Wenn Ergebnisse von der Erkenntnistheorie abhängen

· 15. März 2019

Wahrscheinlich hast du schon einmal den Begriff der Epistemologie oder auch Erkenntnistheorie gehört. Schon die Komplexität der Bezeichnungen lässt dieses Thema interessant erscheinen – und das ist es ja auch tatsächlich. Viele Leute haben diese Theorie studiert und diskutiert. Aber was ist Epistemologie eigentlich? Die Erkenntnistheorie ist jener Zweig der Philosophie, der das Wissen selbst behandelt.

Das Wissen ist die Menge von Informationen und Fakten, die du als wahr akzeptierst. Wenn du jedoch lediglich einige bestimmte Gegebenheiten als wahr akzeptierst, bedeutet dies, dass du glaubst, dass andere Angaben falsch seien. Daher konzentriert sich die Erkenntnistheorie auf die Kriterien, welche das Wissen bestätigen.

Das Gegenteil ist die Zerstörung von Wissen, was als Epistemizid bezeichnet wird. Ein historisches Beispiel für einen Epistemizid finden wir im Mittelalter, als Frauen verbrannt wurden, weil man sie für Hexen hielt. Die Wahrheit ist jedoch, dass man diese Frauen verbrannte, weil sie an Tatsachen glaubten oder von ihnen Kenntnis hatten, mit denen die Machthaber nicht übereinstimmten und die sie in Gefahr bringen konnten. Um dieses Wissen zu töten, töteten sie die „Hexen“.

Ein Gemälde von Soldaten, die Frauen angreifen.

Arten des erkenntnistheoretischen Wissens

Die Erkenntnistheorie studiert also das Wissen selbst. Genauer gesagt, sie untersucht, wie du Wissen erwirbst. Nun, nach welchen Kriterien lässt sich Wissen denn überhaupt erwerben? Die Erkenntnistheorie definiert dazu Begriffe wie „Wahrheit“, „Objektivität“, „Realität“ und „Rechtfertigung“. Dabei ist die Erkenntnistheorie auch geeignet, um zu definieren, was Wissenschaft eigentlich ist.

Um nun zu wissen, was als Wissen zählt und was nicht, musst du dich zuerst fragen, ob es möglich ist, eine universelle Wahrheit zu verstehen. Wenn du denkst, dass dies nicht möglich sei, bist du skeptisch. Wenn du der Meinung bist, dass bestimmte universelle Wahrheiten existieren, kommen zwei neue Fragen auf.

Die erste Frage ist, wie du diese Wahrheit finden kannst? Wenn du glaubst, dass du sie mit deinen Sinnen erreichen könnest, dann bist du ein Empiriker. Wenn du andererseits der Meinung bist, dass du die Wahrheit unter Einsatz deiner Vernunft finden könnest, bist du ein Rationalist.

Die zweite Frage bezieht sich auf den Gegenstand der Wahrheit. Wenn du denkst, dass das Objekt dieser Wahrheit in dir selbst liege (zum Beispiel deine Meinung zu etwas), dann bist du ein Idealist. Wenn das Objekt der Wahrheit jedoch eine äußere Realität ist, dann bist du ein Realist.

„Ich glaube, dass die vom Fernsehen erzeugte Erkenntnistheorie nicht nur einer auf Druck basierenden Erkenntnistheorie unterlegen, sondern auch gefährlich und absurdistisch ist.“

Neil Postman

Auswirkungen des Vorzugs einer Epistemologie gegenüber einer anderen

In der Psychologie wie auch in anderen Wissenschaften ist es wichtig, eine erkenntnistheoretische Position zu vertreten. Die Menschen glauben im Allgemeinen, dass Wissenschaftler Wissen durch den Einsatz ihrer Sinne erlangen. Demnach wären Wissenschaftler allesamt Empiriker. Darüber hinaus auch Realisten, denn sie scheinen zu glauben, dass die Wahrheit stets in der äußeren Realität liege.

Diese Position teilen jedoch nicht alle Wissenschaftler. Es gibt Denkschulen wie die des Interpretationismus, Konstruktivismus oder Humanismus, und keine von ihnen gibt die gleichen Antworten auf die epistemologischen Fragen, die wir zuvor erwähnt haben. Positivismus und Postpositivismus dagegen befinden sich näher an der Erkenntnistheorie, über die wir im vorigen Abschnitt gesprochen haben. Folglich gibt es eine Debatte darüber, welche Erkenntnistheorie diejenige ist, die wahres Wissen anbietet.

Die Uneinigkeit nährt sich auch daraus, dass das Wissen, das von jeder dieser Denkschulen ins Spiel gebracht wird, unterschiedlich ist. Obwohl sie viele Gemeinsamkeiten haben, werden sich die Arten des Erwerbs von Wissen oder die angewandten Methoden von Schule zu Schule unterscheiden. Folglich kann das Wissen einer Denkschule von einer anderen abgelehnt werden – und umgekehrt.

Ein Turm aus Steinen

Auswirkungen in der Psychologie

Es scheint, als sei die Erkenntnistheorie nichts anderes als eine wissenschaftliche Diskussion ohne Antwort. In diesen Tagen gibt es jedoch eine Debatte, die für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden äußerst relevant ist. Bei dieser Debatte geht es um alternative Therapien wie zum Beispiel die homöopathische Medizin.

Die Menschen haben die Wirksamkeit homöopathischer Produkte infrage gestellt. Funktionieren sie wirklich? Die Antwort, die der Postpositivismus gibt, ist „nein“. Verschiedene Experimente bestätigen, dass sie außer dem Placebo-Effekt keine wirklichen Auswirkungen auf den Körper haben. Diejenigen, deren epistemologische Position im Zentrum des Rationalismus und des inneren Objektes steht, argumentieren jedoch, dass, wenn diejenigen, die die Medizin anwenden, sagen, dass sie funktioniere, dann sei das Ziel doch erreicht.

Du siehst also, dass die Debatte über alternative Therapieformen auch epistemologisch geführt werden kann. Abhängig von den Antworten auf die Fragen, die wir zu Beginn des Artikels gestellt haben, magst du zu dem Schluss kommen, dass alternative Therapien wirksam wären – oder eben nicht.

Es ist also sinnvoll, die erkenntnistheoretische Position der Menschen zu kennen, die ihren jeweiligen Glauben verteidigen, wenn du mit ihnen diskutieren willst. Und nicht nur das, du musst auch ein kritischer Denker sein und die Einschränkungen kennen, die verschiedene Methoden haben, wenn es darum geht, echtes Wissen zu erlangen. Denn tatsächlich kennt keine der genannten Positionen die ultimative Wahrheit.

  • Blanco, A., De la Corte, L., & Sabucedo, J. M. (2018). Para una psicología social crítica no construccionista: Reflexiones a partir del realismo crítico de Ignacio Martín-Baró. Universitas Psychologica, 17(1), 1–25. doi:10.11144/Javeriana.upsy17-1.pscc
  • Lewin, K. (1991). Epistemología comparada. Madrid: Tecnos.