Der alte Samurai – oder wie wir auf Provokation reagieren sollten

· 6. März 2018

In fernöstlichen Redewendungen und Legenden steckt jede Menge Weisheit. Wir könnten diese als klassische, unvergängliche Weisheit bezeichnen, denn sie können auch heute noch angewandt werden. Und das, obwohl seit ihrer Entstehung mehrere Jahrhunderte vergangen sind. Heute möchten wir uns deshalb einer dieser Geschichten widmen, die uns eine universell gültige Lektion für das Leben lehrt: Es ist die Geschichte vom alten Samurai.

Zu den unzähligen Aussprüchen, die Buddha zugeschrieben werden, zählt auch: „Wir sind auf dieser Welt, um in Harmonie zusammenzuleben. Wer das erkannt hat, kämpft nicht gegen seinen Mitmenschen.“  Das ist sicher eine weise Aussage, die uns vielleicht nützlich sein kann, wenn wir wieder einmal provoziert werden und daran zweifeln, wie wir uns verhandeln sollten. Nun kommen wir aber wirklich zur Geschichte vom alten Samurai, der uns beibringt, wie wir auf Provokation reagieren können, ohne uns selbst und anderen Schaden zuzufügen.

Der alte Samurai

Der Legende nach lebte vor langer Zeit ein alter Samurai in der Nähe von Tokio. Man wusste von ihm, dass er in zahlreichen Schlachten erfolgreich gewesen war. Deshalb begegneten ihm seine Mitmenschen mit höchstem Respekt. Obwohl seine Zeit als Krieger inzwischen zu Ende gegangen war, verfügt er über unglaubliches Wissen und Weisheit, von denen die jüngere Generation nur profitieren konnte. Der alte Samurai lehrte deshalb die Jüngeren, er lehrte sie, worauf es ankam, um gegen jeden Gegner zu bestehen. Tatsächlich erzählt man vom alten Samurai, dass er zu dieser Zeit immer noch in der Lage gewesen sei, gegen jeden einzelnen seiner Schüler zu gewinnen. Und auch gegen viele andere Krieger, ganz gleich, wie stark die auch sein mochten.

An einem Sommertag besuchte ihn ein Krieger in seinem Haus, der dafür bekannt war, keine Manieren zu haben. Wo auch immer er auftauchte, verbreitete er Unruhe. Er provozierte seine Gegner, bis sie blind vor Wut wurden und ihre Deckung aufgaben, was er nutzte, um sie zu besiegen. Warum war er zum alten Samurai gekommen? Nun, er wollte auch gegen ihn kämpfen. Er sollte ein weiteres Ausstellungsstück in seiner Sammlung bedeutender Erfolge werden. Schließlich wollte er selbst einmal zur Legende werden und viel bedeutender sein als der alte Samurai.Samurai auf einem Pferd

Aber gegen den alten Samurai konnte der Krieger mit seinen zweifelhaften Künsten wenig ausrichten. Er hat es einfach nicht geschafft, ihn so zu provozieren, wie ihm das bei vielen anderen Kämpfern gelungen war. Er gab sich alle Mühe, den alten Samurai zu reizen, doch auch nach Stunden steckte dessen Schwert noch sicher verwahrt in seiner Scheide. Schließlich gab der provokative Krieger auf und zog beschämt von dannen.

Die Schüler des alten Samurais jedoch fühlten sich um den Kampf betrogen. Sie waren enttäuscht von ihrem Meister, der ihrer Meinung nach feige gehandelt hatte. Sie warfen ihm vor, er hätte doch das Schwert ziehen und kämpfen sollen. Daraufhin erwiderte der alte Samurai: „Wenn dir jemand ein Geschenk macht, du es aber nicht annimmst, dann behält es der, der es angeboten hat. Genauso verhält es sich mit Wut und Zorn, mit Beleidigungen und Provokation. Wenn sie von demjenigen, an den sie gerichtet sind, nicht angenommen werden, verbleiben sie bei dem, der sie geäußert hat. Du machst dir die Provokation nur dann zu eigen, wenn du dich dazu entscheidest.“

Was wir vom alten Samurai lernen können

Wie du dir bereits vorstellen kannst, vermittelt diese Geschichte wertvolle Lektionen. Auch wir können von der Weisheit des alten Samurais profitieren. Es ist doch so, dass wir alle Unzufriedenheit, Frust, Schuld und Angst in uns tragen. Aber das bedeutet nicht, dass wir diese an unsere Mitmenschen verteilen sollten.

