Ich habe gelernt, dass ich 3 Dinge nicht tun sollte, wenn ich Angst habe

28. Januar 2018 en Psychologie 107 Geteilt
Wenn ich Angst habe - Frau mit Vogel

Wenn ich Angst habe, sagt man mir Dinge wie: „Beruhige und entspanne dich, und du wirst sehen, dass es dir bald besser geht.“  Das können wohl viele ängstliche Menschen bestätigen. Und für ein paar Minuten lang gelingt uns das vielleicht auch, doch kurz darauf holt uns dieser gefürchtete Feind wieder ein, um uns die Luft zum Atmen und unsere Stimmung zu nehmen. Das ist der Fall, weil die Angst keine Krankheit ist, sondern ein Symptom, das Echo eines unklaren, tiefgreifenden und undefinierbaren Problems, das definiert und angegangen werden muss.

Wir alle kennen dieses Gefühl. Normalerweise fängt es damit an, dass wir einen Druck auf unserer Brust verspüren, so als ob sich der Dämon aus Heinrich Füsslis Der Nachtmahr  Tag für Tag auf uns setzen würde, um uns unserer Lebensenergie zu berauben. Dann gesellen sich Muskelschmerzen, einseitige Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme und Schlafstörungen hinzu.

„Die Ängstlichkeit gepaart mit Angst und die Angst gepaart mit Ängstlichkeit berauben den Menschen seiner wichtigsten Fähigkeit: der Reflexion.“

Konrad Lorenz

Darüber hinaus dürfen wir nicht vergessen, dass sich physische Symptome wegen dieser gefährlichen Kombination intensivieren, die zu verzerrten Gedanken führen, größtenteils zu negativen Gedanken, und das Gefühl auslösen, ständig einer Bedrohung ausgesetzt zu sein. Es nützt leider auch nichts, irgendeiner Aktivität nachzugehen oder in den Urlaub zu fahren: Wenn unser Verstand in diesem dunklen Tunnel aus Ängsten und Katastrophengedanken gefangen ist, wird es nichts helfen, uns zu entspannen.

Wenn wir uns in diesem Zustand befinden, in dem wir unfähig dazu sind, klar zu denken, gibt es Vieles, das keine Abhilfe schafft, auch wenn Außenstehende das annehmen könnten. Wir können Yoga praktizieren, Mandalas ausmalen, Musik anhören und einen Spaziergang machen. All diese Aktivitäten sind zweifellos positiv, entspannend und haben Vorteile für uns, aber das sind nur kurzzeitige Vorteile, die nicht die Lösung für das eigentliche Problem sind.

Angstzustände können wir nur durch einen multidisziplinären Ansatz bekämpfen. Entspannungsübungen sind sehr therapeutisch, sowie auch die Unterstützung aus unserem Umfeld, Sport und eine ausgeglichene Ernährung. Nichtsdestotrotz brauchen wir auch eine kognitive Verhaltensstrategie, die uns dabei hilft, gewisse Dinge zu überdenken und Veränderungen in die Tat umzusetzen.

Im weiteren Verlauf dieses Artikels möchten wir uns nun ansehen, wie wir dieses Problem auf die bestmögliche Art angehen können. Zuerst werfen wir einen Blick auf die typischen Reaktionen auf Angst, die uns nicht dabei helfen – auch wenn uns das jetzt überraschen wird -, wenn wir mit unserer Angst umgehen und uns endgültig von ihr verabschieden wollen.

Ängstlicher Mann

1. Wenn mich etwas besorgt, habe ich gelernt, nicht davor zu fliehen oder mich davor zu verstecken

Anna arbeitet als Außendienstmitarbeiterin in einem großen Unternehmen. Sie fängt jeden Tag um 8 Uhr morgens an, aber seit ein paar Wochen beginnt sie erst später mit der Arbeit. Das Interessante daran ist, dass sie das Haus immer noch zur gleichen Zeit verlässt. Gerade als sie auf die Autobahn fahren will, um zu ihrer Arbeit zu fahren, dreht sie um und fährt zu einem Café. Dort trinkt sie einen Tee und sagt sich selbst, dass sie für eine Stunde an nichts denken wird: Sie will einfach nur entspannen.

Wie wir anhand dieses kleinen Beispiel sehen können, „flieht“ unsere Protagonistin vor der Wurzel des Problems. Sie fühlt sich nicht dazu in der Lage, an ihren Arbeitsplatz zu fahren. Was mit einer Stunde Verspätung am Arbeistplatz anfangen kann, kann mit einer Krankschreibung enden, weil der Druck, die Angst und ihre Besorgnis dazu führen werden, dass Anna sich unfähig dazu fühlt, ihren Verantwortungen nachzukommen.

Wie verhält man sich in solchen Fällen richtig?

Diese Art der Reaktion ist vollkommen normal, und das aus einem sehr einfachen Grund: Wenn unser Gehirn eine Bedrohung vermutet, wird das Hormon Cortisol freigesetzt, um unseren Organismus auf die Flucht oder einen Kampf vorzubereiten.

