Bipolare Störung – wie das Leben auf einer Achterbahn

· 12. Juni 2018

Die bipolare Störung ist eine der faszinierendsten Erkrankungen für diejenigen, die sich für die klinische Psychologie interessieren. Die Vorstellung, dass sich ein Mensch zwischen zwei verschiedenen Extremen oder Polen bewegen kann, erstaunt und erschreckt uns zugleich. Der populären Vorstellung von der bipolaren Störung nach, können wir alle an ihr erkranken und es gebe niemanden, wie intelligent auch immer er sei, der absolute emotionale Stabilität genieße. Wie oft hast du von jenen Laien schon gehört, dass Menschen mit bipolarer Störung eine doppelte Persönlichkeit hätten? Und was ist die wahre Natur dieser Störung, die dazu führt, dass eine Person „zweierlei Persönlichkeiten“ pflegt? Was sind die Unterschiede zwischen bipolarer Störung und Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Bipolare Störung – Was ist das?

Die bipolare Störung ist eine affektive Störung, die durch Stimmungsschwankungen gekennzeichnet ist, mit Phasen der Manie (Euphorie), Hypomanie (Euphorie von geringerer Intensität) oder Mischphasen, wobei diese mit depressiven Episoden einhergehen. Nach dem Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen gebe es verschiedene Arten von bipolaren Störungen:

  • Bipolare Störung I: mindestens eine Episode der Manie oder eine gemischte Episode, wobei diese vor oder nach depressiven Episoden auftreten kann.
  • Bipolare Störung II: weniger schwere manische Symptome; hypomanische Phasen und depressive Episoden.
  • Zyklothymie: Hypomanie wechselt sich mit subklinischen depressiven Störungen ab.
Eine Frau weicht Fragen aus.

Es ist eine relativ häufige Erkrankung, die in allen Altersgruppen und Geschlechtern auftritt, obwohl sie meist bei Patienten im Alter von 15-25 Jahren diagnostiziert wird. Wenn die Erkrankung bei über 60-jährigen auftritt, ist es wahrscheinlich, dass sie einen organischen Ursprung hat, der entsprechend behandelt werden muss.

Wie die überwiegende Mehrheit der Erkrankungen beeinflusst auch die bipolare Störung das Wohlbefinden des Betroffenen. Sie senkt seine Lebensqualität. Die Selbstmordraten sind unter bipolaren Menschen besonders hoch – und während akuter Schübe noch viel höher.

Die Höhen und Tiefen

Das Diagnostische und Statistische Manual Psychischer Störungen legt die Kriterien für die verschiedenen Arten von manischen, hypomanischen, gemischten und gemischten Episoden fest.

Die manische Episode ist eine Stimmungsänderung, die mindestens eine Woche anhält und in der drei oder mehr der folgenden Symptome andauern:

  • Übertriebenes Selbstwertgefühl
  • Redseliger als sonst
  • Ideenreichtum
  • Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit auf jemanden oder etwas zu richten
  • Geringes Bedürfnis nach Schlaf
  • Psychomotorische Unruhe
  • Übermäßige Beteiligung an genussvollen Aktivitäten mit großem Potenzial für schwerwiegende Folgen

Die hypomanische Episode ist eine Stimmungsänderung, die mindestens vier Tage andauert und mit drei oder mehr der oben genannten Symptome der manischen Episode einhergeht. Die Veränderung der Stimmung und der Aktivität kann von anderen beobachtet werden, aber sie wird oft nicht als schwerwiegend angesehen und es treten keine psychotischen Symptome auf.

Die schwere depressive Episode zeigt sich über mindestens zwei Wochen in den folgenden Symptomen:

  • Verlust oder Zunahme von Gewicht oder Appetit
  • Schlaflosigkeit oder Hypersomnie
  • Müdigkeit
  • Unruhe oder psychomotorische Verlangsamung
  • Gefühle von Nutzlosigkeit oder Schuld
  • Verminderung der Konzentration
  • Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung
  • Wiederkehrende Gedanken an den Tod

Die gemischte Episode kombiniert die Symptome einer (hypo-)manischen Episode und einer schweren depressiven Episode und hält mindestens eine Woche an.

In keiner dieser Episoden sind die Symptome auf die Wirkungen einer Substanz oder Behandlung zurückzuführen. Wenn das der Fall wäre, darf keine bipolare Störung diagnostiziert werden, selbst wenn jemand alle oben genannten Kriterien erfüllt.

Die Behandlung von Menschen mit psychopathologischen Störungen sollte die gleiche sein wie bei anderen Krankheiten. Wir sollten den Patienten nicht stigmatisieren oder ihm die Schuld an seinem Leiden geben.

Eine verstörte Frau erscheint im Spiegel.

Die Unterschiede zwischen bipolarer Störung, Borderline-Persönlichkeitsstörung und dissoziativer Identitätsstörung

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPD) gehört zu den schwerwiegendsten Persönlichkeitsstörungen. Der Mangel an emotionaler Regulation im Rahmen der BPD muss von dem Ungleichgewicht, das bei einer bipolaren Störung auftritt, unterschieden werden. Die BPD weist folgende Merkmale auf:

  • Globale Instabilität, die den Zustand des Geistes, das Selbstbild und das Verhalten beeinflusst
  • Intrinsische und dauerhafte Schwierigkeiten beim Aufbau stabiler Bindungen, die bei bipolaren Patienten nicht auftreten
  • Riskantes Verhalten, das in der Regel durch zwischenmenschliche Konflikte und Beziehungsprobleme ausgelöst wird
  • Gefühle von Leere und Langeweile
  • Impulsivität, unkontrollierte Wut, Aggressivität gegenüber sich selbst und nach außen
  • Drohungen oder aggressive Gesten, Selbstverstümmelung, Selbstmord

Nun wollen wir noch unsere Frage vom Anfang beantworten: Die Bipolare Störung erzeugt keine „zwei Persönlichkeiten“. Wenn die Trennung die höchste Ebene unseres Seins betrifft – unsere Persönlichkeit – dann handelt es sich um eine dissoziative Identitätsstörung, also um eine gespaltene oder multiple Persönlichkeit. Menschen mit mehreren Persönlichkeiten erleben zwei oder mehr unterschiedliche Identitäten, wobei mindestens zwei von ihnen wiederholt die Kontrolle über das Verhalten des Betroffenen übernehmen. Darüber hinaus fühlen sich Menschen mit dieser Erkrankung nicht in der Lage, sich wichtige persönliche Informationen zu merken, abhängig von der Persönlichkeit, die in diesem Moment dominiert.

Eine blonde Frau weint.

Die überwiegende Mehrheit der Menschen, die im Bereich der psychischen Gesundheit arbeiten, ist der Meinung, dass neben den pharmakologischen auch andere Maßnahmen erforderlich seien, um eine bipolare Störung zu heilen. Einzel- oder Gruppenpsychotherapien seien in diesen Fällen sehr nützlich, wird überzeugend dargelegt.

Schließlich helfen diagnostische Etiketten für eine individuellere Behandlung, denn wir dürfen nicht vergessen, dass jeder Mensch anders ist. In diesem Sinne können zwei Betroffene sehr unterschiedliche Erfahrungen mit einer Erkrankung machen. Gemeinsam haben sie, dass ihnen gesellschaftliche Etiketten und Stigmata nicht helfen.