5 Zitate von Antonio Damasio, die helfen, unsere Emotionen zu verstehen

19. Juli 2018 en Emotionen 0 Geteilt
Zitate von Antonio Damasio - Portrait von Antonio Damasio.

Zitate von Antonio Damasio enthalten immer eine Komponente, die die Bedeutung von Emotionen für die menschliche Entwicklung herausstellen. Nur wenige Neurologen haben so viel zu unserem Wissen im Bereich der menschlichen Emotion und Motivation beigetragen wie Damasio. Die Leute nennen ihn nicht umsonst den „Gehirn-Zauberer“.

Ein weiterer angesehener und bekannter Neurologe ist Vilayanur Ramachandran, der an der Universität von Kalifornien lehrt und forscht. Er sagte einmal, dass Homo Sapiens jene faszinierenden Kreaturen seien, die in der Lage seien, in ihren eigenen Gedanken die Reflextion des Kosmos zu finden. Dieser poetische Vergleich ist so wahr wie aufschlussreich. Denn in dem Moment, in dem wir begannen, über uns selbst nachzudenken, machten wir als Spezies einen großen Schritt vorwärts.

„Das Bewusstsein ist das Ergebnis von deutlich artikulierten Tätigkeiten von einigen, wenn nicht sogar vielen, Teilen des Gehirns.“

Antonio Damasio

Auf der anderen Seite können wir nicht leugnen, dass das menschliche Gehirn fast so viele Geheimnisse hat wie das Universum selbst. Der Blick auf die unergründliche Dunkelheit des Nachthimmels, der mit Sternen übersät ist, kann fast das gleiche Gefühl von Schwindel in uns erzeugen als die Auseinandersetzung mit uns selbst. Doch laut Antonio Damasio wissen Wissenschaftler heutzutage viel mehr über das Gehirn als über das Universum. Auf die Bevölkerung treffe das jedoch nicht unbedingt zu.

Damasio ist ein ausgezeichneter Wissenschaftler und ein außergewöhnlicher Pädagoge. Er ist neugierig und leidenschaftlich. Außerdem ist er ein Neurophilosoph, der Antworten auf die Fragen geben kann, die wir uns alle irgendwann einmal im Leben stellen. Am Ende des Tages, so würde Damasio sagen, verdanken wir alles, was wir sind, alles, was wir fühlen, und alles, was wir als Gesellschaft und Zivilisation geschaffen haben, nur einem einzigen Organ, nämlich dem menschlichen Gehirn.

Eine Zeichnung eines Gehirns, umrankt von Blumen

Zitate von Antonio Damasio, die uns helfen, uns selbst besser zu verstehen

Menschen unterscheiden sich von anderen Lebewesen durch ihre hoch entwickelte Intelligenz. Es gibt dabei mehrere Aspekte unserer Intelligenz, die uns von anderen Spezies unterscheiden. Zum einen haben wir ein unglaubliches Gedächtnis, zum anderen gebrauchen wir eine sehr vielfältige Sprache. Darüber hinaus weist Damasio auf unsere Gefühle als weiteres wichtiges Merkmal des Menschen hin.

Alles, was wir sind, und alles, was wir erreicht haben, entspringt unseren Gefühlen. Sie motivieren uns, Lösungen für unsere Probleme zu finden. Sie drängen uns, Alternativen und neue Wege zu suchen, wenn wir auf Hindernisse stoßen. Ein weiteres wichtiges Kennzeichen von Damasios Theorien ist die klare Unterscheidung zwischen Emotionen und Gefühlen.

Im Gegensatz zu dem, was wir vielleicht annehmen, sind Emotionen und Gefühle nicht das Gleiche. Die nachfolgend genannten Zitate von Antonio Damasio werden uns zeigen, worin für ihn der Unterschied besteht. Viele der vorgestellten Zitate stammen übrigens aus dem interessanten Buch Der Spinoza-Effekt: Wie Gefühle unser Leben bestimmen.

1. Gefühle öffnen Türen

„Gefühle öffnen die Tür für ein gewisses Maß an willentlicher Kontrolle der automatisierten Emotionen.“

Wenn wir einer Gefahr oder einer Person gegenüberstehen, die bei uns Unwohlsein auslöst, reagiert unser Körper mit einer Emotion. Unser Herzschlag beschleunigt sich, wir bekommen Schüttelfrost, unser Magen dreht sich um … Diese Reaktionen beschreibt Damasio als Emotionen.

Emotionen gehen Gefühlen voraus, sind letztendlich auf chemische und organische Vorgänge zurückzuführen. Gefühle aber beschreibt Damasio als ein mentales Abbild unserer Interpretation der Realität sowie unseren damit verbundenen Gedanken. Es sind genau diese Gefühle, die uns helfen, eine Entscheidung zu treffen. Auf unser obiges Beispiel angewandt, heißt das, wenn uns Gefahr droht, können wir uns dazu entscheiden, wegzulaufen.

