Was ist Angewandte Psychologie?

12. Juli 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Was ist Angewandte Psychologie? - Eine Figur setzt Bausteine in eine Wand, auf der die Umrisse eines menschlichen Kopfes zu sehen sind.

Man könnte sich die Psychologie als einen großen Baum mit unzähligen Zweigen vorstellen. Alle Zweige versuchen, menschliches Verhalten zu verstehen. In diesem scheinbaren Chaos aus Blättern und Zweigen gibt es jedoch etwas, das auffällt: Wir sprechen von der Angewandten Psychologie. Diese Teilwissenschaft versucht, konkrete Lösungen für Probleme zu finden, denen wir im Alltag begegnen.

Vielleicht fragst du dich jetzt, ob das nicht immer so sei, in der Psychologie? Hat sich diese Wissenschaft nicht von Anfang an darauf spezialisiert, Antworten auf die häufigsten und komplexesten Fragen zu menschlichem Verhalten und Bedürfnisse zu finden? Nun, eigentlich nicht!

Die Intelligenz besteht nicht nur im Wissen, sondern auch in der Fähigkeit, das Wissen anzuwenden.“

Aristoteles

Zu Beginn konzentrierte sich die Psychologie mehr darauf, Informationen zu sammeln und psychologische Prozesse zu verstehen. Wir sprechen hier über grundlegende Prozesse, wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Lernen oder Sprache. Wir nennen dieses aufregende, weitläufige und ständig expandierende Feld „Allgemeine Psychologie„.

Erst Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts hat die Psychologie einen weiteren Sprung gemacht. Zu verdanken haben wir das unter anderem dem deutsch-amerikanischen Psychologen Hugo Münsterberg, denn er hat dazu beigetragen, diese sehr breit gefasste Wissenschaft in die Bahnen einer Suche nach praktischen Lösungen zu lenken.

Vor all dem Wissen, welches die Allgemeine Psychologie bereits gesammelt hatte, erweiterte sich das Feld nun auf lebensverändernde Strategien und die Förderung der menschlichen Gesundheit, des Lernens und des Wohlbefindens. Allgemeine Psychologie und Angewandte Psychologie sind zwei starke Äste des zuvor beschriebenen Baumes. Und dieser Baum wird niemals aufhören zu wachsen und neue Wege zu finden, unser Leben zu bereichern. Es ist daher fast unmöglich, diese beiden Bereiche getrennt voneinander zu betrachten. Immerhin wachsen sie am selben Stamm.

Hugo Münsterberg stellte sich zuerst die Frage, was ist Angewandte Psychologie

Hugo Münsterberg: Begründer der Angewandten Psychologie

Hugo Münsterberg hat in seiner Jugend Immanuel Kant gelesen. Er hatte zunächst auch eine gute Beziehung zu William James, der ihn einlud, mit ihm im Psychologischen Institut der Harvard University (Massachusetts, USA) zu arbeiten. Die Beziehung der beiden endete jedoch weniger gut.

Es wird behauptet, dass James ein Interesse daran hatte, paranormale Aktivitäten zu erforschen. Münsterberg, ein Schüler von Wilhelm Wundt und strenger Verfechter von Objektivität und Praktikabilität, konnte dieses Forschungsinteresse von James jedoch weder verstehen noch akzeptieren. Er katalogisierte alles, was nicht logisch und greifbar war, als „Psychologie des Abrakadabra“.

Münsterbergs primäres Interesse galt der Steigerung der Produktivität von Unternehmen. Vielleicht gab es deshalb immer gewisse Spannungen zu seinen akademischen Kollegen. Sie verstanden die Psychologie streng im wissenschaftlichen Sinne. Ihre Perspektive beschränkte sich auf Beobachtung und Experimente, mit dem Ziel, einen Artikel in einer Fachzeitschrift zu veröffentlichen und vielleicht die Theorie eines Kollegen zu widerlegen.

Wie legte Hugo Münsterberg dann den Grundstein für die Angewandte Psychologie? Er wollte die Fähigkeiten der Arbeiter erhöhen, zu einer Zeit, in der Industrie und wissenschaftliches Management (auch Taylorismus genannt) nach neuen Talenten verlangten. Das System forderte besser vorbereitete und fähigere Arbeiter für eine immer komplexer werdende Arbeitsumgebung. Das war ein gänzlich praktisches Problem, das konkreter Lösungen bedurfte.

