Was ist ein psychologisches Debriefing?

· 6. Dezember 2018

Ein psychologisches Debriefing ist eine Intervention, die in den ersten Tagen nach einem traumatischen Ereignis stattfindet. Dieses Ereignis kann eine Naturkatastrophe (Erdbeben, Überschwemmung usw.), ein Autounfall oder Ähnliches sein.

Eine Gruppe von Personen, die ein Ereignis auf vergleichbare Weise erlebt habt, kommt für ein solches Debriefing zusammen. Ziel ist es, den Personen konzentrierte Unterstützung anzubieten, die unter traumatischen Bedingungen in die gleiche Situation verwickelt waren. Daher schafft man einen Raum, in dem die Gruppenmitglieder ihre Gefühle, Gedanken und Reaktionen in einem sicheren Umfeld ausdrücken können. Hier treffen sich diese Menschen, um sich von der emotionalen Last zu befreien, die nach einem traumatischen Ereignis auf ihnen liegt. Das kann helfen, das Risiko zu verringern, an als Folge des traumatischen Ereignisses psychische Probleme zu entwickeln.

Psychologen haben das Debriefing als eine Technik entwickelt, die Menschen beim Umgang mit potenziell traumatischen Ereignissen helfen soll. Ein Psychologe leitet diese Treffen und die Mitglieder der Gruppe erzählen, was ihnen passiert ist und wie sie sich fühlen. Auch Notfallmediziner schätzen dieses Instrument als eine große Hilfe, um die Verschärfung psychischer Symptome zu vermeiden. Es kommt dabei nicht nur den Opfern zugute.

Psychologisches Debriefing an der Unfallstelle

Auch Profis leiden

Rettungskräfte sind auch nur Menschen. Sie leiden ebenfalls und brauchen manchmal Hilfe. Oft aber werden sie vergessen. Diese Fachleute haben aufgrund ihrer Tätigkeit ein hohes Risiko, psychische Probleme zu erleiden. Daher ist es besonders wichtig, dass sie nach traumatischen Situationen sofort Hilfe erhalten.

Ihnen werden häufig Aufgaben zugewiesen, unabhängig von Alter, Ausbildung, Fähigkeiten oder Erfahrung, die sehr fordernd sind. Dadurch können Symptome von akutem Stress hervorgerufen werden. Manchmal kann ein Fachmann möglicherweise gar nicht erkennen, dass er an seinem Limit arbeitet, denn die Intervention während einer Katastrophe folgt keinem festen oder vorhersehbaren Zeitplan. Notfallsituationen ändern sich ständig, was bedeutet, dass der Experte mit verschiedenen Umständen umgehen können muss, die allesamt belastend sind. In Notsituationen kann er sich möglicherweise nicht an herkömmliche Regeln halten und benötigt daher zahlreiche Ressourcen, um seine Arbeit zu erledigen. Einschließlich der Hilfe, die ihm selbst zuteil wird.

Symptome, die Rettungskräfte zeigen mögen

Ein Rettungshelfer kann nach einer Katastrophe viele Symptome zeigen:

  • Körperliche Symptome eines unter Druck arbeitenden Fachmanns können Müdigkeit, Übelkeit, Schüttelfrost oder Atemnot sein.
  • Auf der kognitiver Ebene wird der Rettungshelfer sicherlich in Alarmbereitschaft und wachsam sein. Trotzdem kann er negative Gedanken haben und mag nicht wissen, wie er diese aufhalten kann. Dabei mag er Unruhe verspüren, sehr schnell sprechen und während einer normalen Konversation zu schreien beginnen. Die mentale Reaktion ist dann eine Kombination aus Angst, Furcht, Irritation und sogar Schock.

Um zu verhindern, dass sich diese Symptome verschlimmern, ist ein psychologisches Debriefing angebracht, was im Deutschen mit „Nachbesprechung“ übersetzt werden kann. Es ist ein außergewöhnliches Werkzeug.

Warum ist es wichtig, unseren eigenen Stress zu erkennen und darauf zu reagieren?

