Was ist Zyklothymia? – Symptome einer belastenden Erkrankung

3. September 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Symbolbild einer Zyklothymia.

Das entscheidende Symptom der Zyklothymia (auch zyklotomische Störung, nicht aber Zyklothymie genannt) sind chronische Stimmungsschwankungen. Man könnte sagen, dass es sich um den „kleinen Bruder“ der bipolaren Störung handele.

Bei Personen mit Zyklothymia bestehen die Stimmungsschwankungen aus deutlich ausgeprägten hypomanischen und depressiven Episoden. Den Leitlinien zur Diagnose zufolge ist es so, dass die hypomanischen Symptome in Anzahl, Schwere, Ausmaß und Dauer unzureichend sind, um die Kriterien einer ebensolchen Phase der bipolaren Störung zu erfüllen. Das Gleiche gilt für die depressiven Symptome. Die depressiven Symptome sind in Anzahl, Schwere, Ausmaß und Dauer unzureichend, um die Kriterien einer schweren depressiven Phase zu erfüllen. Sonst würden wir in diesem Text von einer bipolare Störung sprechen. Die ähnlichen, aber weniger schweren Symptome sind der Grund, warum manche Leute die Zyklothymia als den „kleinen Bruder“ der bipolaren Störung bezeichnen.

Hypomanische und depressive Symptome

Der Terminus Hypomanie bezieht sich auf einen Zustand, welcher einer Manie ähnlich ist, aber weniger intensiv verläuft. Die hypomanische Episode ist eine Phase mit vorübergehenden Symptomen wie einem gesteigerten Antrieb oder Erregung. Sie wird oft als weniger intensive oder „unvollständige“ Form einer manischen Episode beschrieben.

Eine Frau mit Stimmungsschwankungen

Die hypomanischen Symptome umfassen eine Hochstimmung, welche mehrere Tage andauern kann. Es kommt zudem zu verstärkter Erregbarkeit, verkürzter Schlafzeit, Hyperaktivität und übertriebenem Selbstvertrauen. Alle diese Merkmale weichen von dem vorherigen emotionalen Zustand der Person erheblich ab. Im Gegensatz zur Manie ist ein Krankenhausaufenthalt wegen Hypomanie normalerweise nicht notwendig.

Was die depressiven Symptome der Zyklothymia anbelangt, so ähneln sie gewöhnlich denen depressiver Menschen. Nichtsdestotrotz sind diese Symptome normalerweise nicht so auffällig oder intensiv wie bei der klassischen Depression.

Symptome der Zyklothymia bzw. zyklotomischen Störung

Wie bei den meisten psychischen Erkrankungen muss der Patient klinisch signifikante Stimmungsschwankungen oder Beeinträchtigungen aufweisen, um diese als Zyklothymia diagnostizieren zu können. Die Stimmungsschwankungen können das soziale Leben, die Arbeit oder andere wichtige Aspekte des täglichen Lebens des Patienten beeinträchtigen oder benachteiligen.

Über das zuvor Geschriebene hinaus müssen die Symptome für mindestens zwei Jahre persistent, also einige Zeit andauernd, sein. Bei Kindern und Jugendliche müssen sie allerdings nur für ein Jahr, anstelle der üblichen zwei Jahre, vorhanden sein, um die Diagnose stellen zu können. Darüber hinaus darf der Patient nicht länger als zwei Monate beschwerdefrei sein. Symptomfreie Perioden von mehr als zwei Monaten bedeuten, dass die Person nicht an einer Zyklothymia erkrankt ist. Wie bereits erwähnt, darf sie auch nicht die übrigen Kriterien für eine schwere Depression, Manie oder Hypomanie erfüllen.

Es liegt auch keine Zyklothymia vor, wenn das Muster der Stimmungsschwankungen besser durch eine schizoaffektive Störung, Schizophrenie, wahnhafte oder psychotische Störung oder anderweitige Schizophrenie-Spektrum-Störung erklärt werden kann. Grundsätzlich sollte sie nicht den diagnostischen Kriterien einer anderen psychischen Krankheit entsprechen.

Zudem ist es wichtig, die Zyklothymia nicht mit einem veränderten Stimmungszustand zu verwechseln, welcher durch ein psychoaktives Medikament oder andere pathologische Gegebenheiten verursacht wurde. Dies ist für eine genaue Diagnose deshalb von Bedeutung, da einige Substanzen ähnliche Symptome auslösen können.

Diagnostische Kriterien der Zyklothymia

Gemäß dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders in der 5. Auflage müssen folgende Diagnosekriterien für eine Diagnose von Zyklothymia vorliegen:

  • Perioden mit hypomanischen Symptomen, die nicht den Kriterien für eine hypomanische Phase entsprechen, bzw. Perioden mit depressiven Symptomen, die nicht den Kriterien für eine depressive Phase entsprechen, welche für mindestens zwei Jahre (ein Jahr bei Kindern und Jugendlichen) anhalten.
  • Während der vorher erwähnten zweijährigen Phase müssen die hypomanischen und depressiven Perioden mehr als die Hälfte der Zeit und für mindestens sechs aufeinanderfolgende Monate vorhanden sein.
  • Die Symptome erfüllen zu keiner Zeit die Kriterien für eine schwere Depression oder eine manische oder hypomanische Phase.
  • Die Symptome können nicht durch eine schizoaffektive Störung, Schizophrenie, wahnhafte oder psychotische Störung oder anderweitige Schizophrenie-Spektrum-Störung erklärt werden.
  • Die Symptome können nicht auf die psychopharmakologischen Wirkungen einer Substanz (z. B. Arzneimittel oder Drogen) oder anderer medizinischer Zustände (z. B. Hyperthyreose) zurückgeführt werden.

Eine Frau mit Zyklothymia sitzt auf dem Fußboden

Eine zyklotomische Störung ist oft schwer zu bewältigen und verläuft in der Regel chronisch. Darüber hinaus haben Patienten mit Zyklothymia ein Risiko von 15-50 %, später eine Bipolar-I- oder Bipolar-II-Störung zu entwickeln.

Wie wir gesehen haben, ist die Zyklothymia bzw. die zyklotomische Störung eng mit der bipolaren Störung verwandt. Der eine große Unterschied besteht allerdings darin, dass weder die hypomanischen Symptome noch die depressiven Symptome den Kriterien für eine manische oder depressive Phase entsprechen.

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