  • Das Problem an der Flucht ist, dass sich die Angst langfristig verschlimmert und noch stärker wird.
  • Auch sehen wir uns selbst als unfähige Menschen an, die der Situation nicht die Stirn bieten können. Dieses Gefühl verstärkt sich, je öfter wir das Fluchtverhalten wiederholen.
  • Eine nützliche Strategie ist es, in solchen Fällen die Situation mithilfe von Fragen zu rationalisieren, die mit einem „Was würde passieren, wenn…?“  beginnen, anstatt vor der Situation zu fliehen, sie zu vermeiden oder uns mit anderen Dingen abzulenken:
    • „Was würde passieren, wenn ich meinem Chef sagen würde, dass mir dieses oder jenes missfällt?“
    • „Was würde passieren, wenn mein Chef mir Recht gäbe und sich die Situation am Arbeitsplatz verbessern würde?“
    • „Was würde passieren, wenn ich diesen Arbeitsplatz verlieren sollte?“
    • „Was würde passieren, wenn ich all meine Kraft darauf verwenden würde, mir einen Job zu suchen, der zu meinem Potenzial passt?“

Besorgte Frau am Schreibtisch

2. Ich sollte den Teufelskreis der zwanghaften Gedanken durchbrechen

Ständige Sorgen und zwanghafte Gedanken sind die kognitive Komponente der Angst. Einer der schlimmsten Kollateralschäden ist, dass sie uns unsere Fähigkeit nimmt, Überlegungen anzustellen, die Dinge in Ruhe zu analysieren und aus einer logischen und nützlicheren Perspektive zu betrachten.

  • Wenn uns etwas besorgt, uns Angst macht oder uns stört, ist es vollkommen normal, dass der Verstand ein chaotisches Epizentrum voller negativer Sichtweisen entstehen lässt. Kurz darauf kommen äußerst unangenehme Gefühle und das Gefühl der Bedrohung auf, was sich durch die Besorgnis nur noch verstärkt.
  • Eine Möglichkeit, diesen Teufelskreis der zwanghaften Gedanken zu durchbrechen, ist, sich darüber bewusst zu werden und das zu unterbinden.
  • In diesen Fällen können uns progressive Entspannungsübungen sowie die diaphragmale Atmung sehr gut helfen. Sie sind nützlich, um körperliche Symptome, wie Muskelverspannungen und innere Unruhe, zu mindern.
  • Nur wenn wir wahrnehmen, dass unser Körper entspannter und unser Verstand klarer ist, werden wir aus dem Teufelskreis der negativen Gedanken ausbrechen und neue Optionen sehen können. Wir werden dann uns selbst Vorschläge machen und uns auf die Gegenwart konzentrieren, anstatt uns wegen Dingen zu sorgen, die noch nicht einmal geschehen sind.

Um den Dämon der Angst im Alltag zu besiegen, sollten wir uns einfache, logische und positive kurzfristige Ziele setzen. Darüber hinaus sollten wir Gebrauch von unserem inneren Dialog machen und in ihm zu einem Verbündeten, nicht zu einem Feind sprechen.

Frau praktiziert Mindfullness

3. Die Angst zu verneinen oder sie komplett auslöschen zu wollen, hat keinen Sinn

Wir sollten uns auf jeden Fall im Klaren darüber sein, dass es keinen Sinn hat, die Angst komplett aus unserem Leben verbannen zu wollen. Sie wird immer da sein, weil sie ein Teil des Menschen ist. Und so eigenartig uns das erscheinen mag, ist sie auch überlebensnotwendig und wichtig, um uns besser an unser Umfeld anpassen zu können.

Um das besser verstehen zu können, sollten wir kurz über Folgendes nachdenken:

  • Wir können mit unserer Angst gut zusammenleben, solange sie nicht zu unserem Feind wird.
  • Die beste Art und Weise, mit ihr zu leben, besteht darin, zuzulassen, dass sie ein Teil unseres Lebens ist. Dennoch sollten wir sie aus der Nähe beobachten, sie kontrollieren und ihren Auslösern zuvorkommen. Falls wir das nicht tun, wird sie die Kontrolle übernehmen, und uns wird das nicht einmal auffallen.
  • Die Angst wird zu etwas Negativem, sobald wir bemerken, dass unser Leben blockiert und eingeschränkt ist und dass sie in gewisser Weise – so gering der Einfluss auch sein mag – unsere Beziehungen und unsere Bemühungen am Arbeitsplatz beeinträchtigt.

Eine positive Angst kann ihrerseits wie ein wahrhaftes psychisches Handwerkszeug für uns sein. Sie lädt uns dazu ein, uns zu verbessern, Risiken vorherzusehen, um eine Lösung für sie zu finden, Möglichkeiten zu sehen, um sie mit all unserem Potenzial auszuschöpfen. Sie befreit uns von unserer Trägheit und passiven Haltung, um uns zu einem Menschen zu entwickeln, der dazu in der Lage ist, seine Ziele zu erreichen.

Fliegender Vogel

Zusammengefasst können wir sagen, so wie wir zuvor gesehen haben, dass es nicht nur eine Möglichkeit gibt, die Angst zu bekämpfen und mit ihr umzugehen. In Wahrheit existieren natürlich viele Wege. Jeder Weg beginnt jedoch damit, zu verstehen, dass die Angst im Grunde genommen unser Verstand ist, der schneller als das Leben voranschreiten will. Wir müssen den Rhythmus verlangsamen und zuerst den Dialog mit uns selbst suchen.

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