Warum wir manche Träume vergessen

23 September, 2020
Kurz nach dem Aufwachen geschieht es häufig, dass wir einige unserer Träume vergessen, während wir uns an andere weiterhin erinnern können. All die intensiven Empfindungen und Bilder deiner Träume verschwinden ebenfalls sehr schnell, nachdem du deine Augen geöffnet hast. Aber warum geschieht dies? Warum erlaubt unser Gehirn nicht, dass wir uns an all unsere Träume erinnern können?

Wir Menschen verbringen einen beträchtlichen Teil unseres Lebens mit dem Schlafen. Und dabei tauchen wir in ein fantastisches Traumland ein. Dennoch passiert es häufig, dass wir beim Aufwachen unsere Träume vergessen. Aber warum geschieht das eigentlich? Obwohl diese Erfahrungen so unglaublich intensiv und häufig auch sehr lebendig sind, verschwinden sie, sobald wir aufwachen. Jedes Bild, Fragment und jede Erinnerung löst sich wie der Rauch in einem Luftzug auf und verblasst.

Außerdem haben wir oftmals für einen kurzen Augenblick das Gefühl, dass wir uns an unseren Traum hätten erinnern können, wenn wir uns nur ein wenig mehr angestrengt hätten. Allerdings sind diese Anstrengungen nutzlos, denn uns bleibt lediglich der emotionale Eindruck des Traumes oder gegebenenfalls auch des Albtraumes. Die meisten Träume vergessen wir einfach.

William Shakespeare sagte, dass “Menschen aus einem solchen Stoff wie Träume sind”. Es liegt tatsächlich eine unbestreitbare Wahrheit in diesem poetischen Bild. Der Akt des Träumens ist eine suggestive Mischung mentaler Prozesse, die aus deinen Erinnerungen, erlebten Erfahrungen und deiner Kreativität besteht. Es ist eine Mischung aus Surrealismus und Fantasie. Das liegt daran, dass Menschen über diese wunderbaren Fähigkeiten verfügen.

Jeder würde sich liebend gerne an jeden Traum erinnern können. Der Grund hierfür liegt in der klassischen Überzeugung, dass wir uns ein wenig besser kennenlernen könnten, wenn wir jedes Bild, jedes Wort, jede Empfindung und jedes Ereignis unseres Traumes erneut betrachten könnten.

“Die grundsätzliche Funktion von Träumen besteht darin, dass wir versuchen, unser psychisches Gleichgewicht wiederherzustellen.”

-Carl Jung-

Träume vergessen- Frau träumt

Zwei Gründe, warum wir manche Träume vergessen

Einige Menschen haben die faszinierende Gabe, sich an viele ihrer Träume erinnern zu können. Häufig erzählen sie anderen Menschen auch bereitwillig darüber. Dabei versuchen sie für gewöhnlich, die Symbolik dieser Träume zu entschlüsseln und sie sinnvoll zu interpretieren.

Allerdings gibt es auch viele Menschen, die die meisten ihrer Träume vergessen und nur sehr wenige Erinnerungen an ihre Traumwelt haben. Daher behaupten sie oftmals, dass sie gar nicht träumen würden.

Allerdings solltest du wissen, dass jeder Mensch träumt, denn Träume fördern nicht nur die tiefe und erholsame Ruhe, die für deine Gesundheit von entscheidender Bedeutung ist. Darüber hinaus braucht dein Gehirn diesen Prozess auch für das Lernen, um Daten zu löschen, die du nicht mehr benötigst und um metabolische Aufgaben auszuführen, die für ein gesundes Gleichgewicht erforderlich sind. Das bedeutet, dass dein Gehirn bestimmte Dinge aussortieren muss.

Einige Experten verweisen darauf, dass du von den 90 Jahren, die du leben wirst, ungefähr 30 Jahre schlafen wirst. Außerdem wirst du 22 dieser Jahre im Tiefschlaf und sieben in deinen Träumen verbringen. Und dennoch gibt es so viele Menschen, die ihre Träume vergessen. Aber warum verbringen wir denn so viel Zeit mit einer Aktivität, die inhaltlich so unproduktiv ist?

Der Hippocampus achtetet nicht auf deine Träume

Wenn du einschläfst, bleiben einige deiner Hirnregionen aktiv. Studien zeigen, dass es einige sehr aktive Hirnareale gibt und einer dieser Bereiche, die sehr lange brauchen, um ihre Aktivität in einen Ruhezustand zu bringen, ist der Hippocampus. Dieser Bereich hängt mit deinem Gedächtnis zusammen und ist für die Ausführung wichtiger Aufgaben während des Schlafens zuständig.