Stress kann verheerende Folgen für die Gesundheit haben. Werfen wir einen Blick auf einige dieser Symptome:

Auf der Arbeit:

  • Beeinträchtigung der Arbeitsqualität
  • Erhöhte Fehlzeiten
  • Weniger Engagement
  • Vermehrte Konflikte mit Kollegen (sowohl mit Vorgesetzten als auch Untergebenen)

Zu Hause:

  • Konflikte mit dem Partner und anderen Familienmitgliedern
  • Negative Kommentare und Erfahrungen schildern, mit denen Angehörige nicht umgehen können
Psychologisches Debriefing bei einer therapeutischen Sitzung

Wie beginnt ein psychologisches Debriefing?

Notfallhelfer sollten nach ihrem Einsatz ihrerseits betreut werden. Das bedeutet, dass ihnen nach ihrer Schicht geholfen werden sollte. Der Umgang mit negativen Erfahrungen sollte ein expliziter, organisierter Prozess sein. Zwar haben Gruppen- und emotionale Entlastungssitzungen auch Kritiker, aber viele Organisationen setzen diese Techniken ein, um ihren Leuten zu helfen, nach Katastrophen mit ihren Emotionen umzugehen.

Diese Treffen folgen einer Reihe von Regeln. Ein Experte leitet diese Sitzungen und alle Teilnehmer schildern ihre Erfahrungen. Dazu gehören auch die kognitiven und emotionalen Reaktionen des Einzelnen, die während der Sitzung auftreten.

Sobald die Schicht eines Rettungshelfers zu Ende oder die Rettung abgeschlossen ist, sollte der Leiter ein entspanntes Treffen mit allen an der Rettung beteiligten Personen einberufen. Bei diesem Treffen werden die Teilnehmer aufgefordert:

  • Ihre Erfahrungen zu schildern
  • Ihre Gefühle zu äußern

Der Leiter dieser Interventionssitzung sollte

  • den Teilnehmern der Sitzung mitteilen, welche Symptome sie in den nächsten Tagen wahrscheinlich erleben werden.
  • den Teilnehmern erklären, wie sie am besten auf diese Symptome reagieren können.
Eine Hand hält eine andere Hand.

Stufen des psychologischen Debriefings

Das psychologische Debriefing wird nicht improvisiert, sondern ist in die folgenden Stufen unterteilt:

  • Die Ziele der Sitzung werden erklärt.
  • Jedes Mitglied stellt sich vor und beschreibt, was passiert ist.
  • Dann beschreiben die Mitglieder, was sie gesehen, gehört und was sie gedacht haben.
  • Jedes Mitglied beschreibt seine eigenen Reaktionen. Der Leiter bittet jedes Mitglied, sich auf das Schlimmste zu konzentrieren, das sie erfahren haben.
  • Jedes Mitglied beschreibt seine Stressreaktionen, die unmittelbar nach dem Vorfall erlebt wurden bzw. die gerade auftreten.
  • Der Leiter teilt den Gruppenmitgliedern mit, dass diese Reaktionen normal sind und erklärt entsprechende Bewältigungsstrategien.
  • Der Leiter zerstreut Zweifel. Es besteht zudem die Gelegenheit, zu sagen, was noch nicht gesagt wurde, woraufhin der Leiter zusätzliche Unterstützung anbietet.

Wie wir gesehen haben, kann der Stress, der im Rahmen eines Notfalls entsteht, sehr schwer zu bewältigen sein. Aus diesem Grund sollte die Nachbesprechung während der ersten 24 bis 72 Stunden nach dem kritischen Vorfall stattfinden. Das Ziel des psychologischen Debriefings ist es, das Leiden in Worte zu fassen, dem Ereignis eine Struktur zu geben und den Stress der Helfenden abzubauen. Ein Psychologe kann dabei durch einen strukturierten Prozess helfen.

Wir sollten  die normalen Reaktionen verstehen lernen, die nach einem traumatischen Ereignis auftreten können. Wir sollten dies an einem Ort tun, an dem wir uns sicher fühlen, begleitet und therapeutisch geführt werden, in der Hoffnung, dass wir uns danach besser fühlen. Nach der Nachbesprechung können Rettungshelfer immer noch Symptome haben. Zu diesen Symptomen zählen Schlaflosigkeit, Selbstkritik in Bezug auf ihr Handeln vor Ort, sich missverstanden fühlen usw. Deshalb muss kontinuierlich Unterstützung angeboten werden. Es müssen jederzeit Ansprechpartner zur Verfügung stehen.