Menschen die ihre Meinung vertreten, als wäre sie die „universelle Wahrheit“

· 13. Februar 2018

Einige Leute lieben es einfach, ungebeten ihre Meinung zu äußern. Leute, die anderen helfen wollen, indem sie ihnen sagen, was sie glauben, das sie hören müssten. Sie sind jene Menschen mit einem großen Ego, die uns ihre Meinung als universelle Wahrheit verkaufen. Und sie sprechen immer in einem herablassenden, kritischen Ton.

Welche Ratschläge geben sie uns? Da wären zum Beispiel „Es ist offensichtlich, dass du dich immer für die falschen Typen entscheidest. Ich sage es dir, er wird dich bei der ersten Gelegenheit betrügen.“  oder „Es ist zu deinem Besten. Schlag dir die Idee einfach aus dem Kopf, das ist zu viel für dich.“  und natürlich auch „Diese Dinge passieren nur dir, denn du hast einfach eine schwache Persönlichkeit.“

„Wir sollten die Wahrheit nicht mit der Meinung des Volkes verwechseln.“

Jean Cocteau

Viele von uns haben derartige Dinge schon einmal gehört. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass wir zwar das Recht haben, unsere Meinung zu sagen, aber dass es falsch ist, jemanden mit ihr zu verletzen, zu demütigen oder ihn herabwürdigend zu behandeln. Außerdem müssen wir wissen, dass Meinungen nur persönliche Ansichten sind. Sie sind einfach Reflexionen der emotionalen und kognitiven Welt der sich äußernden Person.

Aber, wie Leonardo Da Vinci sagte, ist der größte Fehler, den ein Mensch machen kann, der, an das Falsche in den eigenen Meinungen zu glauben. Denn es gibt keine größere Ignoranz als die, zu denken, dass die persönliche Einschätzung der Welt einer universellen Wahrheit entspräche.

Ein ganzer Dschungel aus dem Maul eines Löwen

Meinungen können zu Fesseln werden

Meinungen können uns behindern. Denke darüber für einen Moment lang nach: Wenn jemand seine Meinung über uns preisgibt, tut er dies basierend auf seiner Perzeption der Realität, auf seinen Erfahrungen und seinen Werten.

Dies alles ist normal, wir können es verstehen. Aber wir können auf diesen Prozess auch etwas anwenden, was Psychologen „attentional bias“ (Aufmerksamkeitsverzerrung) oder „confirmation bias“ (Bestätigungsneigung) nennen. Aufmerksamkeitsverzerrung und Bestätigungsneigung lassen sich bei Personen erkennen, die nur das wahrnehmen, was sie sehen wollen. Menschen, die sich selbst darauf limitieren, nur bestimmte Aspekte zu betrachten, um ungenaue und extrem verzerrte Urteile zu fällen.

Ebenso besagt die Theorie der rationalen Entscheidung, dass sich ein großer Teil der Heuristik, mit der wir von Gedanken zu Meinungen gelangen, lediglich auf unserer Intuition und einfachen Beurteilungen beruht, was zu Fehlern führt. Dies erklärt, warum gewisse Leute ihre Einschränkungen ausleben, um fragliche Schlüsse zu ziehen, beispielsweise dass Frauen von Natur aus schwach seien, Kinder eine harte Hand bräuchten oder sogar dass jeder, der eine andere Religion als ich praktiziert, ein Terrorist sei.

Wir sollten daher sehr vorsichtig in der Gegenwart von Menschen sein, die ihre Meinung als einzigartig und exklusiv, als universelle Wahrheit darstellen. Denn nichts definiert jemanden so sehr wie die Kommentare, die er macht.

Abstraktes Bild einer Frau

Auf der anderen Seite hast du bestimmt schon einmal beobachtet, wie jemand, der diese resoluten und schädlichen Meinungen vertritt, dazu tendiert, sehr negativ zu reagieren oder es sogar als persönlichen Angriff zu werten, wenn jemand seine universelle Wahrheit mit logischen, nachvollziehbaren Prinzipien versucht, zu widerlegen.

Er wird diese Logik nicht akzeptieren, denn mentale Fesseln schaffen ein sehr enges Gedankenkonstrukt. Tatsächlich gibt es eine Menge Leute, die diese Art von Menschen als lebende Trolle bezeichnen – Menschen, die ständig ungefragt provokative Kommentare abgeben.

Wenn du deine Meinung sagen willst, lass es bitte eine brauchbare sein

Wir alle können und sollten unsere Meinung über Menschen, Dinge und Situation äußern. Aber wir müssen dies aus einer Position des Respekts heraus aus tun, nicht von einem Thron der Unverschämtheit aus. Es tut nichts zur Sache, wenn unsere Meinung ehrlich ist, aber schmerzt; wenn sie nützlich ist, aber kritisiert. Sie muss mit Respekt vermittelt werden. Und zum richtigen Zeitpunkt.

Meinungen, die ungefiltert von der Amygdala nach außen dringen, sind selten nützlich. Die Amygdala ist der Ort, an dem Emotionen wie Angst, Hass oder Wut sitzen. So geben wir eine Meinung mit der Intention ab, andere zu verletzten, sie in eine Schublade zu stecken oder auf sie herabzuschauen. Wir tun dies mit dem expliziten Wunsch, uns über andere zu erheben.

„Verletze andere nicht mit dem, was tatsächlich dich verletzt.“

Buddha

Sphinx in einem Fantasieland

Auf der anderen Seite liebt unsere Gesellschaft starke Meinungen. Aber genau die sind oft kaum begründet. Denke an Aufforderungen wie „Stimme für mich oder die Welt versinkt im Chaos!“, „Kaufe dieses Produkt und du wirst glücklich werden!“ oder „Werde dünner, zieh doch so an, tu dies und du wirst sozialen Erfolg haben!“.  Wir müssen lernen, anders zu denken.

Lerne, dich selbst von deinen Meinungen zu lösen, sie mit Distanz zu analysieren. Auf diese Weise kannst du sehen, was es da draußen noch gibt. Sage deiner Freundin beispielsweise nicht, dass das Kleid, welches sie trägt, schrecklich aussehe. Frage dich zuerst, ob sie es trägt, weil sie es mag. Oder weil sie einfach einen anderen Geschmack hat als du. Und schließlich, ob es sinnvoll ist, ihr deine Meinung zu ihrem Kleid zu sagen.

Erinnere dich an die nützlichen drei Filter der Wahrheit, die Aristoteles beschrieben hat:

  • Bist du dir ganz sicher, dass das, was du sagen willst, wahr ist?
  • Ist es etwas Gutes?
  • Wird diese Äußerung für die andere Person hilfreich sein?

Wenn die Antwort auf all diese drei Fragen ja lautet, dann teile dich mit. Mache den Schritt dahin, deine Meinung zu äußern, um unser Zusammenleben zu verbessern, respektvoll zu interagieren und stärkere Beziehungen zu erschaffen.