Der Hippocampus ist dafür zuständig, relevante Informationen aus deinem Kurzzeitgedächtnis in dein Langzeitgedächtnis zu transferieren. Das bedeutet, dass er auf ganz bestimmte Aufgaben fokussiert ist. Diese Aufgaben halten ihn davon ab, sich um deine Traumwelt zu kümmern. In der Tat erachtet der Hippocampus deine Träume als nicht wichtig. Seine Aufgabe ist es, das Lernen und die Erinnerung zu festigen.

Mit anderen Worten: Das, was in deinen Träumen passiert, interessiert deinen Hippocampus nicht sonderlich. Zumindest ist dies das Ergebnis einiger Studien, wie beispielsweise der von Thomas Andrillon, einem Neurowissenschaftler von der Monash Universität in Melbourne (Australien). So konnten die Wissenschaftler im MRT beobachten, dass der Hippocampus zwar Informationen an den Cortex sendet, dieser aber keine zurück an den Hippocampus sendet.

Es gibt Zeiten, in denen du dich an einige Dinge erinnern kannst; ein Bild, ein Gefühl oder vielleicht auch eine kurze Traumsequenz. Die Wahrscheinlichkeit hierfür erhöht sich, wenn du unmittelbar nach dem Traum aufwachst. In diesen Situationen konnten Wissenschaftler zeigen, dass die Erinnerung an die Träume nur für ein oder zwei Minuten bestehen bleibt. Anschließend wirst du deinen Traum aber wieder vergessen.

Träume vergessen - warum geschieht das?

Niedrige Acetylcholin- und Noradrenalinspiegel

Außerdem gibt es noch einen weiteren Grund dafür, warum Menschen einige Träume vergessen. Diese Theorie (in Ergänzung zur vorherigen) fokussiert sich auf zwei bestimmte Neurotransmitter: Acetylcholin und Noradrenalin. Wenn du einschläfst, sinken die Spiegel dieser beiden Substanzen erheblich ab.

Dieses Phänomen führt dazu, dass deine Fähigkeit sinkt, Erinnerungen aufzubauen. Allerdings ist dies noch nicht alles. Studien zeigen, dass der Acetylcholinspiegel plötzlich ansteigt, wenn du in die REM-Phase eintrittst und dich allmählich in das Land der Träume begibst. Allerdings steigt der Adrenalinspiegel in dieser Zeit nicht an. Wenn du dich an deine Träume erinnern willst, müssten aber beide Neurotransmitter in hohen Mengen vorhanden sein und das ist offensichtlich nicht der Fall.

Warum wir einige Träume vergessen und uns an andere erinnern können

Du kennst bereits zwei Gründe dafür, dass wir einige Träume vergessen. Der Hippocampus und die beiden Neurotransmitter Noradrenalin und Acetylcholin erschweren es dir, Erinnerungen aufzubauen, während du schläfst. Allerdings gibt es laut Experten auf diesem Gebiet noch einen weiteren Grund, der diese Vergesslichkeit begünstigt. Einer dieser Experten ist der Schlafforscher Ernest Hartmann, Professor der Psychiatrie an der Tufts Universität für Medizin.

Er sagt, dass Träume für dein Gehirn nicht transzendent sind. Sie bieten keinen Nutzen für die ordnungsgemäße Funktion deines Gehirns. Wenn du dich dann einmal an deine Träume erinnern kannst, gibt es nur einen Grund dafür; sie haben dann eine emotionale Komponente. Je intensiver deine Träume sind und je konsistenter ihre Handlung ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass du dich an sie erinnern wirst.

Zusammenfassend können wir sagen, dass Träume ein Rätsel sind, das uns Menschen nach wie vor fasziniert. Freud und auch Carl Jung hielten sie für unverzichtbar, um Menschen besser kennenzulernen. Dennoch verwirft dein Gehirn diese Informationen und daher wirst du weiterhin viele Träume vergessen. Ironischerweise ist dein Gehirn nicht so interessiert an deinen Träumen wie du selbst.

  • Vallat, R., Lajnef, T., Eichenlaub, J. B., Berthomier, C., Jerbi, K., Morlet, D., & Ruby, P. M. (2017). Increased evoked potentials to arousing auditory stimuli during sleep: Implication for the understanding of dream recall. Frontiers in Human Neuroscience11. https://doi.org/10.3389/fnhum.2017.00132