Was du nicht zu Menschen mit einer Angststörung sagen solltest

Häufig wissen Menschen nicht, was sie jemandem sagen sollen, der an einer Angststörung leidet. Wenn du zunächst Empathie zeigst, anstatt Ratschläge zu geben, ist dies ein guter Anfang. Denn Nähe und Verständnis sind nicht nur in diesen Situationen sehr hilfreich und wichtig.
 

Was sagst du zu Menschen mit einer Angststörung? Wie reagierst du, wenn dein Partner oder ein dir sehr nahe stehender Mensch eine Panikattacke erleidet? Viele Menschen neigen dazu, den Betroffenen zu sagen, dass „sie sich beruhigen“ sollen und dass sie „keine Angst haben“ müssen. Allerdings werden diese Worte genau das Gegenteil von dem bewirken, was du erwarten würdest. Obwohl du nur die allerbesten Absichten damit verfolgst!

Angst ist nicht etwas, dass ein Mensch beliebig kontrollieren kann, denn das ängstliche Gehirn funktioniert anders. Es gibt keinen Ein- und Ausschalter für Angst. Tatsächlich ist dieser Mechanismus weitaus subtiler. Daher ist das einzige, was du mit derartigen Ratschlägen bewirkst, dass sie Menschen mit einer Angststörung noch weiter unter Druck setzen und sie sich demzufolge noch unwohler fühlen werden.

Albert Ellis erklärt in seinem Buch How to Make Yourself Happy, dass Angststörungen eine Form von seelischer Angst sind. Sie sind sehr intensiv, haben massive Auswirkungen und schränken das menschliche Potenzial stark ein. Allerdings ist der interessante Aspekt, dass der erste Schritt um besser mit ihnen umzugehen, der ist, sie nicht zu blockieren, sondern ihre Existenz zu akzeptieren. Der Grund hierfür ist, dass emotionale Schmerzen ein Teil des menschlichen Wesens sind und niemand davon ausgenommen ist.

 

Daher solltest du auch niemals einem Menschen mit einer Angststörung raten, sich zu entspannen. Außerdem solltest du diesen Menschen auch nicht sagen, dass sie sich nicht so in diese Angst hineinsteigern sollten und dass sie aufhören sollten, sich Sorgen zu machen. Darüber hinaus solltest du ihnen gegenüber unter keinen Umständen äußern, dass ihre Gefühle nicht real sind. Derartige Aussagen führen nur dazu, dass eure Kommunikation gestört wird. Und dann wirst du nicht mehr erfahren, wie es diesem Menschen wirklich geht.

Menschen mit einer Angststörung - Mann

Sage nicht zu Menschen mit einer Angststörung: „Mache dir keine Sorgen!“

Ein Mensch mit einer Angststörung würde sich liebend gerne beruhigen. Wenn es etwas gibt, was sich diese Menschen wirklich wünschen, dann ist es, dass der Schmerz, den sie in ihrem Magen verspüren, verschwindet.

Wer wollte freiwillig unter Muskelverspannungen und Tachykardie leiden? Das Rumoren all dieser störenden Gedanken, die so schwer zu kontrollieren sind, ist wahrlich kein gutes Gefühl. Menschen, die diese psychologische Realität durchlaufen, haben oft das Gefühl, als würden sie einen Herzinfarkt bekommen. Oder dass sie den Verstand verlieren.

Wenn du einem Menschen mit einer Angststörung sagst, dass er keine Angst haben soll, dann ist das, als würdest du einem Ertrinkenden raten, aus dem Wasser zu kommen. Sie können sich nicht aus der Situation befreien und benötigen eine anders geartete Hilfe von dir. Darüber hinaus gibt es noch einen weiteren Aspekt, den du berücksichtigen solltest: Ängste treten häufig ohne Vorwarnung auf. Daher ist es nicht angebracht, Menschen, die sich bereits in einer schwierigen Situation befinden, noch mehr in Stress zu versetzen.

