Wenn Perfektionismus mich unglücklich macht

· 5. Februar 2016

„Oft vergessen die bewährten und perfektionistischen Menschen die Bedeutung der Effizienz.“

Ismael Díaz Lázaro

Hast du es schon einmal mit einem Perfektionisten zu tun gehabt? Wahrscheinlich ja. Das Verhalten dieser Person war dann eigentümlich und manchmal eventuell sogar lächerlich.

Perfektionisten haben das Bedürfnis, Vollkommenheit in allem, was sie tun, zu erreichen. Von der Arbeit, bis zur Ordnung der Dinge, hat alles perfekt und korrekt zu sein.

Dass der Griff der Teetasse beim Frühstück ein wenig nach unten gedreht ist, geht nicht. Für Perfektionisten muss er genau in der Mitte sein – perfekt vorbereitet. Bis zu solchen Extremen bringt es ein perfektionistischer Geist.

Bin ich ein Perfektionist?

Es gibt viele Faktoren, die dazu führen können, eine perfektionistische Persönlichkeit zu entwickeln. Perfektionismus wird auch als das „Perfektionisten-Syndrom“ oder „Anankastische Persönlichkeitsstörung“ benannt.

Manche Experten vermuten, dass die Ursache des Perfektionismus eine genetische Veranlagung haben könnte. Andere glauben wiederum, dass diese Eigenschaft eher an verschiedenen Umweltfaktoren liegt:

  • Wenn das Selbstwertgefühl von konstantem Lob abhängig ist.
  • Man in seiner Kindheit gedemütigt wurde und gesellschaftlich akzeptiert werden möchte.
  • Die Eltern sehr autoritär waren.
  • Man unter erfolgreichen Menschen aufgewachsen ist, es aber selbst nicht war.
  • Man sehr wenig Toleranz für Fehler hat.
  • Einem bewusst ist, dass die Gesellschaft sehr auf Wettkampf bedacht ist.
Frau mit Lupe

Von Geburt an sind wir konstanten Reizen ausgesetzt, die für den Rest unseres Lebens bestimmend sind. Auch wenn wir es nicht glauben, sind wir sehr beeinflussbar, und wenn wir einige dieser genannten Situationen erlebt haben, dann kann das seine Konsequenzen haben.

Die Gesellschaft, in der wir leben, mit ihren Regeln, Gesetzen, Moden und Lebensansichten, kann dazu beitragen, dass wir immer besser als andere sein wollen. Erfolglos zu sein, wird in unserer Gesellschaft eher schwerlich akzeptiert. Auch wird uns oft vermittelt, dass das wahre Lebensglück im Erfolg selbst liegt. Aber können wir wirklich mit diesem Druck leben? Auf diese Weise wird es zu einem Problem, Perfektionist zu sein.

„Erfolg ist, zu lernen, ohne Verzweiflung von Ausfall zu Ausfall zu gehen.“

Winston Churchill

Perfektion macht mich nicht besser

Korrekt in allem zu sein, die Sachen gut und richtig zu machen, auf deinem Weg zu bleiben, all das macht dich nicht besser als andere. Bedenke, desto mehr du versuchst, perfekt zu sein, desto weniger bist du es.

Wir Menschen sind nicht perfekt und wir müssen unsere eigenen Unzulänglichkeiten als etwas, das uns als Menschen ausmacht, annehmen.

Nur wenn wir die Unvollkommenheit akzeptieren, werden wir vollkommen glücklich sein können. Wenn wir zwanghaft versuchen, etwas zu sein, was wir nicht sind, macht uns das nicht glücklich, sondern unglücklich: Wir werden mit Sicherheit viel Frust und Stress bei dem Versuch erleben.

Perfektionisten leben in einem ständigen Zustand von geringer Selbstwertschätzung, der sich auch nicht durch das Lob anderer verbessert, denn sie fühlen sich nie mit ihrer Arbeit zufrieden.

Schuld, Pessimismus und Obsession sind drei Worte, die einen Perfektionisten perfekt definieren. Weil sie nie erreichen, was sie sich wünschen, da es schließlich unmöglich scheint, die absolute Perfektion zu erreichen.

Das kann verursachen, dass einige, ohne es abzusehen, in eine Depression fallen, weil sie eine Enttäuschung und Frustration nach der anderen erleben.

Gestresste Frau 2

Außerdem werden sie typischerweise zu sehr wenig spontanen und flexiblen Personen, sie verlieren ihre Natürlichkeit und erscheinen anderen daher eher steif und humorlos.

Wie bei anderen Syndromen kann der Perfektionismus auch überwunden werden. Jedoch nur, wenn sich die betroffene Person bewusst ist, dass diese Haltung sie niemals glücklich machen wird.

Wird sich die Person bewusst, dass sie ein Problem hat, und dass diese Art von eifriger Suche nach Perfektion ein Resultat des Drucks, dem sie ausgesetzt wurde, ist, so ist sie anschließend bereit für den Schritt in die Akzeptanz.

Sicherlich ist die Suche nach Verbesserung generell positiv. Alle von uns sollten lernen, sich zu verbessern, aber niemals in einem schrecklichen Perfektionseifer enden.

Wir sollten auch die Unvollkommenheit annehmen und versuchen, unser Bestes zu tun, um die Dinge so gut wie möglich zu machen, aber ohne uns darin zu verbeißen, Dinge erreichen zu wollen, die wir nicht erreichen können.