Was will ich? – Eine Frage für schwierige Zeiten

22. Februar 2019

Wir alle durchleben schwierige Zeiten in unserem Leben. Zum Beispiel eine Trennung oder den Verlust eines langjährigen Jobs. Oder wir haben einen unerwarteten Unfall, der uns in vielerlei Bereichen unseres Lebens einschränkt. Solche Umstände zwingen uns dazu, uns selbst eine unangenehme Frage zu stellen, die uns dazu bringt, alles, was wir bisher für selbstverständlich hielten, zu überdenken: Was will ich?

Es ist nicht leicht, diese Frage zu beantworten. Tatsächlich kann uns diese Frage überraschen, und wir fühlen uns vielleicht zu verloren und unfähig, sie zu beantworten. Denn wer fragt sich ernsthaft, was er möchte? Viele Male lassen wir uns gehen. Wir funktionieren im Autopiloten. Wir sind so sehr an das gewöhnt, was wir tagtäglich tun, dass wir nicht innehalten um zu analysieren, ob wir wirklich glücklich sind.

Aber irgendwann passiert uns etwas, das uns zwingt, uns diese Frage zu stellen. Es ist, als ob wir uns bis jetzt wohl und friedlich gefühlt hätten und von einem Moment auf den anderen gewaltsam aus dieser Komfortzone herausgerissen worden wären. Manche Menschen schätzen solche Situationen und beginnen schließlich, ihr Leben wie nie zuvor zu genießen. Andere jedoch verbleiben eine lange Zeit im Schockzustand. Sie kommen überhaupt nicht voran.

Ein Mann steht vor einer Leiter, die in einer Wolke verschwindet.

Was will ich? – Eine unangenehme und entscheidende Frage

Vielleicht wunderst du dich, warum „Was will ich?“,  eine so schwierige und unangenehme Frage sein soll. Der Grund ist, dass diese Frage für unseren weiteren Lebensweg entscheidend ist. Sie bedeutet Veränderung, und wie wir alle wissen, neigen wir Menschen dazu, uns gegen Veränderungen zu sträuben. Und obwohl Veränderung nicht immer etwas Negatives ist, sind die Umstände, die sie bewirken, manchmal sehr belastend. Daher sehen wir die Veränderung selbst als etwas Negatives an.

Schauen wir uns das Beispiel einer Frau an, die einen Autounfall erlitt und in jungen Jahren ihr Bein verlor. Sie heißt Paola Antonini. Sie arbeitet heute als Model, hat einen YouTube-Kanal und inspiriert viele Menschen, die ihr folgen, ob sie nun eine Amputation erlitten haben oder nicht.

Paola Antoninis Geschichte

Wenn wir etwas tiefer in die Geschichte dieser jungen Frau eintauchen, werden wir feststellen, dass sie nach ihrem Unfall fast eine Stunde auf einen Krankenwagen warten musste. Da ahnte sie bereits, was ihr drohte, und sie litt unter starken Schmerzen. Aber in dieser Zeit wollte sie nur noch am Leben bleiben.

Ihre Genesung war sehr anstrengend. Die Prothese tat weh, aber zumindest konnte sie laufen! Paola stellte sich nach ihrer Operation jene unangenehme Frage: Was will ich? 

Momentan reist sie viel, hat immer ein Lächeln im Gesicht und ermutigt andere. Für sie war der Unfall keine Schande. Er war eine Gelegenheit, ihr Leben umzuleiten und es viel intensiver zu leben.

Eine Trennung, ein Unfall oder ein Problem kann dazu führen, dass wir unser Leben mehr wertschätzen.

Ein Schritt in Richtung Veränderung tut weh

Vielleicht ist die Frage „Was will ich?“  gar nicht unangenehm. Vielleicht ist die Veränderung das Unangenehme. Viele Änderungen sind allerdings positiv und zwingen uns, Verhaltensmuster hinter uns zu lassen, von denen wir sowieso nicht profitierten.

Die Tatsache, dass unser Partner uns verlassen hat, kann eine Chance sein, der emotionalen Abhängigkeit ein Ende zu setzen, die uns vielleicht nicht einmal bewusst war. Wenn uns der Job gekündigt wird, kann es an der Zeit sein, das Projekt zu beginnen oder zu fortzusetzen, für das wir „nie Zeit“ hatten. Jeder von uns muss herausfinden, was er verschoben und beiseite gelegt hat und was ihn wirklich inspiriert, und schließlich seine Angst überwinden.

Ein Frau sitzt in rotem Rauch.

Die Antwort auf die Frage „Was will ich?“  kann für uns auch kristallklar sein. Das Problem ist häufig, dass unsere Ängste uns davon abhalten, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. In schwierigen Zeiten ist es notwendig, innezuhalten, sich Zeit zu nehmen, um den Schmerz zu spüren und die Entscheidung zu treffen, von der wir schlussendlich wirklich profitieren.

Vermeide nicht die Schmerzen und versuche nicht, vor ihnen zu flüchten. Gehe diesen Schritt und lebe diesen Schmerz, um ihn in Hoffnung, Frieden und Ruhe zu verwandeln.