Höre auf, so viel nachzudenken, und beginne, zu leben

· 29. November 2018

Vielleicht kommt dir die folgende Frage seltsam vor, aber verbringst du deine Zeit in deinen Gedanken oder in der Gegenwart? Es scheint so, als würden wir zwischen all den Gedanken, mit denen wir in der Vergangenheit oder Zukunft feststecken, das Wichtigste verlieren: das Hier und Jetzt. Die meisten von uns leben wie vom Autopiloten gesteuert, zwischen gestern und morgen, zwischen dem, was sie getan haben, und dem, was erst noch kommen wird.

Zu viel Zeit mit Nachdenken zu verbringen, in Sorge und Erwartung zu grübeln, tut uns nicht gut, weil wir uns dabei von unseren Gedanken abhängig machen. Aus diesem Grund fühlen wir uns einsam, wenn wir uns dann mit der Realität unserer Existenz auseinandersetzen. Das Problem dabei ist, dass es kein Geheimrezept dafür gibt, dieses Problem schnell zu lösen. Das Geheimnis, endlich zu beginnen, zu leben, könnten wir nicht besser als mit diesen fünf einfachen Worten beschreiben: Höre auf, so viel nachzudenken.

Um diese tiefgründige Botschaft zu verstehen, sollten wir uns unseren Verstand als eine unserer Komfortzonen vorstellen. Er besteht aus vielen Gedanken, die wir anhäufen und die uns daran hindern, die Gegenwart bewusst wahrzunehmen. Es ist dieser mentale Lärm, der uns von jedem Augenblick ablenkt und uns dazu verdonnert, in der Vergangenheit oder Zukunft zu leben.

Wie du dank Mindfulness aufhören kannst, so viel nachzudenken

Eine der empfehlenswertesten Methoden, um unserem Gedankengefängnis zu entkommen, ist Mindfulness. Diese Praktik besteht nicht darin, uns hinzusetzen, einfach ruhig zu sein und an nichts mehr zu denken. Vielleicht hast du etwas Ähnliches schon einmal ausprobiert und dir dann gedacht, dass das rein gar nichts nütze.

Wer die Mindfulness-Praktik nicht beherrscht, bei dem häufen sich die Gedanken, sie erscheinen verwirrend und schreien aus dem tiefsten Inneren seines Verstandes: „Du bist doch verrückt, du kannst nicht einfach aufhören, zu denken!“ 

Genau das passiert zu Beginn einer dieser Übungen. Es ist eine Tatsache, dass wir nicht daran gewöhnt sind, unsere Gedanken auf natürliche Weise durch unseren Geist fließen zu lassen, ohne sie zu bewerten oder zu unterdrücken. Es geht darum, schlichtweg zuzulassen, dass wir sie haben, während sie kommen und gehen und wir uns auf das Hier und Jetzt konzentrieren.

Frau praktiziert Mindfluness auf einer Feder sitzend

Auch wenn uns das nur schwer gelingt, erkennen wir, was der Satz „Höre auf, so viel nachzudenken“ tatsächlich bedeutet, sobald wir unsere Gedanken fließen lassen. Wenn wir unsere Gedanken nicht mehr bewerten und sie nur noch beobachten, so als wären sie einen Film, den wir sehen, lassen wir sie nicht länger unsere Realität beeinflussen und wir sehen klarer. Wir beginnen, die wahre Realität zu erkennen.

„Bewusst zu leben bedeutet, eine Zeit lang von Urteilen Abschied zu nehmen, unsere kurzfristigen Ziele für die Zukunft einmal beiseite zu lassen und den gegenwärtigen Moment so zu nehmen, wie er ist, und nicht, wie wir ihn gerne hätten.“

Mark Williams

Das Leben findet in der Gegenwart statt

Wann hast du das letzte Mal eine Pause gemacht, um frische Luft zu schnappen? Bist du dankbar dafür, jeden Morgen nach dem Aufstehen warmes Wasser zu haben? Vielleicht lautet deine Antwort nein, weil dein Verstand zu sehr damit beschäftigt ist, daran zu denken, dass du zu spät zur Arbeit kommst, du später noch die Kinder abholen musst und du überlegst, was du noch einkaufen wolltest.

Ein weiteres Beispiel ist, wenn wir grundlos Angst empfinden. Gibt es etwas, vor dem wir fliehen oder uns verstecken müssen, das real ist? Nein! In unseren Gedanken läuft allerdings ein Film ab, von dem wir tatsächlich glauben, dass er der Wahrheit entspräche.

Wenn du einmal darauf achtest, ist dein Verstand voller Gedanken über die Vergangenheit und Zukunft, aber die Gegenwart geht zwischen all diesen Gedanken verloren. Den Stress, unter dem du leidest, erschaffst du mit deinen Gedanken. Viele der Probleme, die du hast, werden durch deine mentale Aktivität erzeugt. Du machst dir zu viele Sorgen über die Zukunft. Nichts davon ist real. Erst wenn es passiert und zur Gegenwart wird, musst du es konfrontieren.

Ausgeglichene Frau

Du solltest daher du aufhören, so viel nachzudenken, und das besser heute als morgen. Nimm dir einen Moment lang Zeit für dich, um dich von diesem Gedankenstrudel freizumachen, der es dir nicht erlaubt, die Gegenwart zu genießen, und dich Gefühle verspüren lässt, die Unbehagen auslösen.

„Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts machen kann. Einer davon nennt sich ‚gestern‘ unter der andere ‚morgen‘. Deswegen ist der heutige Tag zum lieben, wachsen, erschaffen und vor allem zum Leben da.“

Dalai Lama

Anstatt so viel zu grübeln, solltest du dich lieber trauen, zu leben und darauf zu warten, dass die Dinge einfach geschehen, ohne sie vorwegzunehmen. Denke nicht länger an die Vergangenheit, mach aus ihr nicht deine Gegenwart, weil sie nicht Teil des gegenwärtigen Moments ist. Lebe jeden Tag so, als würdest du zum ersten Mal frische Luft atmen, als würdest du zum allerersten Mal Wasser trinken oder ein leckeres Essen zu dir nehmen.

Sei dir der meisten Momente in deinem Leben bewusst. Sei dir jeden Augenblick deiner Existenz bewusst, sogar wenn du arbeitest. Merkst du jetzt, wie deine Finger leicht die Tastatur berühren? Merkst du, wie dich deine Beine stützen und dir erlauben, von A nach B zu gelangen? Verbinde dich mit deinem Leben, verbinde dich mit dir und höre am besten ein für alle Mal auf, so viel nachzudenken.