben mit der Idee aufgewachsen, dass wir entweder ganz oder teilweise „böse“ wären. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Menschen, die uns so behandelt haben, sich selbst auch nicht mochten. Sie projizierten ihre Unzufriedenheit auf uns. Sie waren also in einer ähnlichen Position, wie wir es jetzt sind. Sie sahen nur, was sie für schlecht hielten, und ignorierten, was offensichtlich gut war. Es ist ein endloser Teufelskreis, der nur zu durchbrechen ist, wenn wir uns aktiv dazu entscheiden, dies zu tun und unsere Sicht auf die Welt zu ändern. 

Idealerweise sollten wir derjenige sein, der entscheidet, dass wir genug haben. Wir müssen nein zu unserer Geschichte von Unglück, Unzufriedenheit und negativen Vorurteilen sagen, um diese zu beenden.

Natürlich haben wir alle eine hässliche Seite an uns. Aber in uns haben wir auch alle einen bestimmten Selbstwert, den nichts und niemand infrage stellen kann. Wir sind nicht schlechter oder besser als andere Menschen. Wir haben das Recht, Fehler zu machen und trotzdem glücklich zu sein. Wenn wir betroffen sind, sollte es daher unser Ziel sein, eine neue Perspektive zu entwickeln.