„Auf Zorn und Beleidigungen zurückzugreifen ist wie ein heißes Stück Kohle in die Hand zu nehmen, um es auf jemanden zu werfen: Du bist derjenige, der sich verbrennt.“

Buddha

Nun, auch wenn wir keine Unschuldsengel sind, so treffen wir doch immer wieder auf Personen, die besonders toxisch sind. Da sind die, die zerstören wollen, die sich unter Gewand der Hilfe verstecken, um näher an ihr Opfer zu gelangen und ihm zu schaden. Da sind jene, deren Ziel es ist, Schuldgefühle zu wecken, unsere Unsicherheiten und Ängste zu nähren und sich an unseren Energiereserven zu laben. Wenn wir solchen Menschen begegnen, sollten wir wissen, wie mit ihnen umzugehen ist.

Wenn wir uns nicht auf ihr Spiel einlassen, können wir unter jeglichen Umständen die Gelassenheit bewahren, derer es bedarf, um uns selbst zu schützen. Es geht darum, dass wir eben nicht auf Provokation reagieren, indem wir unserem Gegenüber eine passende Beleidigung entgegenschleudern. Wir sollten Provokationen an uns abprallen lassen. Genau so, wie wir auch den vergifteten Apfel ablehnen würden, wenn wir um seinen schädlichen Inhalt wissen. Wir müssen uns bewusst machen, dass wir nicht „verlieren“, wenn wir einen kühlen Kopf bewahren und uns von Wut und Zorn nicht beeindrucken lassen.

Samurai im Schnee

Lernen, wie wir bewusst auf Provokation reagieren können

Wenn wir lernen, wie wir bewusst auf Provokation reagieren können, anstatt wie eine unter Spannung stehende Feder aufzuspringen, machen wir es anderen ungleich schwerer, uns zu reizen und zu beleidigen. Dabei legen wir nicht unsere Waffen ab, lassen uns nicht wehrlos zurück, sondern wenden viel effektivere Mittel an, um Dummheiten zu ignorieren.

Folgende Strategien eignen sich dazu:

  • Darüber reflektieren, was uns reizt, was uns wütend macht. In welchen Situationen neigen wir dazu, die Kontrolle zu verlieren? Wenn wir gut vorbereitet sind, ist es viel einfacher, die Schilde der Gelassenheit aufzufahren und die Ruhe zu bewahren.
  • Die Vergangenheit überkommen. Was geschehen ist, ist geschehen. Vielleicht empfinden wir Scham, Wut oder Angst, wenn wir an das zurückdenken, was passiert ist. Bis zu einem gewissen Punkt ist das normal. Aber wir sollten versuchen, das Beste aus der jetzigen Situation zu machen und so zu handeln, dass sich begangene Fehler nicht wiederholen. Es sind diese Lehren, die wir aus unseren Erfahrungen ziehen, die uns stark machen und Sicherheit geben. Wir liegen eben nicht immer richtig. Und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Aber wir können es besser machen als bisher.
  • Mit den eigenen Emotionen auf gesunde Weise umgehen. Es ist nicht zu empfehlen, die eigenen Emotionen zu unterdrücken, aber wir dürfen uns auch nicht von ihnen überwältigen lassen. Wenn unsere Gefühle unser Handeln blind bestimmen, ohne dass der Kopf ein Wörtchen mitreden darf, dann befinden wir uns auf dem falschen Weg. Sinnvoller ist es, innezuhalten und die Situation zu analysieren, darüber nachzudenken, wer und was uns schaden kann. Dann sind wir auf den Angriff auch schon vorbereitet.

„Jedes Wort soll mit Bedacht gewählt werden, denn die Personen, die es hören, werden durch es beeinflusst – auf gute oder schlechte Weise.“

Buddha

In diesem Zusammenhang fällt uns noch das Sprichwort ein „Nicht der schadet, der schaden will, sondern der, der schaden kann“. Es liegt also in unserer Hand, vom alten Samurai zu lernen, dass wir auf Provokationen am besten reagieren, indem wir sie nicht annehmen. Auch wenn sich unser Gegenüber noch sehr so bemüht, uns sein Geschenk schmackhaft zu machen.