Männer halten Zahnräder

Trotz der Tatsache, dass Münsterberg bereits im Alter von 53 Jahren starb, war sein Beitrag zur Psychologie beachtlich. Bemerkenswert ist weiterhin, dass er die Industrielle Psychologie und mehrere Tests zur Bewertung beruflicher Fähigkeiten etabliert hat. Er goss zudem das Fundament für die Juristische Psychologie, indem er eine Skala zur Überprüfung der Vertrauenswürdigkeit von Zeugen schuf.

Die verschiedenen Aspekte der Angewandten Psychologie

Oben erwähnten wir, dass ein großer Teil der Grundlagen und Kenntnisse der Angewandten Psychologie direkt aus der Allgemeinen Psychologie entlehnt wurde. In der Praxis ist es jedoch so, dass es die neu gestellte Aufgabe ist, welche zur Generierung neuen Wissens und der Anwendung neuer Konzepte führt. Dasselbe gilt für die Angewandte Psychologie. Sie zeigt damit eine gewisse Unabhängigkeit von ihrem Schwesterzweig, der Allgemeinen Psychologie.

Folglich hat die Angewandte Psychologie zahlreiche eigene Themenfelder. Diese befassen sich mit alltäglichen Gegebenheiten. Dank der Angewandten Psychologie können wir Lösungen finden, unsere Fähigkeiten verbessern, Prozesse optimieren und Innovationen einführen. Lass uns gemeinsam einige Beispiele betrachten.

„Die Theorie ist in der Tat sehr gut, aber wie sollen wir sie in die Praxis umsetzen? Wenn es absolut unpraktisch ist, hat keine Theorie irgendeinen Wert, außer als intellektuelle Gymnastik.“

Swami Vivekananda

Ein digital erstelltes Gesicht symbolisiert die Angewandte PsychologieThemenfelder der Angewandten Psychologie

  • Gesundheitspsychologie. Obwohl sie mit der Klinischen Psychologie verwandt ist, handelt es sich um zwei verschiedene Disziplinen. Die Gesundheitspsychologie analysiert die Beziehung zwischen Verhalten und körperlichen Beschwerden. Darüber hinaus versucht sie, verschiedenen Krankheiten vorzubeugen und sie zu behandeln.
  • Klinische Psychologie. Sie konzentriert sich auf die Prävention und Behandlung von dysfunktionalem Verhalten. Ihr Ziel ist die Steigerung der Lebensqualität und des psychischen Wohlbefindens.
  • Organisationspsychologie. Die Organisationspsychologie ist neben der Klinischen Psychologie einer der zwei bekanntesten Zweige der Angewandten Psychologie. In diesem Fall besteht das Ziel darin, die Arbeitsumgebung umzugestalten, so dass Probleme gelöst und Potenziale ausgeschöpft werden.
  • Pädagogische Psychologie. Hierbei nutzt die Angewandte Psychologie die Allgemeine Psychologie, um den Lernprozess und die Methodik zu verbessern. Sie basiert auf dem Wissen darum, wie Schüler lernen, und stellt ihnen die nötigen Ressourcen für ihre schulischen Herausforderungen zur Verfügung.
  • Umweltpsychologie. Sie versucht, zu verstehen, wie sich Menschen auf ihre Umgebung beziehen und wie die Umgebung unser Verhalten beeinflussen kann.
  • Sportpsychologie. Diese Teilwissenschaft versucht, die Leistung von Athleten zu verbessern, indem sie zum Beispiel Ängste verringert und Motivation fördert.
  • Marketingpsychologie. Wir alle wissen, dass Marketing ein wesentlicher Bestandteil der Konsumwirtschaft ist. Zu verstehen, was den Käufer dazu bewegt, bestimmte Produkte zu wählen und welche Art von unbewussten Prozessen die jeweiligen Wünsche und Bedürfnisse bestimmen, ist ein immenser Vorteil im Wettbewerb.
  • Forensische Psychologie. In diesem Fall beschränkt sich die Arbeit des Experten nicht auf die Kriminalitätsforschung. Denn forensische Psychologen analysieren auch die Gültigkeit von Zeugenaussagen, schauen sich Kämpfe um das Sorgerecht an, kümmern sich um die Opfer von Verbrechen usw.

Zusammenfassend ist jedes Themenfeld als ein Zweig der Angewandten Psychologie zu begreifen. Es gibt viele weitere Bereiche, die wir erwähnen könnten, wie die Notfallpsychologie, Verkehrssicherheitspsychologie, die Psychologie des Alterns usw. Doch dies hier sind nur Beispiele, die dir aufzeigen sollen, in wie vielen Situationen die Angewandte Psychologie unser tägliches Leben beeinflusst.

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