Was genau bedeutet es, eine Attitüde zu haben?

· 2. April 2019
Wenn wir von "eine Attitüde haben" sprechen, sprechen wir von einer bestimmten Art von Attitüde. Hier alles darüber lesen!

Wir alle haben wahrscheinlich schon einmal den Ausdruck „eine Attitüde haben“ gehört. Obwohl seine Bedeutung manchen vielleicht offensichtlich erscheint, verwirrt er tatsächlich viele Menschen. Das Wort „Attitüde“ hat viele verschiedene Bedeutungen – und im Endeffekt haben wir alle eine.

Aber was genau ist eine Attitüde? Der Duden definiert eine körperliche Haltung oder affektiert wirkende Geste, aber eben auch als ein zum Ausdruck gebrachtes Gefühl oder eine Meinung über etwas oder jemanden. In anderen Wörterbüchern finden wir Hinweise darauf, dass eine Attitüde ein mentaler und emotionaler Zustand sei, der uns als Person charakterisiert. Dort fügt man auch hinzu, dass dieser Zustand aus vergangenen Erfahrungen herrühre und die Art und Weise, wie wir auf die Dinge reagieren, beeinflusse. Im Grunde genommen gibt es keine bestimmte Definition für „Attitüde“ und es gibt auch nicht nur eine einzige Möglichkeit, sie zu verstehen.

In diesem Artikel wollen wir etwas tiefer in diese Materie eintauchen.

Was es bedeutet, eine Attitüde zu haben

Es gibt Hunderte von Definitionen für „Attitüde“. Einer unserer Favoriten ist die von Solomon Asch. Er definierte Attitüden als dauerhafte Dispositionen, die aus früheren Erfahrungen entstanden seien. Das Schlüsselwort hier lautet „Disposition“.

Die an der Attitüde beteiligten Dispositionen sind kognitiv, emotional und verhaltensbedingt. So ist die Attitüde eine Kombination aus emotionalen und rationalen Faktoren, die zu Handlungen führen. Aber auch unbewusste Einflüsse spielen hier eine Rolle. Sie können den bewussten Faktoren entsprechen oder in eine andere Richtung lenken.

Grundsätzlich ist die Attitüde eine Art Einstellung, ein Vorurteil gewissermaßen, das wir gegenüber Menschen, Situationen und Dingen haben. Das bedeutet auch, dass wir mehrere Attitüden haben können und dass es unmöglich ist, ohne mindestens eine Attitüde durchs Leben zu gehen. Wenn dem denn so ist, warum verwenden wir dann diesen Ausdruck nur zur Beschreibung von Menschen, die auf uns keinen positiven Eindruck machen?

Nachdenklicher Mann mit einer Attitüde

Die Arten von Attitüden

Der Ausdruck „eine Attitüde haben“ bezieht sich also auf eine bestimmte Disposition. Aber es ist auch erwähnenswert, dass es alle Arten von Attitüden gibt und eine Person mehrere haben kann. Tatsächlich ist es sogar möglich, zwei verschiedene Attitüden gegenüber derselben Sache zu haben.

Es kann helfen, Attitüden bezüglich ihrer Inhalte in Gruppen aufzuteilen:

  • Emotionen: Diese können positiv, negativ oder neutral sein. Positive Attitüden bedeuten, dass wir jemanden oder etwas emotional akzeptieren. Bei negativen Attitüden ist das Gegenteil der Fall. Neutrale Attitüden bedeuten emotionale Gleichgültigkeit.
  • Aktionen: Sie können proaktiv oder reaktiv sein. Proaktive Attitüden beinhalten Initiative und Selbstbestimmung, reaktive Einstellungen hingegen Passivität und Konformismus.
  • Motivationen: Diese haben mit den Absichten unserer Handlungen zu tun. Sie beinhalten Aspekte wie egoistische Bedürfnisse, für die wir ein individuelles Ziel verfolgen, und uneigennützige, für die wir an einem gemeinsamem Ziel arbeiten.
  • Beziehungen zu anderen: Diese Attitüden haben damit zu tun, wie wir mit anderen Menschen umgehen. Zum Beispiel könnten wir kollaborativ, passiv, aggressiv, manipulativ, durchsetzungsfähig oder nachgiebig sein.
  • Bewertung von Stimuli: Wir reagieren sowohl auf innere als auch auf äußere Reize. Entweder rational oder emotional, je nachdem, ob unser Kopf oder unser Herz die größere Rolle spielt.
Mann läuft auf ein Ziel zu

Attitüde als Ziel

Wir alle haben eine Attitüde zur Welt und zu uns selbst. Wir bilden sie auf Grundlage früherer Erfahrungen. Natürlich sollten wir danach streben, positiv, proaktiv, uneigennützig, kooperativ und rational zu sein. Diese perfekte Kombination von Faktoren ist es, auf die wir hinarbeiten sollten, wenn wir von unserer eigenen Attitüte sprechen.

Leider ist es nicht immer möglich, all diese Stärken gleichzeitig zu entwickeln. Und niemand kann diese perfekte Disposition in jeder Situation und unter allen Umständen aufrechterhalten. Also ist es am besten, sie nicht als etwas Notwendiges zu betrachten. Betrachten wir sie stattdessen als Leitbild. Als wünschenswerte Attitüde.

Diese Attitüde kann uns helfen, ein fließenderes, ausgeglicheneres Leben zu führen, Hindernisse zu überwinden und Konflikte zu vermeiden, die Interaktion mit anderen zu erleichtern und unsere Widerstandsfähigkeit zu erhöhen.

Naranjo, C. (1990). La vieja y novísima Gestalt: actitud y práctica de un experiencialismo ateórico. Cuatro Vientos.