Warum verdrängte Gefühle zu einer Entscheidungsblockade führen

Was hat die Erziehung mit der Entscheidungsfindung zu tun? Warum führen verdrängte Gefühle zu Entscheidungsblockaden? Lies weiter, um die Antworten auf diese Fragen herauszufinden.
Warum verdrängte Gefühle zu einer Entscheidungsblockade führen

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 13. August 2022

Die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, ist in allen Aspekten des Lebens grundlegend. Doch was für die einen einfach ist, ist für die anderen extrem kompliziert. Natürlich gibt es komplexe Situationen, die längere Zeit erfordern, doch oft ist Unentschlossenheit auf die Erziehung zurückzuführen und steht in enger Verbindung mit der Fehlertoleranz. Wir schauen uns heute an, wie es dazu kommt und was du bei einer Entscheidungsblockade tun kannst.

Entscheidungsblockade: Unentschlossenheit und Schuldgefühle

Unentschlossenheit muss nicht immer ein Nachteil sein, denn sie zwingt dich, dir Zeit zum Nachdenken zu nehmen. Wenn du Informationen sammelst und analysierst, kannst du danach bessere Entscheidungen treffen. So haben verschiedene Studien gezeigt, dass unentschlossene Menschen unter anderem das Verhalten anderer vernünftiger beurteilen. Anstatt voreilige und unbegründete Schlüsse zu ziehen, denken sie flexibler und beziehen verschiedene Perspektiven mit ein, was dazu führt, dass sie gerechtere Urteile fällen.

Im Extremfall kann diese Eigenschaft jedoch zu einer Entscheidungsblockade führen: Angst, Stress, Unsicherheit oder Schuldgefühle verhindern die Entscheidungsfindung. Diese Schwierigkeit kann zum Teil jedoch auch in der Kindheit verwurzelt sein.

Mann mit Entscheidungsblockade
Ständige Unentschlossenheit erzeugt Stress und Leid, ja sogar Blockaden.

Unentschlossenheit ist eine Frage des Vertrauens

Eine Entscheidung zu treffen, bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Dafür brauchst du Vertrauen in dich selbst und in andere. Wenn du in der Kindheit kein Selbstvertrauen entwickelt hast, musst du im Erwachsenenalter daran arbeiten.

Bist du unentschlossen oder bist du von deinen Gefühlen abgekoppelt?

Kinder durchlaufen in ihrer normalen Entwicklung Phasen, in denen sie ihre eigene Unabhängigkeit und Selbstständigkeit fordern. Sie werden sich bewusst, dass sie eine eigene Stimme haben und versuchen gehört zu werden. Im Alter von zwei Jahren beginnen sei damit, zu allem Nein zu sagen. Viele Kinder versuchen mit Wutanfällen ihren Willen durchzusetzen. Mit der richtigen Erziehung ermöglichen diese Phasen dem Kind, Selbstvertrauen und Entscheidungsfähigkeit zu entwickeln.

In vielen Elternhäusern wird dieser Impuls jedoch während der gesamten Kindheit unterdrückt, was dazu führt, dass das Kind nicht lernt, seine Gefühle richtig zu managen. Dies könnte im Erwachsenenalter der Grund für Entscheidungsschwierigkeiten sein. Anschließend nennen wir einige Beispiele, die Situationen veranschaulichen, in denen Kindern die Entscheidungsfähigkeit genommen wird.

Körperempfindungen

Kinder erkennen ihre Körpersignale für Hunger und Sättigung, trotzdem werden sie von Erwachsenen häufig gezwungen, den Teller aufzuessen, auch wenn sie schon satt sind. Das Gleiche gilt für die Temperatur: Kinder wissen, wann sie eine Jacke benötigen, da ihnen kalt ist.

Soziale Beziehungen

Stell dir folgende Szene vor: Zwei Kinder streiten sich im Park und eines schlägt das andere. Das geschlagene Kind ist wütend, doch seine Eltern zwingen es dazu, “Frieden zu schließen”. Sie bitten das Kind, sich gegen seine Gefühle zu äußern, was sehr verwirrend sein kann. Jeder weiß, wie schwierig es ist, einer anderen Person im Augenblick des Zorns zu vergeben, ohne die Gefühle tiefer zu verstehen.

Unterdrückung des Gefühlsausdrucks

Die emotionale Unterdrückung ist bei autoritären oder respektlosen Erziehungsstilen sehr verbreitet. Aus dieser Perspektive wird das Verhalten eines Kindes, das weint, Wut, Traurigkeit oder Unstimmigkeiten zeigt, als schlecht abgestempelt. Die Kinder werden zum Teil allein gelassen, bis der Gefühlsausbruch vorbei ist, getadelt oder bedroht. In anderen Fällen wird das Weinen als Schwäche dargestellt, manchmal kommt es sogar zum Entzug von Zuneigung. So lernen Kinder, ihre Gefühle zu unterdrücken, was sich auch im Erwachsenenalter negativ auswirkt.

Abwertung von Gefühlen

Schließlich ist auch die Abwertung von Gefühlen eine sehr verbreitete Praxis. Dabei werden die Emotionen des Kindes heruntergespielt oder lächerlich gemacht, anstatt ihnen Wertschätzung und Raum zu geben. Wenn das Kind zum Beispiel ängstlich oder nervös ist, sagen ihm die Eltern, dass das albern ist oder stempeln es als Angsthase ab. Das Kind glaubt deshalb, dass es seinen Gefühlen nicht trauen kann, dass sie nicht angemessen sind.

Vater hilft Tochter aus einer Entscheidungsblockade
Die emotionale Entkräftung in der Kindheit kann bis ins Erwachsenenalter negative auswirkungen haben.

Entscheidungsblockade: Höre auf dich selbst!

Wenn du dich mit den oben genannten Situationen identifizierst, ist es normal, dass du auch im Erwachsenenalter sehr unentschlossen bist. Emotionen sind ein wichtiger Kompass. Wenn es um bedeutende Entscheidungen geht, versuchst du am besten, Informationen zu sammeln und alle Vor- und Nachteile zu vergleichen, um der Entscheidungsblockade zu entkommen. Dies funktioniert allerdings nicht in weniger wichtigen Alltagssituationen.

In diesen Momenten sollten dich deine Empfindungen und Gefühle bei der Entscheidungsfindung leiten, doch diese Ressourcen stehen dir nicht zur Verfügung. Du weißt also nicht, was du willst und wofür du dich entscheiden sollst. Schon in deiner Kindheit hast du gelernt, dass deine Gefühle unzuverlässig sind. Jetzt musst du sie neu entdecken und analysieren, du musst dich mit deinen Emotionen verbinden, sie akzeptieren und zulassen. Sie werden dir helfen, deine Entscheidungsblockade zu überwinden und in dich zu vertrauen.

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