 

Tatsächlich erscheint der Dämon der Angst sehr oft in absolut harmlosen Situationen und völlig unerwartet. Wenn dies geschieht, kommt es sehr häufig vor, dass ein nahe stehender Mensch darauf besteht, dass es keinen Grund zur Besorgnis gibt. Außerdem wird dem Betroffenen gesagt, dass alles in Ordnung sei und sich alles nur in seinem Kopf abspielen würde.

Wie du sicherlich erkennen kannst, führen derartige Aussagen nur dazu, die Situation noch weiter zu verschlimmern.

Weniger Ratschläge und mehr Empathie

Daher solltest du einem Menschen mit einer Angststörung nicht sagen, dass er oder sie sich keine Sorgen machen soll. Außerdem ist es ebenfalls nicht angebracht, ihnen zu sagen, dass sie sich entspannen sollten. Auch die gut gemeinte Tasse Kaffee, um aus dem Albtraum zu erwachen, ist keine gute Idee.

Denn das Gehirn der Betroffenen ist von der Angst gefangen und wird nicht auf derartige Ratschläge hören, da es sich im Alarmzustand befindet. Darüber hinaus ist es nicht in der Lage, Anweisungen, Vorschläge oder gut gemeinte Ratschläge zu verarbeiten. Wenn du sie dennoch gibst, wirst du schon sehr bald feststellen, dass sie nutzlos sind. Wenn es etwas gibt, womit du diesem Menschen wirklich helfen kannst, dann ist es deine Empathie.

 

Manchmal besteht die beste Vorgehensweise darin, gar nichts zu sagen. Es genügt, wenn du für den Menschen da bist und ihn wissen lässt, dass er sich auf dich verlassen kann.

Wenn sich diese Situation wieder beruhigt hat, besteht die Möglichkeit, angemessene Bewältigungsstrategien zu erarbeiten. Aber manchmal ist es das Beste, wenn du einfach für einen Menschen da bist. Damit gibst du ihm Sicherheit und bist für ihn der Fels in der Brandung, um diesen Sturm zu überstehen.

Eine Studie, die von der psychopharmakologischen Abteilung der Universität von Chemin de Ronde in Paris durchgeführt wurde, besagt, dass das Gehirn eines Menschen mit einer Angststörung von Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin kontrolliert wird. Daher ist es auch so schwer, im Zustand der Angst zu denken. Und das ist auch der Grund dafür, dass jeder Ratschlag in einer derartigen Situation nur wenig hilfreich ist.

Menschen mit einer Angststörung - besorgter Mann

Was kannst du zu Menschen mit einer Angststörung sagen?

Wenn du dich fragst, wie du dich gegenüber einem Menschen mit einer Angststörung verhalten solltest, dann ist die Antwort ganz einfach: Sage weniger und tue mehr!

Anstatt gut gemeinte Ratschläge zu geben, solltest du einfach da sein und dem Menschen das Gefühl geben, dass er nicht alleine ist. Versuche zu verstehen, was dieser Mensch gerade durchmacht. Außerdem solltest du verstehen, dass es viele verschiedene Ängste und Angststörungen gibt. Daher kann es gut sein, dass das, was für einen Menschen hilfreich ist, für einen anderen nicht angemessen ist.

 

Und aus diesem Grund ist es das Beste, dass du den Menschen fragst: „Wie kann ich dir helfen?“ oder „Ich weiß, dass du momentan unter extremer Anspannung leidest und du sie nicht kontrollieren kannst. Vielleicht können wir einfach versuchen, zusammen bewusst zu atmen“.

Oftmals genügt es schon, wenn jemand einfach da ist und Ruhe, Gelassenheit und Sicherheit vermittelt. Zu einem späteren Zeitpunkt kannst du dem Betroffenen dann vielleicht dabei helfen, sich professionelle Unterstützung zu suchen. Bis dahin jedoch solltest du wissen, wie du dich verhalten solltest und dem Menschen Zuneigung und Empathie vermitteln. Das ist einfacher als es scheinen mag.

  • Millan, M. J. (2003). The neurobiology and control of anxious states. Progress in Neurobiology. Elsevier Ltd. https://doi.org/10.1016/S0301-0082(03)00087-X