Eine Frau sitzt in einem Karton.

2. Das menschliche Bewusstsein

„Wir sind heute Morgen aufgewacht und kehrten so erstaunlicherweise zu unserem Bewusstsein zurück. Wir haben unsere Gedanken mit einem vollkommenen Gefühl für uns selbst und unsere eigene Existenz zurückgewonnen – und dennoch halten wir kaum inne, um über dieses Wunder nachzudenken.“

Antonio Damasio sagt es sehr deutlich: Die meisten Lebewesen haben ein Bewusstsein. In dem Moment, in dem ein Gehirn (eines Primaten, eines Delfins, eines Hundes oder sogar eines Reptils) ein Selbstgefühl erzeuge, erscheine das Bewusstsein. Schließlich handele es sich hierbei nicht um eine Entität in unserem Gehirn. Nein, es ist einfach nur ein Prozess, der stattfindet.

Allerdings gibt es etwas, was uns in dieser Hinsicht von anderen Spezies unterscheidet. Nämlich, dass die Evolution unser Bewusstsein viel stärker hat werden lassen. Es ist der Sitz unserer Kreativität, Erinnerung und unseres logischen Denkens.

3. Emotionen sind der Motor des Lebens

„Wir haben zuerst Emotionen und danach Gefühle, weil die Evolution zuerst Emotionen und später Gefühle hervorgebracht hat.“

Dies ist ein weiteres der tiefgründigen Zitate von Antonio Damasio. Seine Hypothese beruht auf dem folgenden Prinzip: Eine Emotion entstehe aus einer Menge chemischer Reaktionen und neuronaler Signale, die Mustern folgen. Wenn wir einen gegebenen Reiz wahrnehmen, führe der zu einer bestimmten Reaktion. Denn unser Gehirn ist das Ergebnis der Evolution erlernter Verhaltensmuster.

Also, der geistige Prozess, das, was Damasio, Gefühl nennt, kommt erst nach der emotionalen Reaktion. Damit regulieren wir unsere Emotion und lenken sie auf ein bestimmtes Verhalten hin. Wir orientieren uns an einer mehr oder weniger effektiven Art der Reaktion. Wir könnten also im Grunde sagen, dass Emotionen der Funke des Lebens seien. Sie sind es, die uns zum Handeln bringen.

Zwei menschliche Skulpturen, die sich berühren.

4. Die Bedeutung von Mitgefühl

„Wir sind keine denkenden Maschinen, die fühlen, sondern fühlende Maschinen, die denken.“

Damasio hat sich sozialen Problemen gegenüber, die unsere Gesellschaft plagen, immer sensibel gezeigt. Üblicherweise spricht er in seinen Präsentationen über Gewalt, Ungleichheit und Konflikte. Er glaubt, das wir unser Mitgefühl verloren haben. Laut Damasio lassen wir uns von negativen Emotionen wie Wut und Groll schnell überwältigen.

Wir müssen uns darauf konzentrieren, ein Umfeld zu schaffen, das positive Emotionen fördert. Nur dann können wir Erfolg haben und nur dann können wir uns besser verstehen.

5. Künstliche Intelligenz und wir

„Der Grund, warum Sci-Fi-Szenarien nicht eintreten werden, ist, dass die Klugheit der Künstlichen Intelligenzen, obwohl spektakulär, den Namen „künstlich“ verdient hat. Tatsächlich hat sie nur sehr geringe Ähnlichkeit mit den mentalen Prozessen des Menschen.“

Dies ist eines der Zitate von Antonio Damasio, das aus seiner letzten Veröffentlichung stammt. Schon zuvor äußerte der Neurologe oft Skepsis gegenüber künstlicher Intelligenz und ihrer Zukunft in unserer Gesellschaft. In seinem letzten Buch Im Anfang war das Gefühl: Der biologische Ursprung Menschlicher Kultur  erklärt er uns, warum die KI niemals so etwas wie das menschliche Bewusstsein besitzen werde. Denn anders als bei der KI ist unser Gehirn das Ergebnis eines ausgefeilten Evolutionsprozesses.

Diese computergestützten Programme, die auf Codes und Silizium basieren, haben keine Erfahrung, Emotionen, Ängste, kein Gewissen. Das ist genau der Grund, warum sie nie Gefühle haben werden. Sie können uns auf viele Arten nützlich sein, aber sie werden niemals intelligente Wesen sein.

Kinder in der Schule, die mit Robotern spielen.

Wie wir in anhand der Zitate von Damasio lesen können, sind Menschen das Ergebnis eines Evolutionsprozess des Gehirns, der durch Selbstbewusstsein, Sprache und vor allem durch Emotionen gekennzeichnet ist. Obwohl dieses aus Milliarden Neuronen bestehende Organ uns immer noch große Rätsel aufgibt, helfen uns Wissenschaftler wie Damasio jeden Tag, mehr und mehr davon – und damit uns selbst – zu entschlüsseln.

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