Sprich deine Gefühle früh aus und warte nicht, bis du explodierst

· 23. Juli 2018

Wenn du gut mit anderen Menschen auskommen möchtest, ist es wirklich wichtig zu lernen, mit einem offenen Herzen zu sprechen. Das hört sich im ersten Augenblick sehr einfach an, ist es aber bei genauerer Betrachtung leider nicht. Es ist sogar noch komplizierter als es klingt, weil es eben nicht nur ums Reden geht. Es geht auch nicht nur darum, zu wissen, was man sagen soll. Denn du musst vor allem früh damit anfangen. Jedoch gibt es nur einen Weg, die Kommunikation durch ein offenes Herz zu erlernen. Und zwar, indem du dir selbst erlaubst, deine Emotionen frei zum Ausdruck zu bringen.

Es reicht nicht, einfach über deine Gefühle zu reden, wenn alles gut läuft. Es ist vielmehr so, dass das Reden über unangenehme und tragische Momente wesentlich wichtiger ist. Wenn du dich verwirrt, genervt oder unsicher fühlst, sind Rückzug und Stille definitiv kein geeigneter Ausweg. Bringe deine Emotionen zum Ausdruck. Sprich über das, was dich bedrückt. Lass es nicht einfach in dir drin und dort für lange Zeiten des Schmerzes sorgen.

„Für beide Parteien in einer Kontroverse besteht die unangenehmste Art der Vergeltung darin, verärgert und still zu sein, denn der Aggressor betrachtet die Stille gewöhnlich als Zeichen der Verachtung.“

Friedrich Nietzsche

Du musst sagen, was dir in den Sinn kommt, und deine Gefühle in jeder Situation zum Vorschein bringen, bevor sie dich in eine lange Abwärtsspirale zieht. Den richtigen Moment abzupassen ist nicht immer einfach, doch du gewinnst schon viel, wenn du es früh versuchst. Und du wirst von Mal zu Mal besser darin, den richtigen Zeitpunkt abzupassen und präzise zu sein.

Bring deine Gefühle zum Ausdruck und denke daran …

dass es keine exakte Formel gibt, welche dir verraten würde, was gute emotionale Kommunikation ist und was nicht. Aber es gibt einen Grundsatz, den du zur Orientierung verwenden kannst. Dieses Prinzip besteht darin, deine Gefühle in dem Moment zum Ausdruck zu bringen, in dem du einen starken Drang dazu verspürst. Mach es, wenn du das Gefühl hast, dass dein unmittelbares Wohlbefinden davon abhängt.

Ein Typ ist umgeben von weißen Kugeln, die um ihn schweben

Wenn du jedoch gereizt oder wütend bist, verspürst du oft einen gleichermaßen starkes Bedürfnis, das Erste zu sagen, was dir in diesem Augenblick in den Sinn kommt – und bereust es, wenn du diesem Impuls folgst. Am Ende war es gar nicht das, was du eigentlich mitteilen wolltest, weil es sich nicht um deine Gefühle drehte, sondern um Abwehr. So hast du Schaden angerichtet und es sogar noch schwieriger gemacht, zielführend zu kommunizieren.

Deshalb gibt es ein zweites wichtiges Prinzip für eine gute emotionale Kommunikation. Das Prinzip besteht darin, nicht in leidenschaftlichen Momenten zu sprechen. Sprich nicht und handle nicht, wenn du in diesem Zustand bist. Das Einzige, was du dann machen solltest, ist tief durchzuatmen. Das hilft dir, die Kontrolle zu bewahren und deinen Verstand neu fokussieren zu lassen.

Positive und negative Emotionen

Aus dem Herzen zu sprechen ist einfach, wenn es um positive Emotionen geht. Und selbstverständlich solltest du niemals darüber schweigen, wenn du etwas Positives fühlst. Es ist ein guter Weg, um deine Emotionen und deine Worte zu verbinden, ohne so viele Gedanken dazwischen zu haben. Mit anderen Worten: Es ist eine Möglichkeit, spontaner zu werden.

Ein Mann hält Bilder mit verschiedenen Gesichtsausdrücken hoch, um Gefühle zum Ausdruck bringen zu können

Aber mit negativen Emotionen willst du sicher vorsichtiger umgehen. Die traurige Wahrheit ist, dass viele von uns lernen, negative Emotionen zu unterdrücken. Uns wird beigebracht, dass sie wenig helfen und nur als Quelle von Konflikten dienen. Wenn dem so wäre, würde es durchaus Sinn ergeben, dass man uns lehrt, negative Emotionen in uns zu begraben und so zu vertuschen. Das endet jedoch oft in wesentlich größeren Problemen.

Wenn wir hier den Begriff „negative Emotionen“ verwenden, dann machen wir das, um verstanden zu werden. Wir meinen nicht, dass derart „negative“ Emotionen per se schlecht seien, da sie eben auch einen Sinn haben. Du fühlst dich einfach so, wie du dich eben fühlst. Und keine Emotion kommt von allein. Traurigkeit, Wut und Empörung sind nur ein paar Beispiele für Emotionen, die wir normalerweise als „negativ“ bezeichnen. Dennoch sind es oft genau diese Emotionen, die dir helfen können, dich weiterzuentwickeln, zu wachsen und wiederkehrende Probleme zu lösen.

Es beginnt als kleiner Ärger und endet als große Explosion

Wenn dich etwas stört, du frustriert bist oder du etwas verleugnest, bedeutet das, dass ein Gefühl des Unwillens in dir aufgekommen ist. Du willst das Unbehagen verdrängen und deshalb ignorierst du in den meisten Fällen, was diese Emotionen dir eigentlich zu sagen haben. Das ist ein Fehler. Denn es bedeutet, zu leugnen oder zu unterdrücken, dass du fühlst, was du fühlst. Alles, was du erreichen wirst, ist, es tief in dir zu verstecken. Jedoch wird es dort zu einer tickenden Zeitbombe, die darauf wartet, hochzugehen.

Eine Frau mit einem gläsernen Prisma auf dem Kopf

Das hat besonders mit negativen Emotionen zu tun, die in jenen Situationen auftreten, die für dich wichtig sind. Ruhig zu bleiben, ist hier keine Option. Wenn du still bleibst, könnte der unterdrückte Konflikt jeden Moment aus dir herausbrechen. Oder für lange, lange Zeit auf dir lasten. In anderen Fällen werden Menschen verletzt. Und das alles nur, weil Emotionen unterdrückt und ins Innere verbannt wurden. Doch schädliche Emotionen werden immer einen Weg finden, sich selbst Luft zu machen, wenn du es schon nicht für sie tust.

Also, wenn du emotionales Leid verspürst, lasse es nicht einfach an dir vorübergehen. Schaue genau hin, was vor sich geht. Finde heraus, welche Emotionen oder Gefühle dich dazu bringen, dieses Unbehagen zu verspüren. Sobald du das getan hast, bringe deine Gefühle zum Ausdruck. Aber mach es ruhig, taktvoll und mit dem Wunsch an deinen Gegenüber, Verständnis für deine Gefühle zu entwickeln. Auf diese Weise wirst du ihnen nicht die Freiheit geben, zu tun, was sie wollen.

Jemand, der weiß, wie er die Dinge frühzeitig, klar und ohne Schaden zu sagen hat, ist definitiv viel eher bereit, seine Beziehungen zu anderen Menschen auf die nächste Ebene zu erheben. Es hilft dir, eine Million verschiedene Probleme und Bedenken zu vermeiden. Deshalb lohnt es sich zu lernen, mit einem offenen Herzen zu kommunizieren.