Was bedeutet postfaktisch?

14. August 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Lange Nase repräsentiert Lügen.

Um „postfaktisch“ dreht sich heutzutage jede Menge Zorn. Um dieses kleine Wort, immer wieder verwendet, obwohl nie richtig erklärt. Dieser Artikel soll helfen, zu verstehen, was es damit auf sich hat.

„Postfaktisch“ beschreibt eine bewusste Verzerrung der Wahrheit. Mit anderen Worten bedeutet es eine Manipulation von Annahmen und Emotionen mit dem Ziel, die öffentliche Meinung hinsichtlich bestimmter Haltungen zu ändern. Es bezieht sich also darauf, durch emotionales Wirken die Gefühle der Zuhörer oder Leser zu wecken und so deren Einstellung zu beeinflussen.

Auch Fakten werden so gern verschleiert. Der Bereich, in dem dieses Vorgehen am häufigsten Anwendung findet, ist die Politik. Aufgrund dessen sind Ausdrücke wie „Fake News“ entstanden. Weiter unten im Artikel werden diese Begriffe erklärt und es wird aufgezeigt, mit welchen psychologischen Mitteln man diese verstehen kann.

Benutzung von „postfaktisch“

Wie bereits erwähnt, bezieht sich dieser Begriff unter anderem auf das Halten von Reden. Viele Politiker haben so die Unterstützung des Volkes erlangt. Am häufigsten geschieht dies in der „populistischen Rede“. Diese Reden entfachen die Massen, weil Unmögliches versprochen wird; einfache Lösungen zu all den Problemen, Politik wohl „durch das Volk, für das Volk“.

Andererseits gibt es heutzutage eine Menge Fake News. Und die stecken nicht selten in populistischen Reden. Das liegt daran, dass eben jene Politiker einen Nutzen daraus ziehen, dass sich weite Teile der Bevölkerung ausschließlich in den sozialen Netzwerken und parteiischen Websites ziehen. „Fake News“ bezeichnen Nachrichten, die falsch sind und in Kampagnen normalerweise zur absichtlichen Falschinformation verwendet werden.

Heutzutage wird man mit Unmengen an Nachrichten bombardiert. Der Begriff dafür lautet „Infoxication“ (Zusammenschluss aus zwei englischen Wörtern: information = Information, intoxication = Vergiftung). Dieser Menge an Informationen geschuldet ist es schwer zu unterscheiden, was wahr ist und was nicht. Und das führt dazu, dass Fake News für echt gehalten werden. Im deutschsprachigen Raum spricht so mancher, der gern Fake News verbreitet, übrigens meist von der „Lügenpresse“.

Politiker kreuzt während Eid Finger hinter dem Rücken.

Wieso ist „postfaktisch“ so attraktiv?

Warum ist diese Art der Beeinflussung so attraktiv? Und wieso überzeugen diese Reden und Nachrichten davon, an sie zu glauben? Zum Großteil liegen die Gründe dafür in der Rhetorik. Die Reden und Berichterstattungen weisen viele Charakteristiken auf, die uns aufmerksam werden lassen. Teilweise liegt das an deren simpler und schlüssiger Art. Einfache Erklärungen sind leicht verständlich und sie ergeben Sinn.

„Postfaktisch“ basiert auf Gegensätzlichkeiten wie „Alles ist entweder schwarz oder weiß“  oder „Bist du nicht mit uns, bist du gegen uns“.  Außerdem lässt diese Rhetorik auf eine bessere Zukunft hoffen. Besonders beeinflusst werden verwirrte, desorientierte und unsichere Menschen, weil sie nach Antworten suchen. Dazu kommt, dass sie sich bedroht, misshandelt oder unwichtig fühlen. Daraus wiederum folgt das Streben nach einer höheren Bedeutung.

Wie bereits erklärt, gibt es zwei psychologische Faktoren, die uns anfälliger für die postfaktische Rhetorik machen. Diese sind die Suche nach Antworten und das Streben nach Bedeutung. Beide Faktoren beschreiben die Mentalität jener, die sich in dieser dynamischen Welt verloren fühlen und ihren Platz nicht finden.

Mann fasst sich traurig an den Kopf.

Menschen mit diesen Eigenschaften fühlen sich, wie oben beschrieben, hilflos. Ihre althergebrachte Art, Dinge zu erledigen, funktioniert nicht mehr. Die Technologie hat ihre Fähigkeiten überflüssig gemacht und ihre Arbeitsplätze ersetzt. Sie fühlen sich gedemütigt und wertlos. In dieser Verzweiflung greift die postfaktische Rhetorik, fegt alle Unsicherheiten weg und verspricht, sie wieder großartig zu machen. Natürlich werden diese Versprechen, alle Probleme zu beenden und Sicherheit und Hoffnung zu bringen, gern akzeptiert – auch wenn sie keiner realistischen Betrachtung standhalten können.

Auch wenn das Internet die Menge an Falschinformationen erheblich gesteigert hat, gibt es uns gleichzeitig die Möglichkeit, sie zu enttarnen. Es gibt spezialisierte Websiten, auf denen über Fake News berichtet wird und die darin unterrichten, wie man falsche von echten Nachrichten unterscheidet. Sie raten dazu, den Autor zu überprüfen (viele Fake News weisen keinen Autor aus), sicherzugehen, dass mehrere Seiten dieselbe Meldung veröffentlicht haben, ohne dass hinter diesen eine einseitige ideologische Struktur steht, und zu reflektieren, ob verschiedene Sichtweisen beleuchtet werden. Schlussendlich muss, um Falschmeldungen zuverlässig zu enttarnen, die eigene Fähigkeit zum kritischen Hinterfragen weiterentwickelt werden.

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