Wenn „Ich sollte…“ unser Leben bestimmt

· 21. Oktober 2018

Vergessen wir die Tyrannei des Sollte, Könnte und Wollte. Wir stolpern über diese Vorsätze nur und kommen so unserem Glück in die Quere. Diese Gedanken tauchen in den Gesprächen, die wir mit uns selbst führen, oft auf. Diese Gespräche drehen sich meist darum, dass wir in unserem Leben einen Schritt weiter sein sollten. Oder gar müssten. Wir untergraben unser Selbstwertgefühl, dadurch, dass wir „Ich sollte …“  gegenüber „Ich möchte …“ priorisieren.

Das mag eine uns überraschende Idee sein. In unserem täglichen Leben erleben wir jedoch einen konstanten Fluss an Verpflichtungen und Verantwortungen, der uns davonzutragen droht. Wir sind soziale Wesen. Wir glauben, dass es unsere oberste Pflicht wäre, Teil dieser perfekten, gut geölten Maschinerie zu sein. Wenn wir aus dem Rhythmus geraten oder bei einer Aufgabe versagen, dann hat das in der Regel unvermeidliche Konsequenzen für uns.

Natürlich wissen wir das auch. Und genau deshalb bringt es nichts, diesem gesellschaftlichen Druck noch mehr hinzuzufügen, was von uns selbst ausgeht. Manchmal machen wir uns so viele Gedanken und sagen uns: „Ich muss mich mehr anstrengen, um zu beweisen, wie viel ich wert bin.“  Oder vielleicht bereuen wir: „Ich hätte jenes sagen sollen, nicht dieses.“  Oder wir zweifeln: „Ich hätte mich wohl anders verhalten müssen.“  Derartige Gedanken werden uns allerdings nur entmutigen und frustrieren und im Endeffekt werden wir uns isoliert fühlen.

Eine Wolke hüllt den Kopf eines Mannes ein.

Sollte, Könnte, Wollte … alltägliche psychologische Tyrannei

Wir haben viele unterschiedliche Verpflichtungen. Diejenigen, die an unseren Reserven zehren und uns daran hindern, wir selbst zu sein, sind auch diejenigen, die uns umtreiben. Das sind Gedanken wie „Ich sollte meine Eltern besuchen“,   „Ich sollte mehr Sport treiben“, „Ich sollte abnehmen“, „Ich sollte mich mehr anstrengen, um bei der Arbeit befördert zu werden“  oder auch „Ich sollte eine bessere Menschenkenntnis haben“.  Alles dreht sich um dieses oder jenes, in der Hoffnung, dass es uns glücklich machen würde.

Diese Gedanken verwandeln unsere Wünsche oder Vorlieben jedoch in Alles-oder-Nichts-Verpflichtungen und führen nur zu Zwängen. Wenn wir in diese Falle des Sollen, Können und Wollen geraten, tun wir gut daran, uns an ein paar grundlegende Prinzipien zu erinnern:

  • Erstens: Wir malen uns aus, wie die Dinge in unserem Leben laufen sollten. Warum tun wir das? Niemand hat eine magische Kristallkugel, in der sich die Zukunft abzeichnet.
  • Zweitens: Wir fokussieren uns auf das, was wir noch nicht erreicht haben. Doch indem wir dies tun, hören wir auf, andere Optionen wahrzunehmen, die uns offenstehen. Warum geben wir uns der Hoffnung hin, abzunehmen oder den perfekten Körper zu formen, anstatt uns so zu akzeptieren, wie wir sind?
  • Drittens und letztens: Dieses Verhalten und diese Fokussierung frisst eine Unmenge unserer Energien und Ressourcen. Manchmal machen wir uns sogar Vorwürfe, dass wir nicht das getan haben, was wir „hätten tun sollen“ oder „hätten tun wollen“. Es ist eine schmerzliche Form der Selbstsabotage.

Wie wir die Sollen-Können-Wollen-Obsession vermeiden und uns freier fühlen

„Ich muss“  und „Ich sollte“  nehmen unsere Gedanken ein. In einem Artikel in Psychology Today  wurde sogar berichtet, dass diese Gedanken in unsere neuronalen Schaltkreise eingreifen, in die tiefsten und primitiveren Teile unseres Gehirns, wie die Amygdala und das Corpus striatum.

Wir haben diese Gedankenmuster seit der Kindheit verinnerlicht, immer bereit, „was auch immer zu tun“ oder „zu folgen“, was die Gesellschaft auch von uns verlangt. Aber diese Gedanken können uns unseres Glücks und unserer Freiheit berauben. Albert Ellis sagte, dass diese geistigen Tyranneien irrationalen Gedankengängen gleichen.

Hier sind einige Strategien, um das Sollen-Können-Wollen-Diktat aus unserem Leben zu verbannen.

  • Denken wir doch mehr über die Verantwortung nach, die in unserem Bewusstsein so tief verankert ist, dass wir diese nicht einmal wahrnehmen. Manchmal fühlen wir uns verpflichtet und merken es gar nicht. Wir können es auch vergessen, wenn andere (Familie, Gesellschaft usw.) uns eine Verantwortung übertragen haben. Aber welche Verantwortung tragen wir wirklich? Welche Pflichten sind unabdingbar?
  • Konfrontation mit unseren Pflichten. Müssen wir wirklich so sein wie andere, um glücklich in unserem Leben zu sein?
  • Wir sollten uns dieses Alles-oder-Nichts-Gedanken bewusst werden. Wird die Welt wirklich enden, wenn wir keine Perfektion erreichen?
  • Registrieren wir jeden unserer Gedanken und fangen wir an, diese zu filtern: Diese Gedanken aufzuschreiben, hilft uns, uns dieser bewusst zu werden. Wir könnten beispielsweise ein Tagebuch führen. So können wir herausfinden, was uns unser Verstand sagt, was unser Herz fühlt, was uns beunruhigt. Zwei Wochen später sollten wir zurück zu diesen Einträgen blättern und uns mit dem auseinandersetzen, was wir gedacht haben. Das kann uns helfen, bestimmte Denkprozesse zu identifizieren und zu kontrollieren.
Eine Frau grübelt über ihre Optionen nach.

Zusammenfassend sei gesagt, dass wir alle gelegentlich denken, dass wir mehr sollen, können oder wollen. Wir brauchen uns dieser Gedanken nicht vollständig zu entledigen, sondern vielmehr dafür sorgen, dass sie nicht zu einem Diktat werden. Es geht darum, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen „Ich sollte“  und „Ich will“  zu erreichen.