Wenn Menschen deine Gefühle verletzen: Die Bedeutung des emotionalen Ausdrucks

21 September, 2020
Hat dir jemand in deiner Kindheit beigebracht, wie man zwischen Emotionen und Gefühlen unterscheidet? Hat dir jemand beigebracht, durchsetzungsfähig zu sein? Oder wie du deine emotionalen Bedürfnisse erkennen und effektiv kommunizieren kannst?

Wenn Menschen deine Gefühle häufig oder stark verletzen und du nicht darauf reagierst, gehst du nach und nach daran kaputt. Denn stark zu sein bedeutet nicht, leise zu sein oder deine Gefühle für dich zu behalten. Stark sein bedeutet, sich zu erlauben, Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken und Grenzen zu setzen. Wir wissen, dass das nicht einfach ist, doch du kannst dich damit schützen!

Oft hört man, dass es nichts Schwierigeres gibt, als erwachsen zu sein. Mit dem Erwachsenwerden erreicht man einen Lebensabschnitt, der sich um Arbeit, Finanzen, Familie und persönliche Erfüllung dreht. Das ist gar nicht so einfach und muss gelernt sein!

Oft vergessen wir jedoch, dass in Wirklichkeit der relevanteste Teil des Lebens eines Menschen in seiner Kindheit und Jugend stattfindet. In diesen frühen Phasen, die von wichtigen Entwicklungen geprägt ist, erwirbt man die wertvollsten Erkenntnisse. Zweifellos hat eine dieser wichtigen Entwicklungen mit emotionalen Kompetenzen zu tun.

Denke einen Moment darüber nach. Hat dir jemand in deiner Kindheit beigebracht, wie man zwischen Emotionen und Gefühlen unterscheidet? Hat dir jemand beigebracht, durchsetzungsfähig zu sein? Oder wie du deine emotionalen Bedürfnisse erkennen und effektiv kommunizieren kannst?

Die Wahrheit ist, dass diese Erkenntnisse nicht immer zwangsläufig und von allein stattfinden. Deshalb fühlen sich viele Erwachsene verloren und finden sich in ihrer Umgebung nicht zurecht. Wichtige Personen können deine Gefühle verletzen, doch was tun in dieser Situation?

Eine Emotion verursacht keine Schmerzen. Widerstand oder Unterdrückung von Emotionen verursachen Schmerzen.“
Frederick Dodson

Wenn Menschen deine Gefühle verletzen: Der Schlüssel zum Durchsetzungsvermögen

Wenn jemand deine Gefühle verletzt, reagierst du normalerweise auf zwei Arten. Entweder indem du still bleibst und es über dich ergehen lässt oder sofort wütend reagierst.

Aber was passiert, wenn die Menschen, die diese unsichtbare Linie des Respekts überschreiten, dir eigentlich nahestehen? Zum Beispiel dein Partner, ein Verwandter, ein Freund oder sogar dein Chef. Dann wird alles etwas komplizierter.

In dieser Situation kann es zu Widerstand kommen, denn deine Gefühle wurden verletzt. Aber wie gehst du damit um? Wie fasst du den Mut, etwas dagegen zu tun? Wie kannst du ruhig bleiben und das Problem lösen?

Emotionale Kommunikation ist dabei zweifellos das Hauptthema, an dem du arbeiten musst. Die folgenden Punkte sind also einige der Schlüssel, welche dir helfen könnten.

Entschlüssle die Gefühle, die du fühlst, um dich selbstsicher verteidigen zu können

Antonio Damasio, der berühmte Neurophysiologe, veröffentlichte in der Zeitschrift Nature eine Studie, die uns daran erinnert, wie wichtig es ist, Emotionen von Gefühlen zu unterscheiden. Zunächst einmal ist eine Emotion eine ganze Sammlung chemischer und neuronaler Reaktionen, die du dank eines Stimulus erfährst.

  • Durch diese Reaktionen verändert sich die Homöostase, das heißt dein inneres Gleichgewicht.
  • Der Verstand übersetzt diese Emotion dann in ein Gefühl.

Was passiert also, wenn dich jemand beleidigt oder kritisiert? Du musst entschlüsseln, was der Knoten im Magen oder der schnelle Herzschlag bedeutet. Höre auf deine Körpervorgänge, bringe sie nicht zum Schweigen. Erkenne deine Gefühle und lasse ihnen Raum.

Eine traurige Frau.

“Ich fühle”: der Mut, deine Gefühle durch durchsetzungsfähige Kommunikation auszudrücken

Sobald du diesen Gefühlen in dir einen Namen gegeben hast (Demütigung, Empörung, Schmerz, Enttäuschung, Traurigkeit, Täuschung usw.), besteht der nächste Schritt in der Kommunikation. Formuliere Ich-Sätze, um deine Gefühle auszudrücken:

  • Ich fühlte mich gedemütigt, als du diesen Kommentar machtest. Du hast es vielleicht ohne nachzudenken getan, aber ich bitte dich, es zu berücksichtigen und nicht zu wiederholen.”
  • “Ich habe das Gefühl, dass du mich mit deiner Entscheidung enttäuscht hast. Du hast mich nicht berücksichtigt und meine Meinung nicht gefragt.”
Ein Paar, das davon spricht, wenn Leute deine Gefühle verletzen

Wenn Menschen deine Gefühle verletzen, fragst du nach der emotionalen Verantwortung

Wenn Menschen deine Gefühle verletzen, musst du dies berücksichtigen. Verteidige dich selbst und stelle die Situation klar, damit sie sich nicht wiederholt. Zu diesem Zweck wirst du die andere Person einladen, mit dir gemeinsam die emotionale Verantwortung zu übernehmen. Was bedeutet das? Grundsätzlich gilt:

  • Zunächst wirst du eine Vereinbarung zur emotionalen Verantwortung mit dir selbst treffen. Wenn Menschen deine Gefühle verletzen, liegt diese Verantwortung bei der anderen Person. Aber wenn sie es erneut tun und du dich verteidigt hast, liegt diese Verantwortung bei dir. Diese Verantwortung bedeutet jedoch nicht, dass du schuld bist.
  • Zweitens musst du die andere Person auf ihre Haltung aufmerksam machen. Du wirst ihr klarmachen, dass jede Art von Beziehung Respekt und Verantwortung erfordert. Was passiert ist, kann und darf sich nicht wiederholen. Beide Parteien werden von diesem Ereignis lernen und sich bemühen, einfühlsamere, menschlichere und sinnvollere Interaktionen zu schaffen.

Abschließend möchten wir nur noch einen Aspekt hervorheben: Diese Prozesse brauchen Zeit. Durchsetzungsvermögen zu erlernen und mit deinen Emotionen umzugehen, um effektiv zu kommunizieren, braucht viel Übung. Vergiss daher nicht, diese Strategien anzuwenden, wenn Menschen deine Gefühle verletzen. Du wirst damit sehr positive Änderungen erreichen.

  • Damasio, A. (2001, 25 de octubre). Sentimientos fundamentales. Naturaleza . https://doi.org/10.1038/35101669
  • Schwarz, N. (2012). Feelings-as-information theory. In Handbook of Theories of Social Psychology: Volume 1 (pp. 289–308). SAGE Publications Inc. https://doi.org/10.4135/9781446249215.n15